Schutz vor Beschlagen

Forscher entwickeln Passivheizung für die Brille

Elektronik
14.12.2022 13:45

Forschende der ETH Zürich haben eine „goldene Passivheizung“ entwickelt, die Brillengläser mittels Sonnenlicht aufheizen und so deren Beschlagen bei hoher Luftfeuchtigkeit verhindern soll. Zur Anwendung kommen könnte die Beschichtung künftig auch auf Autoscheiben und anderen Oberflächen.

Bei der neuen, zum Patent angemeldeten Beschichtung werden kleinste Mengen an Gold auf Glas oder andere Oberflächen im Vakuum aufgedampft. Speziell an der neuen Beschichtung sei, dass sie die Sonnenstrahlung selektiv absorbiere, erläutert die Uni.

„Unsere Beschichtung absorbiert einen großen Teil der Infrarotstrahlung und heizt sich dadurch auf - um bis zu acht Grad Celsius“, erklärt ETH-Doktorand Iwan Hächler, der die Entwicklung maßgeblich vorangetrieben hat. Strahlung im sichtbaren Bereich hingegen lasse sie durch. Dies sei der Grund, warum die Beschichtung transparent ist.

Die Funktionsweise ähnelt der einer Heckscheibenheizung im Auto: Das Glas wird aufgeheizt, was verhindert, dass Luftfeuchtigkeit daran kondensiert. Im Gegensatz zur Heckscheibe heizt die neue Beschichtung allerdings passiv und benötigt bei Sonnenschein keine zusätzliche Energie.

Hauchdünn und biegsam
Die Beschichtung selbst ist bloß zehn Nanometer dünn und biegsam. Das Gold befindet sich aus zwei Schichten aus Titandioxid, die aufgrund ihrer Lichtbrechungseigenschaften die Wirksamkeit der Wärmegewinnung erhöhen und zugleich wie ein Lack vor dem Abrieb der Goldschicht schützen.

Von dem teuren Metall werden für die Beschichtung übrigens nur geringe Mengen benötigt. Blattgold sei etwa zwölfmal dicker, betont die ETH. Dennoch wollen die Forschenden nun untersuchen, ob sich andere Metalle ebenso gut eignen wie Gold. Neben Brillen und Autoscheiben könnte dieses Antibeschlagsprinzip dann überall dort angewendet werden, wo etwas geheizt werden muss und gleichzeitig transparent sein soll, etwa bei Gebäudefenstern, Spiegeln oder optischen Sensoren.

Vielfältig einsetzbar
Dass sich dabei ein Auto oder ein Gebäude im Sommer stärker aufheizt, muss laut Hächler nicht befürchtet werden: „Die Scheibenbeschichtung absorbiert Infrarotstrahlen der Sonne, wodurch spezifisch die Scheibe geheizt wird und die Strahlung nicht mehr ins Innere des Autos oder des Gebäudes gelangt. Dadurch heizt sich das Innere sogar weniger auf als es ohne Beschichtung der Fall wäre.“

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