Mit einem rund 400 PS starken Audi RS3 nahm Hermann Maier die „Krone“ mit auf eine Spritztour in Kitz und plauderte dabei über die Lage der Ski-Nation.
„Krone“: Hermann, es ist die große Zeit der Comebacks im Ski-Zirkus. Deine Rückkehr wäre doch das Tüpfelchen auf dem i …
Maier: Das ist definitiv auszuschließen (lacht). Und warum sollte ich das machen?
Zum Beispiel, weil wir aktuell zu wenige Siegkandidaten haben!
Das ist ein Argument. Insofern wäre auch ein Comeback von Matthias Mayer zu begrüßen. Und ich hoffe, dass Leute wie Vincent Kriechmayr oder Raphael Haaser bald fit werden.
Sind wir überhaupt noch DIE Skination schlechthin?
Ja, definitiv. Alleine schon aufgrund der Tourismuszahlen. Aber apropos Tourismus: Es ist schon eine interessante Frage, warum aus unseren großen Tourismus-Hotspots kaum mehr Spitzenrennläufer kommen. Wahrscheinlich, weil sich die meisten das nicht mehr antun wollen, wenn man sich den Aufwand und die Verletzungsgefahr anschaut.
Die jüngsten Ergebnisse unseres Teams lassen doch sicher dein Herz bluten. In deinen Zeiten mussten potenzielle Siegkandidaten zuschauen, weil im Team kein Platz war. Was ist da falsch gelaufen?
Die Karte wurde auf zu wenige Personen gesetzt. Früher haben bei uns auch Europacup-Läufer mit den Besten mittrainiert, damit hast du das gesamte Team mitgezogen, alle konnten sich im Training an der absoluten Weltspitze orientieren. Und im Training wirst du besser. Das machen jetzt viele andere Nationen, wie die Schweiz oder Norwegen. Bei uns in Österreich wurde das - zumindest seit 2015 – zu wenig gemacht. Ich bin mir sicher, dass jetzt die Köpfe rauchen, was man besser machen kann. Damit der Nachwuchs dabei bleibt, damit endlich auch bei uns in Österreich dieser Übergang vom Europacup in den Weltcup gelingt. Und damit rausgefiltert wird, was einen guten Skifahrer ausmacht. Und ich glaube, über diese Sorge können dann wieder neue Erfolge entstehen.
Und was macht deiner Meinung nach einen guten Skifahrer aus?
Es sind vor allem die technischen Attribute! Oft wird leider viel zu sehr auf die körperliche Entwicklung und auch auf den Materialfaktor geschaut.
Der Schweizer Marco Odermatt dominiert hingegen ähnlich wie damals du das Geschehen. Wie beurteilst du seine Leistungen?
Schon seit Saisonbeginn ist zu sehen, in welch prachtvoller Form er sich befindet. Wenn er sich auch hier in Kitzbühel so präsentiert und die Verhältnisse halbwegs so bleiben, dann führt an ihm kein Weg vorbei, dann wird er den Super-G und auch die Abfahrt gewinnen. Seine Saison kann noch ziemlich hervorragend werden. Und: Es gehen ihm leider auch die Gegner aus, wenn man sich die Verletztenliste anschaut.
Was sind da deine Gedanken, was man tun müsste?
Stürze hat es immer schon gegeben. Und die wird es auch immer geben, das ist kein Computerspiel! Aber eines ist schon klar, denn die Schwerkraft hat sich im Laufe der Jahre nicht verändert: Einfach gerade den Berg runter zu fahren, wie es einst Franz Klammer gemacht hat, ist eigentlich am sichersten! Sobald man über die Kurven die Zeit herausholen muss, setzt man auf aggressiveres Material, erhöht damit die Gefahr auf Kreuzbandrisse.
Letzte Frage, wirst du dich im Kitzbüheler Nachtleben herumtreiben?
Nein, in meinem Alter wird mich die schwarze Luft hier nicht erleben (lacht). Aber den Super-G am Freitag, zu dem ich natürlich noch immer eine sehr enge emotionale Bindung habe (Maier gewann dieses Rennen fünfmal, Anm.), werde ich mir live anschauen.
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