Zu wenig Rechenzentren

Russland geht in 2 Monaten der Speicherplatz aus

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16.03.2022 15:01

Wirtschaftssanktionen und der Rückzug ausländischer IT-Anbieter haben massive Folgen für die russische Internetindustrie und staatliche Online-Angebote: Ohne Zugang zu Cloud-Angeboten westlicher IT-Konzerne droht Moskau binnen zwei Monaten der Speicherplatz auszugehen.

Das meldet das IT-Security-Nachrichtenportal „Bleeping Computer“ unter Berufung auf die russische Zeitung „Kommersant“. Sie berichtet von einem Treffen im russischen Ministerium für digitale Transformation, bei dem Vertreter diverser IT-Unternehmen und Banken anwesend waren, und bei dem Lösungen für die drohende Speicherknappheit gefunden werden sollten.

Speicherplatz soll noch zwei Monate reichen
Bei dem Treffen wurden die Folgen des Abzugs westlicher Cloud-Anbieter diskutiert. Die Teilnehmer schätzen demnach, dass der in russischen Rechenzentren verfügbare Speicherplatz noch für zwei Monate reicht - dann muss allerdings eine Lösung gefunden werden, um den Abgang der ausländischen Anbieter zu kompensieren.

Die Regierung erwägt verschiedene Maßnahmen zur Lösung des Problems. Sie reichen von der Anmietung aller verfügbaren inländischen Rechenzentren bis hin zur Beschlagnahme von IT-Ressourcen, die von Unternehmen zurückgelassen wurden, die Russland verlassen haben.

Überwachung braucht immer mehr Ressourcen
Außerdem will man Speicherplatz sparen: Ein Gesetz, das Telekom-Provider verpflichtet, ihre Kapazitäten zum Zweck der Überwachung jährlich um 15 Prozent zu steigern, wurde ausgesetzt. Der Speicherbedarf russischer Behörden war in den letzten Jahren massiv gewachsen - durch „Smart City“-Projekte, großflächige Videoüberwachung und Gesichtserkennung.

Denkbar wären auch Umschichtungen der verfügbaren Kapazitäten: Provider könnten den Auftrag erhalten, speicherintensive Medienangebote aufzugeben, um Ressourcen für andere Dienste zu schaffen.

Helfen Chinas Cloud-Giganten Moskau aus?
In der Not könnte Russland auch versuchen, Kapazitäten in China anzumieten: Im Reich der Mitte gibt es mit IT-Riesen wie Alibaba und Huawei große Cloud-Provider, die Ausfälle kompensieren könnten. Allerdings zeigte sich die chinesische Regierung bisher zurückhaltend, was die wirtschaftliche oder militärische Unterstützung Russlands im Ukraine-Konflikt angeht.

Dienste mussten auf russische Server umziehen
Russland hatte zulezt Vorkehrungen getroffen, um sich für eine mögliche Abkopplung vom weltweiten Internet zu rüsten: Betreiber russischer Internetangebote wurden aufgefordert, ihre Dienste auf Server in Russland zu übersiedeln und russische Domains zu nutzen.

Das sorgte für stark steigenden Speicherplatzbedarf in russischen Datenzentren. Alleine beim Mobilfunker MegaFon soll der in Russland benötigte Speicherplatz um das Fünffache gestiegen sein. Gleichzeitig gingen durch den Abzug großer westlicher IT-Konzerne Ressourcen verloren, die Russlands Internetindustrie nun fehlen.

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