28.10.2013 12:07 |

Telefonate überwacht

NSA soll auch Spanien und Italien ausgespäht haben

Nach US-Lauschangriff auf das Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beschäftigt die Affäre um Schnüffelaktionen des Geheimdienstes NSA auch verstärkt die Regierungen in Rom und Madrid. Laut der US-Webseite "Cryptome" soll die NSA allein zwischen 10. Dezember 2012 und 8. Jänner 2013 rund 46 Millionen Telefongespräche in Italien erfasst haben. In Spanien seien sogar über 60 Millionen Telefonate abgehört worden, wie der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald am Montag in der Madrider Zeitung "El Mundo" berichtete.

Der Inhalt der in Spanien zwischen Dezember 2012 und Jänner 2013 gesammelten Telefonate soll nicht belauscht worden sein. Die NSA soll nach dem Bericht allerdings auch persönliche Daten von Internet-, E-Mail-, Facebook- und Twitter-Usern gesammelt haben. Greenwald beruft sich auf Unterlagen des Ex-Geheimdienstlers Edward Snowden.

Die Madrider Regierung hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Montag den US-Botschafter ins Außenministerium zitiert. Noch am Freitag hatte Regierungschef Mariano Rajoy gesagt, es gebe keine Beweise dafür, dass der US-Geheimdienst auch Spanien abgehört habe. Der Bericht vom Montag scheint die spanische Regierung nun aber aufgeschreckt zu haben.

Auch Briten hörten in Italien ab
Zum Lauschangriff auf Italien hat Greenwald zudem gegenüber dem Nachrichtenmagazin "L'Espresso" berichtet, dass sich neben der NSA auch die britischen Geheimdienste Zugang zum italienischen Glasfasernetz verschafft hätten, über das Telefonanrufe, Mails und der Internet-Informationsstrom in Italien verlaufen.

Die relevanten Informationen, die die Briten sammelten, wurden dann angeblich mit der NSA getauscht. Damit konnten vertrauliche Informationen über Politiker, Staatsdiener und Unternehmen in Italien gesammelt werden. Die Briten wählten Telefonanrufe und Mails, aus denen unter anderem "politische Absichten ausländischer Regierungen" entnommen werden konnten, berichtete Greenwald.

Rom: Regierung debattiert nun über Datensicherheit
Die brisanten Informationen Greenwalds lösten in Rom Debatten über die Datensicherheit aus. Die oppositionelle "Fünf Sterne"-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo verlangte, dass die Regierung von Enrico Letta dem Parlament über die Abhöraffäre berichtet.

Der Premier hatte vergangene Woche noch betont, er wisse selbst nicht, ob er auch ausspioniert worden sei. Die Sicherheitsmaßnahmen um die US-Botschaft in Rom wurden verschärft. Die italienischen Geheimdienste berichteten, es gebe keine Signale, dass Telefongespräche aus dem Ausland erfasst worden seien.

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