Jannik Sinners zweiter Grand-Slam-Titel ist einer der umstrittensten. Spieler in ähnlichen Fällen wurden bereits gesperrt. Italien leidet an der Clostebol-Flut.
Mit dem ersten Titel eines Italieners bei den US Open hat Jannik Sinner Geschichte schrieben. Sein Triumph durch das 6:3, 6:4, 7:5 über Taylor Fritz ist vielleicht auch der umstrittenste in der Grand-Slam-Historie.
Landsmann vier Jahre gesperrt
Der Grund dafür sind Sinners zwei positive Dopingtests Mitte März in Indian Wells auf Clostebol, allerdings nur auf eine Menge, die „58 Tausendstel eines Salzkorns“ entspricht. Der 23-Jährige wurde freigesprochen, ein Beigeschmack wegen ungleicher Behandlung bleibt. Zum Vergleich: Stefano Battaglino, ebenfalls italienischer Tennisspieler, hatte 2022 auch angegeben, dass Clostebol via Massage in seinen Körper gelangt war, er wurde vier Jahre gesperrt. Auch bedenklich: Zwischen 2019 und 2023 gab es in Italien 38 Clostebol-Fälle, obwohl auf der Verpackung des Medikaments ein klarer Warnhinweis angebracht ist.
Klar ist, dass eine Kernbestimmung im Anti-Doping-Recht dahin geht, dass ein Athlet dafür verantwortlich ist, was er selbst oder via Teammitglied einnimmt. Auch wenn man wie Sinner plausibel darlegt, wie die Substanz in den Körper gelangte, gibt es oft eine Sperre von drei bis sechs Monaten. In letzterem Fall hätte Sinner bei den US Open nicht antreten dürfen.
David Müller von der Nationalen Anti-Doping-Agentur meint, dass es sinnvoll gewesen wäre, Sinners Fall von vornherein vor dem unabhängigen Internationalen Sportgerichtshof CAS zu verhandeln: „Dann hätte man sich im Tennis den Interessenkonflikt erspart.“
Straka hofft auf Wien-Besuch
Auch Wiens Turnierdirektor Herwig Straka glaubt, dass der Südtiroler schuldlos an der Einnahme war. „Aber manche Spieler wurden in ähnlichen Fällen bestraft.“ Er hofft jedenfalls, dass der Titelverteidiger auch heuer in der Stadthalle aufschlägt. Die Verhandlungen laufen.
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