Lubjana Piovesana hat Österreichs erstes Edelmetall bei den Olympischen Spielen in Paris nur hauchdünn verpasst: Die gebürtige Britin verlor in der Judo-Klasse bis 63 kg das Duell um Bronze gegen Clarisse Agbegnenou, eine französische Judo-Legende!
Es war ein der Tag, der Lubjana Piovesana sicher auch Genugtuung brachte. Zum Auftakt hatte „Lulu“ die Kasachin Esmigul Kuyulova bezwungen, danach wartete auf die gebürtige Britin ein Prestigeduell mit der Vergangenheit. Sie traf nämlich auf ihre alte Landsfrau Lucy Renshall, mit der sie auf der Insel gegenseitige Abneigung verbunden hatte. „Sie war mit ein Grund, warum ich weg und nach Österreich gekommen bin“, erklärte „Lulu“.
Diesen Kampf zu gewinnen, war sicherlich besonders wichtig für Piovesana und sie schaffte dies mit einem Waza-ari als Golden Score. „Das war ein guter Kampf von mir“, strahlte sie hinterher. Auch im nächsten Duell bekam „Lulu“ es mit einer ehemaligen Landsfrau zu tun, diesmal allerdings einer Freundin. Prisca Alcaraz hatte bereits vor ihr die Insel verlassen, war nun für Mexiko am Start, Piovesana allerdings eigentlich die Favoritin.
Wertung nicht gegeben
Tatsächlich schien sich die 27-Jährige mit einem Wurf durchzusetzen. Doch nach Videostudium entschieden die Kampfrichter darauf, die Wertung nicht zu geben. „Eigentlich hätte ich gewinnen müssen“, ärgerte sich Piovesana. „Für mich war das eine klare Wertung. Ich habe den Kampf auch dominiert.“ In der Verlängerung setzte sie dann eine weitere gute Aktion. „Aber leider hat sie den Fuß dazwischen bekommen, eingehakt und dann mich geworfen.“
So musste die Neo-Vorarlbergerin statt in das Semifinale in die Hoffnungsrunde um Bronze, in der es zunächst gegen die Koreanerin Kim Jisu ging. Und in diesem schafften Piovesana nach 1:21 Minuten einen entscheidenden Ippon! Damit kämpfte sie um Bronze! Mit Clarisse Agbegnenou wartete nun freilich eine gewaltige Ikone und auch mentale Herausforderung auf „Lulu“. Die 8000 Zuschauer in der Halle feuerten ihren Liebling euphorisch an, dagegen kamen auch die mitgereisten Österreicher um Piovesanas Freund Laurin Böhler nicht an. Viele Fans hatten sogar große Karton-Fotos mit dem Konterfei von Agbegnenou mitgebracht, das sie ebenso schwenkten wie die Tricolore.
Routine setzt sich durch
Piovesana ließ sich davon aber nicht beirren. Sie ging entschlossener als in ihre vorehrigen Kämpfe, wollte die Favoritin kalt erwischen. Mit einem ersten Wurf schrammte sie nur knapp an einer Wertung vorbei. Immer wieder versuchte sie, Agbegnenou zu werfen, hatte die Französin im Schwitzkasten, bald kassierte ihre Gegnerin auch eine erste Verwarnung. Doch am Ende setzte sich die Routine der sechsfachen Weltmeisterin durch. Ihr gelang der entscheidende Ippon, zum Jubel der Fans. Piovesana blieb trotz eines tollen Tages nur der fünfte Platz.
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