
Der steirische Toplitzsee ist weit mehr als nur die Legende vom Nazigold. Der wahre Schatz ist hier nämlich die Natur.
„Die großen Zeiten der Schatzsucher sind vorbei“, sagt Albrecht Seyn und blickt über den Toplitzsee. Schon vor dem Ersten Weltkrieg haben seine Vorfahren hier Ausflügler mit Plätten über den See gebracht. Hier kam es 1819 auch zur ersten Begegnung von Erzherzog Johann mit Anna Plochl. Die Begeisterung über das Naturschauspiel, das man hier erleben kann, hat sich seitdem kaum verändert: „Man kann in den Gesichtern der Besucher ablesen, wie sie die Kraft dieses Ortes einatmen.“
Aus kleiner Jausenstation wurde ein Restaurant
1955 hat Seyns Großmutter begonnen, Besucher in einer kleinen Jausenstation am See zu bewirten: „Es war eine Hütte ohne Strom und Wasser“, erinnert sich Seyn, der schon als Kind in den Ferien hier ausgeholfen und den Betrieb 1977 übernommen und ausgebaut hat. Heute ist seine „Fischerhütte“ eine moderne Gaststätte.
Mit den Recherchen eines deutschen Journalisten begannen in den 1950er-Jahren die goldenen Zeiten des Sees: „Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier eine Marineversuchsstation der Nazis. 1945 wurden unzählige Kisten im See versenkt - auch Bauern aus der Region mussten bei dieser Aktion helfen.“
Schatzsucher aus aller Welt
Die Vermutung, dass sich darin das legendäre Nazigold befinden könnte, zog ab den 1960ern Historiker und Schatzsucher aus aller Welt an. „Es ist ein regelrechtes Schatzfieber ausgebrochen. Bis zu 90 Taucher waren am Höhepunkt des Booms in den 80er-Jahren täglich im See.“
Doch viel mehr als alte Sprengstoff und Munition sowie Unmengen Falschgeld wurde nicht entdeckt. „Im Jahr 2000 sah es kurz so aus, als ob US-Taucher den Jackpot geknackt hätte - doch er fand nur eine Kiste voller Bierkapseln, den Stammtischbrüder einst hier aus Spaß versenkt hatten.“
„Ort, von dem besondere Magie ausgeht“
Die Legende vom Nazigold und von Menschen aus der Region, die von einem Tag auf den anderen reich waren, hält sich aber bis heute: „Es gibt einige Bereiche im See, an die man auch mit der besten Ausrüstung nicht herankommt - und das finde ich gut“, sagt Seyn.
Ein Hauch von Mysterium bleibt also bestehen am Toplitzsee. „Der wahre Schatz ist hier ohnehin die Natur“, sagt Seyn. „Ich bin zwar schon seit meiner Kindheit hier, aber ich spüre die Energie immer noch, die von diesem Ort ausgeht.“













Kommentare
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).