06.05.2022 11:00 |

Seit 60ern unverändert

Graz: Historischer Gerichtssaal wird aufgemöbelt

Von Jack Unterweger über Franz Fuchs bis zum Amokfahrer Alen R.: Im Saal 044 im Grazer Straflandesgericht, dem Schwurgerichtssaal, wurden viele schlimme Verbrechen verhandelt. Die Aura bleibt, sonst wird in den kommenden Monaten vieles neu.

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Der Schwurgerichtssaal im Grazer Straflandesgericht - offiziell Saal 044 - ist der größte Gerichtssaal im Sprengel Steiermark und Kärnten. 14 Meter ist er hoch - und unglaublich geschichtsträchtig. „Genaue Aufzeichnungen darüber, seit wann hier verhandelt wird, gibt es leider keine“, erzählt die Präsidentin des Straflandesgerichts, Caroline List, im Gespräch mit der „Krone“.

Fix ist aber, dass der Prozess gegen NS-Kriegsverbrecher Franz Murer bereits hier stattfand: Und genau so lange wie das Skandalurteil her ist - am 19. Juni 1963 wurde der SS-Offizier von den Geschworenen vom Vorwurf des 17-fachen Mordes freigesprochen -, wurde der Gerichtssaal nicht verändert. Von ein paar notwendigen technischen Neuerungen abgesehen.

Vieles wird neu, aber Altes bleibt erhalten
Jetzt wird aber umgebaut. „Mein Wunsch an die Architekten war, dass optisch möglichst viel bleibt. Der Saal ist ja ein Zeitdokument“, betont List. Die Vertäfelung wird beibehalten. Genauso der Adler, der schon über vielen Köpfen schwebte.

Die größten Prozesse

  • Unter den Schwingen des Adlers im Schwurgerichtssaal wurden viele große Fälle verhandelt: Franz Murer, der „Schlächter von Wilna“, wurde hier im Juni 1963 freigesprochen.
  • 1994 wurde dem Prostituiertenmörder Jack Unterweger der Prozess gemacht - ein Medienspektakel. Auf ewig haben sich die Bilder von Briefbomber Franz Fuchs ins Gedächtnis gebrannt, der 1999 an jedem seiner Prozesstage brüllend vorgeführt wurde.
  • 2006 wurden im Prozess um die Babymorde in Thal die Eltern verurteilt. Auch zahlreiche Prozesse gegen Staatsverweigerer und Dschihadisten wurden in Graz verhandelt. Und 2016 wurde der Grazer Amok-Fahrer Alen R. hier verurteilt.

Aber wegen der Technik („wir bereiten schon alles auf den elektronischen Akt vor“) wird ein doppelter Boden eingezogen. Es kommt eine neue Beleuchtung an den Seiten, und an der Decke wird eine Lichtleiste eingezogen. Die Geschworenen bekommen bequeme Drehsessel. Und auch die Richter, Anwälte und das Publikum werden ab November gemütlicher sitzen.

Ausweichquartier in der Grazer Messe
„Um die Rechtssprechung aufrecht erhalten zu können, brauchen wir für die Dauer des Umbaus ein Ausweichquartier“, sagt List. Mit der wenige Meter entfernten Messe wurde ein guter Ersatz gefunden. „Zwei Säle stehen uns dort abwechselnd zur Verfügung.“ Der Kostenpunkt des Umbaus inklusive des Wartebereichs beträgt eine Million Euro.

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