7 von 10 haben Bedarf

Asylberechtigte: Enorme Lücke bei Alphabetisierung

Österreich
03.11.2022 14:55

Der Integrationsfonds schlägt Alarm: Sieben von zehn Personen, die in Österreich heuer Asyl oder subsidiären Schutz erhalten haben, weisen einen Alphabetisierungsbedarf auf. Sie müssen also erst die lateinische Schrift erlernen. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist das eine enorme Steigerung um die Hälfte.

Jeder vierte vom Integrationsfonds (ÖIF) finanzierte Deutschkursplatz im Jahr 2022 war ein Alphabetisierungsplatz, Tendenz steigend, betont Carla Pirker, die im ÖIF für den Bereich zuständig ist. Ein stark wachsender Anteil dieser Personengruppe benötige eine sogenannte primäre Alphabetisierung, die Betroffenen haben also auch in ihrer Muttersprache nie schreiben gelernt.

Alphabetisierungsmängel führen zu weiteren Problemen
Der niedrige Bildungsstand erschwere die sprachliche Integration deutlich. Nicht alphabetisierte Personen kämen beim Deutschlernen langsamer voran und erreichten das Lernziel von Kursniveaus weniger oft. Basierend auf ÖIF-Daten legt nur jede dritte Person mit Alphabetisierungsbedarf in weiterer Folge eine positive Integrationsprüfung ab, jedoch nehmen diese Personen deutlich mehr Deutschkurse in Anspruch als alphabetisierte Personen.

Arten von Analphabetismus

  • Beim primären Analphabetismus haben die Betroffenen nie lesen und schreiben gelernt.
  • Beim sekundären Analphabetismus hingegen haben sie es zwar gelernt, diese Fähigkeit aber weitgehend wieder verlernt oder vergessen.
  • Der tertiäre Analphabetismus wird auch funktionaler Analphabetismus genannt. Betroffene können nur unzureichend lesen und beispielsweise einem Text keine Informationen entnehmen. Aber auch das Schreiben schafft Probleme. So können sie oft zwar ihren Namen schreiben, aber keine selbstständigen Texte verfassen oder Formulare ausfüllen.


Integrationsfonds setzt Schwerpunkte

Mit internationalen Experten entwickelte der Fonds ein eigenes Curriculum für Alphabetisierungskurse und setzt damit einheitliche Qualitätsstandards. Der Umfang der Kurse wurde bereits im Vorjahr an das sinkende Bildungsniveau der Zielgruppe angepasst. Ein spezifisches Weiterbildungsprogramm soll sicherstellen, dass Lehrkräfte in Alphabetisierungskursen bestmöglich für die Arbeit mit Personen mit niedrigem Bildungsstand geschult sind.

Online-Kursoffensive auch für Berufstätige
Um Zuwanderer orts- und zeitunabhängig zu unterstützen, stellt der ÖIF auf www.sprachportal.at eine breite Palette an täglichen Online-Deutschkursen für Einsteiger und auch für fortgeschrittene Deutschlernende zur Verfügung. Von Montag bis Freitag finden täglich Kurse auf den Sprachniveaus A1, A2, B1 und B2 statt, an denen man kostenfrei und ohne Anmeldung teilnehmen kann. Besonders an berufstätige Zuwanderer richten sich eigene berufsspezifische Online-Deutschkurse zu Gastronomie, Hotellerie und Tourismus sowie zum Lebensmittelhandel.

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