Thomas Morgenstern

Mit Frustfeiern und Leberkässemmel zu Olympia-Gold

Olympia
03.02.2022 06:15

Am 20. Februar 2006 hat Thomas Morgenstern als bis dato letzter Österreicher olympisches Einzel-Gold im Skispringen erobert. Es war ein Tag, der für den Kärntner zum denkwürdigsten in einer erfolgsverwöhnten Karriere wurde. Dabei hatten die Winterspiele für den 19-Jährigen mit einer herben Enttäuschung begonnen. 16 Jahre später wird er die Olympia-Entscheidungen von Peking als treuer Zuseher vor dem TV-Gerät verfolgen.

Vor wenigen Wochen war Morgenstern zum Talk unter Olympioniken geladen. Karl „Charly“ Schnabl, Anton „Toni“ Innauer und Ernst Vettori waren auch da, in tiefen Sesseln sitzend philosophierten sie über „ihr“ Metier - und natürlich übers Gewinnen von Olympia-Gold. „Mir war vorher gar nicht bewusst, dass es nur vier Olympiasieger gibt aus Österreich“, sagte Morgenstern zur. „Da hätten wir noch genug Platz für einen fünften Sessel gehabt.“

Österreich hat drei Medaillenkandidaten
Auch acht Jahre nach seinem Karriereende als Aktiver und neuerdings auch zweifacher Vater von Zwillingstöchtern verfolgt Morgenstern laut Eigenaussage so gut wie jedes Weltcup-Springen. „Wir haben drei in petto, die heuer schon einmal gewonnen haben“, verweist er auf Stefan Kraft, Daniel Huber und Jan Hörl. Medaillen in Peking dürfe man aktuell „nicht erwarten, aber erhoffen“. „Es ist kein Selbstläufer, es ist möglich - vor allem im Teambewerb.“ Gegen einen Erben im Einzel habe er aber auch nichts einzuwenden. „Ich würde mich irrsinnig freuen, es wäre wieder an der Zeit.“

Mit drei Mal Gold (zweimal im Team) und ein Mal Silber ist Morgenstern der zweiterfolgreichste Olympia-Teilnehmer aus Österreich hinter Felix Gottwald (3/1/3). „Es sind viele große Sachen passiert. Jede schreibt ihre eigene, emotionale Geschichte“, sagte der zweifache Gesamtweltcup- und Vierschanzentourneesieger von 2010/11. „Wenn ich aber alles hergeben müsste und nur einen Moment behalten dürfte, dann wäre es der von damals, wo wir unten im Auslauf stehen und uns freuen - es wäre diese Goldene von 2006.“

„Windpech“ auf der Normalschanze
Mitgemeint mit „wir“ ist Andreas Kofler, Morgensterns damaliger Zimmerkollege, Kompagnon und späterer Silbermedaillengewinner. „Ich war jung, ein 19-Jähriger mit riesigem Erfolgshunger und in Topform“, sagte Morgenstern. „Und der Kofi, zwei Jahre älter als ich, hatte vor Olympia sein erstes Weltcupspringen gewonnen. Wir zwei sind mit einem irrsinnigen Selbstvertrauen nach Pragelato gefahren.“

Auf der von ihm bevorzugten Normalschanze aber fiel Morgenstern vom zweiten Platz auf den neunten zurück. „Windpech“, sagte er damals wie heute angesichts der Entscheidung ohne ausgleichende Windpunkte. „Der Lars Bystöl war Sechster und nach ihm ist keiner mehr runtergekommen.“ Die Enttäuschung sei riesengroß gewesen. „Weil du nicht weißt, wann und ob du jemals wieder die Chance haben wirst eine Olympiamedaille zu machen.“

Der „Festplatten-Reset“
Wie also umgehen mit dem Ärger? „Ich und der Kofi haben einen gescheiten Festplatten-Reset gemacht, Frustfeiern war angesagt. Und am nächsten Tag sind wir - zwei Skispringer während Olympia - zum Leberkas Pepi gefahren.“ Die Idee zu der Aktion sei quasi generalstabsmäßig abgesegnet gewesen. „Der Pointex (Alexander Pointner, Anm.) ist dahergekommen und hat gesagt: ‘Jeder, der bis jetzt eine Medaille für Österreich gemacht hat, hat einen Leberkas gegessen.‘“

Bis zum Großschanzenbewerb waren die Zusatzkalorien wieder abgebaut. „Und wir haben doppelt zuschlagen. Mit einem Wahnsinnsabstand auf den Dritten und einem Zehntelpunkt zwischen dem Kofi und mir“, erinnert sich der mittlerweile 35-Jährige. „Im Nachhinein hat uns die Leberkassemmel sicher nicht geschadet“, sagte Morgenstern, der nun mit Fußball-Nationalteamverteidiger Martin Hinteregger als Geschäftspartner eine gemeinsamen Hubschrauber-Firma hat.

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