Der Hoffmann-Pavillon in den Giardini wird 2027 zum „diplomatischen Parkett“. Er verhilft Bosnien-Herzegowina erstmals zu einer eigenen Repräsentation auf der Biennale. Das Projekt eines internationalen Teams will die Verflechtungen der beiden Länder sichtbar machen.
Bosnien-Herzegowina ist der einzige Staat des ehemaligen Jugoslawiens, der noch keinen eigenen Repräsentationsort bei der Biennale in Venedig hat. Das soll sich 2027 ändern. Österreich vergibt nämlich seinen Pavillon ein Jahr lang an Bosnien. Bespielt werden soll der Pavillon von einem österreichisch-bosnischen Team, das einen regen kulturellen Austausch anregen möchte – und Lobbyarbeit betreiben will für einen eigenen Repräsentationsraum 2029.
„Starkes kulturpolitisches Signal“
Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) sieht in dem Projekt „gelebte europäische Solidarität“ und will mit der Entscheidung „ein starkes kulturpolitisches Signal senden.“ Das von einer unabhängigen Jury vorgeschlagene Projekt mit dem Titel „Koncesija / Konzession / Concessione“ sei „ein mutiger, ein kluger und ein zutiefst politischer Vorschlag“, so der Vizekanzler.
Hinter der Idee stehen zwei Architektinnen, die aus Bosnien-Herzigowina stammen und in Österreich leben. Die Zwillingsschwestern Adna und Ajna Babahmetović kuratieren den Beitrag gemeinsam mit dem österreichischen Filmexperten Sebastian Höglinger. Sie wollen in Venedig ein „Portal für Wissenstransfer schaffen“ – aber auch bosnische Perspektiven „nachhaltig im internationalen Architekturdiskurs verankern“.
Bürokratische Hürden
Ein eigener Repräsentationsort, so erzählen die Kuratorinnen, scheiterte bisher an internen bürokratischen Hürden. Mit dem Projekt wollen sie ihrem Heimatland auch den Anstoß geben, für 2029 ein Konzept für einen eigenen Raum einzureichen.
Den von Josef Hoffmann gebauten Pavillon wollen die Kuratorinnen mit einem Repräsentationsort ihrer Heimat verweben und Teile der Lobby des legendären Hotel Holiday in Sarajewo darin nachbauen. „In Bosnien ist schon vieles passiert, das Europa noch vor sich hat“, erläutert Ajna Babahmetović ihre Idee. „Mit unserem Research-Vorhaben behaupten wir, dass Bosnien für eine allgemeine Diagnostik geeignet wäre. Deswegen haben wir es ‘We come from the future‘ genannt.“
Öffentliche und private Gelder
Österreich stellt wie 2025, als Sabine Pollak, Michael Obrist und Lorenzo Romito den Österreich-Pavillon unter dem Titel „Agency for Better Living“ mit einem doppelten Blick auf die Wohnungskrise in Großstädten anhand von Wien und Rom bespielten, 600.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Für das Einwerben öffentlicher und privater Gelder in Bosnien und Herzegowina sei die heutige offizielle Präsentation des Projekts der Startschuss, hieß es.
„Das ist keine gönnerhafte Geste“, unterstrich Höglinger, der als früherer Diagonale-Chef ein umfassendes Filmprogramm ankündigte: „Es ist die Offenlegung der verflochtenen Realität zweier Länder, die eng miteinander verbunden sind. „Der Besuch des Pavillons wird ein lustvoller sein“, versprach er: „Es muss getanzt werden, es muss vernetzt werden!“
Getanzt werden dürfte auch schon heuer im Österreich-Pavillon: Die Performance-Künstlerin und Regisseurin Florentina Holzinger ist von 9. Mai bis 22. November 2026 Österreich-Vertreterin bei der 61. Kunstbiennale Venedig. Die 20. Architekturbiennale findet dann von 8. Mai bis 21. November 2027 statt. Die 19. Ausgabe verzeichnete 2025 mit 298.000 verkauften Tickets einen Besucherrekord.
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