Gestresste Autolenker, Handgreiflichkeiten und verärgerte Anrainer: Neue Verkehrslösungen in St. Pölten sorgen vor allem in der Früh für Wirbel.
Zwei neue Verkehrslösungen sorgen in St. Pölten für unterschiedliche Reaktionen. So ist seit Schulbeginn die Zufahrt zum Grillparzer-Campus für einige zur täglichen „Spießrutenfahrt“ geworden. Seit September ist die als Sackgasse geführte Maria-Theresia-Straße in beide Richtungen befahrbar, trotz geparkter Autos.
Alternative Möglichkeiten nutzen
Das Resultat: Immer wieder stehen sich hier ratlose und verärgerte Gesichter in ihren Fahrzeugen gegenüber. Ein derart beengtes Vorbeifahren wird zum schier unüberwindbaren Problem. Von Erwachsenen, die ihre Sprösslinge bis vor die Schule bringen wollen, bis zu gestressten Autofahrern, die lieber eine Abkürzung über den Gehweg nehmen. Sogar bis hin zu Schreiduellen samt angedrohter Handgreiflichkeiten reichen die Beobachtungen der Anrainer.
„Die derzeitige Situation wurde auch auf Wunsch der Eltern so umgesetzt“, heißt es seitens der Stadt. Alternativen hätten auf wenig Zustimmung getroffen. „Das muss sich erst einspielen“, ortet die Exekutive keinen Handlungsbedarf. Ein paar Schritte zu Fuß zur Schule zu gehen, sei nicht nur gesund, sondern auch nervenschonend.
„Für die Kinder ist es besser so, aber manche Autofahrer ignorieren die Geschwindigkeitsbeschränkung. Wenn sich jeder an die Regeln halten würde, wäre es einfacher. Es gibt Ausweich- buchten, die aber immer wieder verparkt werden. Manchmal fahren die Autofahrer einfach, dann gibt es Stau.“
Jelica Nedeljkovic, Mutter
„Ich muss sagen, mich betrifft diese Verkehrsregelung nicht direkt. Mir ist die Neuerung der Straßenführung eigentlich auch jetzt erst so richtig aufgefallen. Wenn ich hier in der Umgebung unterwegs bin, dann gehe ich eher zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad.“
Barbara Willer, Passantin
„Mit den Parkplätzen hier ist es schon schwierig. Ich parke meistens beim Bad. Der Kindergarten in Harland wurde ja durch das Hochwasser beschädigt und deshalb bringen wir die Kinder in die Grillparzerschule, wo drei Räume zur Verfügung gestellt wurden bis wir wieder in den Kindergarten können.“
Jasmin Lojka, Mutter
„Die neue Verkehrsregelung scheint nicht so richtig durchdacht. Ich glaube, es war auch anders geplant. Das dürfte eher eine Notlösung zu sein. Seitens der Autofahrer herrscht fallweise eine regelrechte Ignoranz, wie man an den Autospuren hier auf dem Fußweg erkennen kann! Leider!“
Karl Soboth, Anrainer
„Wenn sich die Autofahrer daran halten würden, wie es vorgesehen wäre, dann würde das auch klappen. Dieser Pkw da steht im Halte- und Parkverbot, das sind Ausweichbuchten, sonst kommt man nicht aneinander vorbei. Es hilft die beste Idee nichts, wenn sich die Leute nicht daran halten.“
Peter Tiefenbacher, Schulwart
„Es kommt immer wieder vor, dass Autofahrer über den Rad- oder Gehweg fahren. Ich habe einmal die Polizei verständigt. Ich bin hier entlang gegangen, als ein Lenker aufs Gas gestiegen und an mir vorbei geprescht ist! Ich musste zur Seite springen. So etwas geht einfach nicht!“
Anna Grill, Anrainerin
Neue Begegnungszone in der Innenstadt
Aber auch in der Linzer Straße muss man sich mit Ende der Herbstferien – wieder einmal – auf eine Neuerung einstellen. Dort sollte die geänderte Regelung aber zumindest für Autofahrer eine Verbesserung darstellen. Nachdem die Straße wegen des Kunstfestivals Tangente monatelang zur Fußgängerzone wurde, ist sie nun eine Begegnungszone.
Fahrzeuge sind somit wieder erlaubt, aber allen anderen Verkehrsteilnehmern gleichgestellt. Gebührenpflichtige Parkplätze gibt es aber keine mehr, stattdessen wurden Haltemöglichkeiten geschaffen, die vor allem für „Eltern-Taxis“ zu den Mary-Ward-Schulen nützlich sein dürften.
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