"Silk Road"

Prozess gegen Online-Drogenbaron Ulbricht beginnt

Web
07.02.2014 10:21
Ross William Ulbricht bringt auf den ersten Blick nicht die Eigenschaften mit, die gemeinhin einem Drogenbaron zugeschrieben werden. Freunde und Familie beschreiben den 29-Jährigen als sensibel und schüchtern. Die Staatsanwaltschaft zeichnet ein anderes Bild: Unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" soll Ulbricht mit der Webseite Silk Road einen riesigen Online-Schwarzmarkt für Drogen betrieben haben.

Am Freitag wurde in New York die Anklage gegen ihn verlesen. Mit Silk Road habe Ulbricht den "ausgeklügeltsten und umfangreichsten kriminellen Marktplatz im Internet" geschaffen, erklärte Staatsanwalt Preet Bharara. Unter mehr als 13.000 Schlagwörtern wie "Cannabis" oder "Psychodelisches" sei die ganze Bandbreite von illegalen Rauschmitteln gehandelt worden.

Ebenfalls im Angebot: Dienstleistungen wie das Fälschen von Ausweisen und das Hacken von Computern. Von der Gründung der Seite im Jänner 2011 bis zu Ulbrichts Festnahme am 1. Oktober 2013 seien Hunderte Millionen Dollar durch die dunklen Kanäle des "Deep Web" geflossen, jenen Teil des Internets, der nur über den Anonymisierungsdienst TOR zugänglich ist.

Beim Sci-Fi-Schmökern festgenommen
Die Beamten der Bundespolizei FBI fassten Ulbricht laut "New York Times" in der Science-Fiction-Abteilung einer öffentlichen Bücherei in San Francisco. Der wichtigste Teil der Festnahme sei gewesen, dass der mutmaßliche Silk-Road-Gründer auf keinen Fall seinen Laptop schließt.

Beim Zugriff habe Ulbricht von dem Computer aus gerade das Drogenportal verwaltet. Hätte er den Rechner heruntergefahren, wären die Beweise hinter einer kaum zu knackenden Wand von Verschlüsselungscodes verschwunden.

Alles lief im Verborgenen
"Dread Pirate Roberts" war schwer zu fassen. Die Infrastruktur von Silk Road bestand praktisch nur aus einem Laptop und im Ausland gemieteten Servern. Die Webseite lief über das sogenannte TOR-Netzwerk, das die Identität der Nutzer verschleiert. Mit dem Online-Bezahlsystem Bitcoin konnten die Geldflüsse im Verborgenen gehalten werden.

"Dread Pirate Roberts", hinter dem sich für die Staatsanwaltschaft Ulbricht verbirgt, kassierte für jeden Deal eine Provision von acht bis 15 Prozent. Als das Geschäft expandierte, soll er eine Handvoll vertrauenswürdiger Nutzer des Drogenportals als Hilfskräfte eingestellt haben, für den Kundenservice.

Hat Ulbricht Auftragsmorde bestellt?
Auch vor Gewalt schreckte Ulbricht angeblich nicht zurück: Der mutmaßliche Silk-Road-Gründer soll über seine Webseite sechs Morde bestellt haben. Allerdings sei keiner der Aufträge ausgeführt worden. Dieser Aspekt wird jedoch nicht von der Justiz in New York, sondern in einem separaten Verfahren in Baltimore behandelt.

Im Rahmen der Ermittlungen stellte das FBI Bitcoins im Wert von aktuell mehr als 150 Millionen Dollar sicher (etwa 111 Millionen Euro), der Großteil davon gehörte Ulbricht. Seinem Lebensstil war das aber nicht anzumerken. Mit drei Mitbewohnern habe er sich ein Apartment in San Francisco geteilt, schrieb die "New York Times". Ulbricht trug bevorzugt Jeans und T-Shirts und erzählte, er designe beruflich Internetseiten.

Vom Physikstudium zum Drogenhandel
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Ulbricht in einer Vorstadt von Austin in Texas. Zunächst studierte er Physik, dann machte er einen Ingenieurs-Abschluss. Zunehmend begeisterte er sich für die Ideen des libertären US-Politikers Ron Paul, der gegen Staatseinfluss und Steuern wettert. Wollte Ulbricht mit Silk Road einen Handelsplatz jenseits der Kontrolle der Regierungen schaffen?

Die Behörden geben nur spärlich Auskunft, wie sie die Verbindung zwischen "Dread Pirate Roberts" und Ulbricht hergestellt haben. Angeblich konnte das FBI die Silk-Road-Server im Ausland ausfindig machen. Offenbar fingen die Ermittler auch durch Zufall ein an Ulbricht adressiertes Päckchen mit falschen Ausweisen ab. Einmal soll er seine E-Mail-Adresse im Netz verraten haben.

Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück, nach Angaben seines Anwalts will er auf nicht schuldig plädieren. Allerdings forderte Ulbricht in einem Antrag, das ihm die auf seinem Rechner beschlagnahmten Bitcoins zurückerstattet werden.

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