21.06.2022 13:52 |

Aufklärungsquote höher

46.000 Anzeigen: Weiter Boom bei Cyberkriminalität

Internetkriminalität ist seit Jahren eine sichere Wette, wenn es um das Delikt mit der stärksten Zuwachsrate geht. In Österreich waren es 2021 ca. 46.000 angezeigte Fälle - ein Plus von 29 Prozent gegenüber 2020. Höher als 2020 fiel die Aufklärungsquote mit 37 Prozent aus - ein Plus von 3,4 Prozent.

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Insgesamt sei es ein schwieriger Prozess, „aber trotzdem sind Erfolge gelungen“, hielt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bei der Präsentation des „Cybercrime Report 2021“ am Dienstag fest.

Karner erinnerte in Zusammenhang mit der im Februar präsentierten Kriminalstatistik, die er als „Handlungsanleitung“ für den Innenminister bezeichnete, dass die Kriminalität insgesamt in vielen Bereichen gesunken und die Aufklärungsraten gestiegen seien, „aber es gibt Herausforderungen wie Extremismus, Schlepperkriminalität und als dritten Bereich, der aufgefallen ist, eben jenen der Cyberkriminalität“.

Häufigste Deliktform sei hier der Internetbetrug, der die Hälfte aller Anzeigen ausmache, „geboostert durch das Einkaufsverhalten in Pandemiezeiten“ wäre es hier zu einer drastischen Zunahme gekommen, als „klassischen Fall “nannte Karner eine im Netz bestellte Ware, die nicht geliefert wird und rund 20 Prozent dieser Anzeigen ausmache.

Banking-Trojaner und Fake-SMS im Kommen
Internetbetrug sei ein „Massenphänomen“ geworden, das „die Ressourcen der Polizei bindet“, sagte dazu Manuel Scherscher, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts, egal ob es sich dabei um die genannten Fake-Webshops handle, oder wenn bestellte Waren einfach nicht bezahlt würden. 22.440 Delikte seien ein Plus von 19,5 Prozent, so Scherscher weiter. Ebenso im Kommen seien Banking Trojaner wie FluBot, Malware, die per SMS vortäuscht von DHL oder UPS gesendet worden zu sein, oder sich als Voice-Mail mit Link tarnt und die Nutzer jeweils zum Installieren von Trojanern verleitet, der ihnen dann sensible Daten absaugt.

Mit zwei aktuellen Fällen sind die Deliktsformen bei „Cybercrime im engeren Sinne“, die 2021 mit 19,9 Prozent stark angestiegen sind, gerade in dem Medien vertreten, denn erst gestern, Montag, wurde ein Hacker-Angriff auf Innsbrucker Meduni bekannt, im Mai wurde indes die Hackergruppe „Black Cat“ bei der Kärntner Landesverwaltung tätig. Laut Scherscher zielen die Verbrecher jedoch zahlenmäßig am häufigsten auf Klein- und Mittelbetriebe, denn diese seien oft schlecht geschützt.

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Noch nie war die Wahrscheinlichkeit, digital angegriffen zu werden, in der Vergangenheit so groß wie 2021.

Finanzstaatssekretär Florian Tursky

„Noch nie war die Wahrscheinlichkeit, digital angegriffen zu werden, in der Vergangenheit so groß wie 2021“, war die Bilanz von Finanzstaatssekretär Florian Tursky (ÖVP). Und diese Wahrscheinlichkeit werde noch zunehmen: „Durch das Internet der Dinge (Internet Of Things) werden bis 2025 mehr als 75 Milliarden Geräte weltweit mit dem Internet verbunden sein.“

Er wolle Österreich daher die „digitale Brille“ aufsetzen, damit sowohl Privatpersonen als auch Unternehmerinnen und Unternehmer in Zukunft die Chancen der Digitalisierung nutzen aber auch Gefahren des Internets besser einschätzen können. „Hier braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz zu Sensibilisierung. Ich sehe es als meine Aufgabe, dieses Wissen in die Breite zu bekommen.“

C4-Zentrum als neue „Cyber-Cobra“
Als Reaktion auf die Digitalisierung der Kriminalität habe das Innenministerium bereits ein Bündel an Maßnahmen gesetzt, sagte Karner und nannte in diesem Zusammenhang das Cybercrime-Kompetenzcenter (C4) des Bundeskriminalamts (BK), die „Cyber-Cobra, wenn Sie so wollen“. Das C4 sei organisatorisch, technisch und personell neu aufgestellt worden, inzwischen seien es 130 Personen, die hier Ermittlungsarbeit leisten. Im Zuge der Kriminaldienstreform sollen zudem Spezialisten in den Regionen für Aufklärung und Prävention auf der Bezirksebene sorgen. Was das Thema Cybersicherheit und Prävention betrifft, so kündigte der Innenminister an, dass das Innenministerium hier im Rahmen der EU-Cybersecurity-Strategie bei der Umsetzung der sogenannten NIS-Richtlinie tätig werden wird, die Abkürzung steht hier für Netz und Informationssicherheit.

Zudem erinnerte Karner an die mit Justizministerin Alma Zadic (Grüne) angestrebte Vorgehensweise gegen Deepfakes. Diese Steigerungsstufe zu „Fake News‘“, bei der Fotos, Tonbandaufnahmen und Videos bearbeitet werden, könne sowohl „Nationen wie auch jeden Einzelnen treffen“.

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