„Lulu“ nach Platz fünf

„In vier Jahren werde ich die Medaille nachholen!“

Olympia
30.07.2024 19:15

Nur wenige Sekunden nach dem verlorenen Kampf um Judo-Bronze konnte Lubjana Piovesana schon wieder lachen. Sie umarmte Clarisse Agbegnenou, kam auch mit freudigem Gesicht in die Mixed Zone. „Die Enttäuschung hält sich wirklich in Grenzen“, war die 27-jährige vielmehr zufrieden mit ihrer Leistung und gab schon jetzt die klare Ansage aus: „Ich bin noch jung. In vier Jahren in Los Angeles will ich die Medaille nachholen.“

Vielleicht wäre sie jetzt schon reif dafür gewesen, wäre da nicht ihre Zwangspause gewesen. 2020 kehrte Piovesana ihrer Heimat Großbritannien den Rücken, auch weil sie intern von anderen Judo-Kämpferinnen, darunter ihre gestrige Zweitrundengegnerin Lucy Renshall, gemobbt wurde, mit Trainern ebenfalls ihre Probleme hatte. Stattdessen zog sie nach Vorarlberg zu Freund Laurin Böhler. Doch dauerte der Nationenwechsel, brachte den Nachteil mit sich, dass „Lulu“ drei Jahre keine internationalen Wettkämpfe bestreiten durfte.

„Sonst wäre ich in der Entwicklung sicher schon weiter“, weiß Piovesana. „Aber ich werde in den nächsten Jahren sicher noch stärker werden.“ Den Anfang dafür machte sie heuer schon. Die 27-Jährige gewann zwei Grand Slams, verbesserte sich unter die Top 10 der Weltrangliste. „Ich bin auch im Kopf viel stärker geworden“, erklärte „Lulu“, die früher oft Probleme mit Nervosität hatte. Dabei half ihr auch die Zusammenarbeit mit dem Psychologen Patrick Bernatzky. 

Der Sieg über Renshall war eine Genugtuung.
Der Sieg über Renshall war eine Genugtuung.(Bild: GEPA)

Auf der allergrößten Bühne ihres Sports konnte Piovesana das Dienstag unter Beweis stellen. Sie gewann drei ihrer ersten vier Kämpfe, dabei schmerzte nur die Niederlage gegen ihre gute Freundin Prisca Awiti Alcaraz, die ebenfalls Großbritannien verlassen hatte, in Paris für Mexiko an den Start ging. „Weil ich da den Kampf dominiert habe, eine Wertung bekommen hätte müssen“, befand Piovesana. 

„Fangirl von Clarisse“
Mentale Stärke brauchte es vor allem in Kampf um Bronze, als freilich alle 8000 Leute in der Halle auf dem Champs du Mars für Frankreichs Legende Clarisse Agbegnenou schrien. „Das war richtig nervenaufreibend“, gestand „Lulu“, die noch dazu ins Duell mit ihrem eigenen Vorbild musste. „Ich war ja eigentlich immer ein Fangirl von Clarisse.“

(Bild: GEPA)

Die sie beinahe geschlagen hätte. Zweimal gelang es ihr, die Französin in den ersten 40 Sekunden zu werfen, jedoch nicht so, dass es für eine gültige Wertung ausreichte. Dann passte sie nur einen Moment nicht auf und es war vorbei.

Es war erfreulich zu sehen, dass eine Athletin auch mit einem fünften Platz gut leben konnte, im Wissen, dass sie ihr Bestes gegeben, eine starke Leistung geboten hatte. „Ich bin einfach glücklich, dass ich hier sein, vor dieser Kulisse kämpfen darf“, freute sich Piovesana, die sich an die harte Zeit zu Beginn in Österreich erinnerte. „Da hatte ich teilweise fast Panikattacken.“ Nun darf sie mit ihrem Freund und ihrer Familie bei Olympia sein. Nicht zu vergessen mit ihrem Team, mit dem sie auch noch den Mixed-Bewerb bestreitet. „Aber da muss ich, wie fast alle Österreicher in der falschen Gewichtsklasse antreten. Also muss ich mir noch ein paar Kilo anessen“, lachte sie.

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