Sa, 18. August 2018

Schräge Entwicklung

04.12.2013 10:00

Autoreifen vielleicht bald aus Löwenzahn?

Von außen sehen sie immer noch schwarz aus, aber ihre inneren Werte sind grün: Ab 2020 könnten Autoreifen zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen entstehen, glaubt Hersteller Continental. Bei der Forschung müssen die Conti-Chemiker schon mal quer denken. Wie sonst kommen sie darauf, dass man Löwenzahn zur Reifenherstellung verwenden kann?

Auch die aktuellen Reifen haben einen grünen Kern: Conti-Reifen beispielsweise bestehen zu knapp 45 Prozent aus Rohstoffen, die nicht erdölbasiert sind. So ersetzen die Chemiker fossile Öle durch Rapsöle und Polyester durch Rayon als Festigkeitsträger für den Reifenunterbau, die Karkasse. Auch ein Stück alter Reifen steckt im neuen: Synthese- und Naturkautschuk werden durch immer größere Anteile von recyceltem Gummi ersetzt.

Mit Löwenzahn auf der Straße
Vielversprechend als Rohstofflieferant ist aber eben auch Löwenzahn, den die Forscher zur Kautschukgewinnung einsetzen. Er könnte den Gummibaum ersetzen, dessen Kautschuk derzeit weite Transportwege von seinen subtropischen Anbaugebieten bis zu den Reifenwerken zurücklegen muss. Das würde die Hersteller auch unabhängig von steigenden Kautschukpreisen machen. Gleichzeitig könne man den Industrieruß in der Mischung gegen Silika, also Kieselsäure, auswechseln, heißt es bei Conti. Auch Weichmacher und Harze wären im Reifen denkbar, entweder nachwachsend gewonnen oder aus Recyclinganlagen kommend.

Bis die grünen Reifen Standard werden, müssen die Chemiker aber noch tüfteln, denn: "Nicht alle Rohstoffe, die in Reifen enthalten sind, können einfach durch nachwachsende Stoffe ersetzt werden", so Boris Mergell, Leiter der Material- und Prozesstechnik. "Vielfach verschlechtern sich durch solche Stoffe die Bremseigenschaften oder der Rollwiederstand." Da die grünen Reifen die gleichen oder bessere Brems- aber auch Spritspar-Eigenschaften wie die heutigen Pneus haben sollen, dauert die Entwicklung noch ein paar Jahre.

Löwenzahn-Technik kurz vor den Durchbruch
Continental und das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Aachen, die seit Jahren gemeinsam forschen, bauen jetzt in Münster eine Pilotanlage, die in größerem Umfang Naturkautschuk produzieren können soll. Die ersten Testreifen mit Gummi-Mischungen aus Löwenzahn-Kautschuk sollen bereits in den kommenden Jahren auf öffentlichen Straßen erprobt werden.

Wo in Europa der großflächige Anbau des speziell gezüchteten Löwenzahns vorgenommen werden könnte, steht aber noch nicht fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.