99 Luftballons. Eine Nacht lang sah es fast so aus, als könnte der russisch-ukrainische Krieg wirklich zu einem Weltkrieg explodieren. Russische Raketen, die im NATO-Land Polen einschlagen, dort zwei Todesopfer fordern. Ein wenig dachte da mancher an Nenas „99 Luftballons“. Sie erinnern sich? In diesem Song von 1983 heißt es unter anderem „Neunundneunzig Kriegsminister/ Streichholz und Benzinkanister/ Hielten sich für schlaue Leute/ Witterten schon fette Beute/ Riefen “Krieg!„ und wollten Macht/ Mann, wer hätte das gedacht/ Dass es einmal soweit kommt/ Wegen neunundneunzig Luftballons“. Der Text, keine Frage, ist überzeichnet. Aber tatsächlich werden Katastrophen durch - im übertragenen Sinn - auch durch so etwas wie 99 Luftballons ausgelöst. Diesmal nicht. Die Raketen waren zwar tatsächlich russischer Herkunft, wie sich herausstellte. Aber nicht abgefeuert von russischen Truppen, sondern es waren Luftabwehrraketen der Ukraine aus alten russisch-sowjetischen Beständen, die am Dienstag, als so viele russische Raketen wie noch nie zuvor auf die Ukraine abgefeuert worden waren, in die falsche Richtung geflogen waren. Und aus den richtigen Erkenntnissen zogen besonnene Köpfe die richtigen Schlüsse.
Besonnener US-Präsident. Von russischer Seite, aber sehr häufig und gerne auch von Putin-Verstehern im Westen, ganz besonders oft auch in Österreich wird US-Präsident Joe Biden als großer Kriegstreiber abgekanzelt. Schlimmstenfalls sogar in einem Atemzug mit Putin. In Zusammenhang mit der Rakete in Polen bewies Biden genau das Gegenteil. Wie formuliert es „Krone“-Außenpolitik-Experte Kurt Seinitz in seinem heutigen Kommentar so treffend? Er schreibt von „dramatische Stunden“, in denen der lange befürchtete Ernstfall für die NATO zum Greifen nahe schien. „Doch da kamen plötzlich Beruhigungssignale von unerwarteter Seite: von den USA“, merkt Seinitz an. Der Präsident ging mit den Erkenntnissen aus der US-Satellitenaufklärung eilig an die Öffentlichkeit, um einer gefährlichen Eskalation den Boden zu entziehen. Der besonnene Biden hat die Situation gerettet. Man mag gar nicht dran denken, wie der gelinde gesagt „wirre“ Donald Trump, der zur fast gleichen Zeit seine Wiederkandidatur als US-Präsident bekannt gab, in solchen Situationen reagieren könnte. Es ist also noch einmal gut ausgegangen. Aber, wie Seinitz auch anmerkt: „Solange nicht die Waffen schweigen, muss weiterhin mit dem Ärgsten gerechnet werden.“ Ja, leider!
Kommen Sie gut durch den Donnerstag!









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