Rund 100.000 russische IT-Spezialisten haben nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ihre Heimat verlassen. „Tatsächlich sind, wenn wir beide Ausreisewellen betrachten, bis zu zehn Prozent der Mitarbeiter von IT-Unternehmen aus dem Land ausgereist und nicht wiedergekommen“, räumte Russlands Digitalisierungsminister Maxut Schadajew am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Parlament ein. Allerdings seien 80 Prozent von ihnen weiterhin bei russischen Unternehmen beschäftigt.
Hunderttausende Russen haben nach dem von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine das Land verlassen. Die erste Welle erfolgte kurz nach Putins Kriegserklärung, die zweite, nachdem der Präsident eine Teilmobilmachung in Russland ausgerufen hatte. Da die EU diese Russen nicht als Kriegsgegner anerkennt und ihre Grenzen größtenteils geschlossen hat, sind viele in die angrenzenden Ex-Sowjetrepubliken ausgereist.
In Russland hingegen werden sie bisweilen als „Vaterlandsverräter“ denunziert. Regierung und Parlament, die russische Staatsduma, beraten nun über ein Gesetz, das Ausgereisten verbieten soll, weiter für russische Unternehmen zu arbeiten. Auf diese Weise will Moskau möglichen Kriegsdienstverweigerern die Basis für ihre Existenz im Ausland nehmen. Schadajew sprach sich jedenfalls dagegen aus, diesen Russen die Arbeit aus dem Home-Office zu verbieten.
Wegen des Mangels an IT-Experten in Russland waren sie zuletzt offiziell von der Einberufung zum Kriegsdienst ausgenommen worden. Allerdings trauen viele Russen den Beteuerungen des Kreml nicht und bleiben ihrer Heimat aus Angst um ihr Leben lieber fern.
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