So, 24. Juni 2018

"Hatte alle verloren"

24.10.2012 12:22

Bub am Bahnhof ausgesetzt: Mutter nun aufgespürt

"Nun bist du auf dich gestellt" - das erklärte eine syrische Mutter ihrem zwölfjährigen Buben am Wiener Westbahnhof und überließ ihn – wie berichtet – seinem Schicksal. Während das Kind in der "Drehscheibe Augarten" betreut wird, spürten deutsche Ermittler jetzt die Frau in Dortmund auf. Sie erklärte, den Buben und sogar noch drei weitere Kinder "verloren" zu haben.

Das Drama um den ausgesetzten Buben am Wiener Westbahnhof sorgte für Schlagzeilen: Eine syrische Familie hatte sich von Schleppern über die Türkei und Griechenland nach Österreich schleusen lassen und wollte von hier aus auf eigene Faust per Zug weiter nach Deutschland reisen.

Weitere drei Kinder auf Schleppertour ausgesetzt?
Doch weil für die illegale Fahrt fast das gesamte Ersparte draufgegangen war, kaufte die Mutter (der Vater hält sich offenbar noch in der Türkei auf) nur je ein Bahnticket für sich, ihre Tochter und ihren älteren Sohn. Der zwölfjährige Shiar blieb einfach am Wiener Westbahnhof zurück.

Der deutsche Suchdienst informierte die "Krone" nun darüber, dass die Syrerin und ihre "Lieblingskinder" in Dortmund aufgespürt und zur Rede gestellt wurden. Der Zwölfjährige dürfte aber nicht das erste Kind gewesen sein, das zurückgelassen worden war. Drei weitere ihrer Kinder sollen im Laufe der Tour ihrem Schicksal überlassen worden sein. Die Begründung der Frau: "Ich hatte alle verloren."

"Keine Hinderungsgründe" für Familienzusammenführung
Derzeit befindet sich die Mutter in einer Unterkunft vom Roten Kreuz, sagte Norbert Ceipek von der Betreuungseinrichtung "Drehscheibe Augarten". "Die Mutter wird mit ihren zwei Kindern heute oder morgen in Deutschland um Asyl ansuchen", erläuterte Ceipek. Sobald das geschehen ist, soll über das sogenannte Dublin-Verfahren, welches die Zuständigkeit bei Asylverfahren in EU-Staaten regelt, die Familienzusammenführung angestrebt werden - im Beisein des zuständigen Jugendamtes. "Von österreichischer Seite gibt es dafür keine Hinderungsgründe."

Unterdessen hat der Zwölfjährige bereits mit seiner Mutter telefoniert. "Er ist sehr froh und beruhigt, dass seine Mutter und seine Geschwister aufgetaucht sind", erzählte Ceipek. Bis zur Übergabe an die deutschen Behörden bleibt der Bub "in unserer Obsorge", so der "Drehscheibe"-Leiter.

Ob diese Mutter tatsächlich so herzlos ist, wie es scheint, oder zu ihrem Handeln gezwungen war, "müssen wir Schritt für Schritt herausfinden", erklärten die Ermittler.

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