Trainer in aller Munde

Thalhammer: „Wir können jeden Gegner schlagen“

Cercle Brügge ist in Belgien derzeit das Team der Stunde, Trainer Dominik Thalhammer Trainer in aller Munde: Unter dem 51-Jährigen legte das jüngste Team der „Jupiler League“ einen unglaublichen Erfolgslauf hin, gewann sieben der acht Matches und verbesserte sich von Platz 17 auf 7. Die „Krone“ sprach mit dem Erfolgstrainer über den Sprung auf Platz sieben, Toni Innauer und die Saisonziele: „Es ist ein extrem gutes Kollektiv. Die Mannschaft braucht extreme Struktur. Wenn sie Struktur hat, mutig ist und nach vorne verteidigt, können wir in der Liga jeden Gegner schlagen.“  

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„Krone“: 7 Siege aus den ersten 8 Spielen - wird Ihnen der Erfolgslauf selbst schon etwas unheimlich?
Dominik Thalhammer: Es ist schon eine spezielle und außergewöhnliche Situation. Weil ich Ende des letzten Jahres in einer schwierigen Situation gekommen bin. Die Mannschaft lag auf dem 17. Platz, man hat zudem nicht so recht verstanden, warum mein Vorgänger gehen musste. Der Anfang war für mich nicht so leicht.

Knapp zwei Monate später ist Cercle Brügge in Belgien in aller Munde.
Jetzt haben wir einen Lauf, sind auf Tabellenplatz 7. Wichtig ist, weiterhin Demut zu zeigen, weil ich weiß, wie der Fußball tickt. Wir müssen gierig bleiben, was Entwicklung und Verbesserungen betrifft. Die Mannschaft ist sehr jung, die jüngste in der Liga. Es wird wichtig sein, dass die Spieler mit beiden Beinen am Boden bleiben.

Was haben Sie alles verändert, seitdem Sie bei Cercle Brügge das Sagen haben?
Am Anfang musste man sehr vorsichtig sein mit großen Veränderungen. Cercle Brügge ist eine Pressing-Mannschaft, in erster Linie ging es um Details, dass das Pressing eine Spur effizienter wird. Die Spieler davon zu überzeugen, dass dieser Stil richtig geil ist. Eine Funktions-Lust zu entwickeln.

Erklären Sie bitte den Begriff Funktions-Lust.
Toni Innauer hat diesen Begriff geprägt. Dass man Dinge aus Überzeugung und auchgerne macht. Man es nicht bloß tut, weil es eine Idee vom Verein ist oder vom Trainer ist. Sondern wie in unserem Fall die Spieler selbst eine Freude daran haben, ja richtig geil darauf sind, den Ball zu jagen.

Ohne ihren Vorgänger kritisieren zu wollen: Aber fehlte den Spielern davor auch die letzte Überzeugung bei dem, was sie da tun?
Das ist völlig normal. Wenn man jedes Spiel presst und dennoch verliert, beginnt auch etwas die Zeit des Zweifelns. So richtig spürt man Dinge erst, wenn der Erfolg da ist und jeder sieht: Hoppla, das funktioniert ja richtig gut.

Die 17 Tore in den besagten acht Partien haben 10 Schützen erzielt - das Kollektiv scheint ein Trumpf zu sein.Es ist ein extrem gutes Kollektiv. Die Mannschaft braucht extreme Struktur. Wenn sie Struktur hat, mutig ist und nach vorne verteidigt, können wir in der Liga jeden Gegner schlagen. Aber wir können auch immer und überall verlieren, wenn wir diese Struktur, den Mut und das Vorwärts-Verteidigen nicht auf den Platz bringen.

5 der 7 Siege unter Ihrer Führung hat Cercle Brügge gefeiert, ohne ein Gegentor zu erhalten und diese 5 Spiele kurioserweise stets 2:0 gewonnen.
Ich glaube, dass die Mannschaft derzeit richtig gut verteidigt. Meine Verteidiger sind erst 20, 21 Jahre alt, mit einem unglaublichen Potenzial, das sind riesige Talente. Es liegt natürlich nicht nur an ihnen, der Erfolg auf dem Spielfeld fängt ganz vorne an.

Welches war für Sie bislang das Highlight in Brügge?
Der 2:0-Derbysieg gegen Club Brügge bedeutete in der Stadt extrem viel. Wie Rapid gegen Austria. So ein Derby als Underdog zu gewinnen, war ein großes Highlight. Club Brügge ist der FC Bayern von Belgien, mit einem riesigen Etat, unglaublicher individueller Qualität und Erfahrung in der Champions League. Von daher war das schon ein sehr prestigeträchtiger Sieg. Das mittwöchige 2:0 in Anderlecht war ein weiteres Highlight.

Derzeit ist es Platz 7 - was ist nach oben hin möglich? Die beste Platzierung seit dem Wiederaufstieg 2018 war in der Endtabelle ein 13. Rang.
Als ich kam, lautete das Ziel, so schnell wie möglich 36 Punkte zu erreichen. Dann ist der Klassenerhalt gesichert. Uns fehlen derzeit noch zwei Zähler auf die 36. Dann werden wir uns die nächsten Ziele setzen. Wir wollen und müssen unseren Stil und eine Reihe von jungen Spielern weiterentwickeln. Das ist das vorrangige Ziel.

Ist es das Highlight ihrer bisherigen Trainer-Karriere?
Es zählt unbestritten dazu. Die Zeit beim LASK im Herbst 2020 war aber auch großartig, wenn ich da an Sporting Lissabon denke, den Sieg gegen Antwerpen oder das Unentschieden gegen Tottenham. An diese Phase denke ich auch sehr gerne zurück.

Was prasselt da derzeit alles auf Sie in punkto medialer Anfragen ein?
Es wird viel über uns berichtet. ich kann es jedoch sehr gut einschätzen, weil ich weiß, wie das Trainer-Business läuft. Ich hatte noch nie so einen Erfolgslauf wie jetzt.

AS Monaco besitzt seit Mai 2017 die Aktienmehrheit an Cercle Brügge. Wie schaut die Partnerschaft aus?
Es ist eine sehr enge Kooperation. Vor Weihachten waren die Verantwortlichen, angeführt von CEO Oleg Petrov und Sportdirektor Paul Mitchell, bei uns in Brügge. Es geht darum, die Spielidee von Monaco zu implementieren und speziell die Leih-Spieler auf Monaco vorzubereiten. Cercle Brügge ist da ein super Sprungbrett für junge Kicker in alle Richtungen. Das gilt für die belgische Liga generell.

Die Situation ist also mit Österreich nicht zu vergleichen?
Ich weiß nicht, ob man es so vergleichen kann. Ich spüre, dass viele Fußball-Länder auch extrem auf Belgien schauen. In Österreich wäre mir das zu meiner Zeit nicht so stark aufgefallen.

Wie wird das Thema Corona in der Jupiler League gehandhabt?
Am Wochenende sind wieder Zuschauer erlaubt, mit 70 Prozent Auslastung in den Stadien. Kurz vor Weihnachten und ausgerechnet unmittelbar vorm Derby gegen Club Brügge waren die Fans ausgesperrt worden, jetzt sind sie wieder zugelassen. Es geht wieder in die richtige Richtung.

Ihr Vertrag läuft vorerst bis Sommer 2023. Wird ihre Familie auch nach Belgien übersiedeln.
Wir haben vereinbart, dass bis Sommer vorerst alles so bleibt, wie es ist. Meine Zwillingstöchter sind gerade in die 1. Klasse Gymnasium gekommen. Im Sommer werden wir sehen, wie wir weiter vorgehen, ob meine Frau mit den Kindern nach Belgien umzieht. Bis dahin bleibt es ein Hin und Her, werden die drei mich öfters nach Belgien besuchen kommen.

Eine Frage zum Abschluss: War die KRONE-Fußballerwahl in ihrer Kindheit bzw. Jugend ein Thema bei Ihnen, haben Sie für jemanden gesammelt?
Es liegt sehr lange zurück, aber ich glaube schon, dass ich immer wieder mal Stimmzettel gesammelt habe. Für die Spieler, die gerade „in“ oder in der Torschützenliste ganz vorne waren. An bestimmte Spieler kann ich mich da nicht mehr erinnern.

Christian Reichel
Christian Reichel
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