22.12.2021 05:00 |

Nicht alle gleich

So viel Gummiabrieb lassen Autoreifen liegen

Elektroautos fahren lokal emissionsfrei? Kann man so eigentlich nicht sagen, denn etwas lassen alle Autos liegen (bzw. fliegen): Reifenabrieb. Laut einer aktuellen EU-Studie kommen europaweit jährlich rund 500.000 Tonnen zusammen. Plastikmüll, der nicht gut ist für die Umwelt. ADAC und ÖAMTC haben sich aktuelle Reifen unter diesem Aspekt angesehen.

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Insgesamt wurden die Verschleißdaten von knapp 100 Modellen verschiedener Reifendimensionen ausgewertet. „Auffallend ist, dass es in jeder Reifendimension Modelle mit wenig Reifenabrieb gibt, die trotzdem über sichere Fahreigenschaften verfügen“, so ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Besonders positiv fällt diesbezüglich die Marke Michelin auf. „Beinahe in allen Dimensionen überzeugen die Michelin-Modelle mit einem sehr geringen Reifenabrieb von durchschnittlich nur 90 Gramm pro 1000 Kilometer“, erläutert der Reifen-Experte. Der durchschnittliche Reifenabrieb aller Reifen beträgt rund 120 g/1000 Kilometer. „Gleichzeitig schneiden diese Reifen auch in den sicherheitsrelevanten Kriterien gut ab.“ Bestes Beispiel ist diesbezüglich der „Cross Climate+“ in der für Kleinwagen passenden Reifengröße 185/65 R15. Hier stellten die Tester einen Abrieb von lediglich 58 g/1000 Kilometer fest.

Am unteren Ende der Auswertung finden sich mit Pirelli, Bridgestone und Continental drei Premiumhersteller, die in Sachen Reifenabrieb deutlich Nachholbedarf haben. Pirelli belegt mit durchschnittlich 134 g/1000 Kilometer zusammen mit Nokian den letzten Platz. Unter den einzelnen Modellen schneidet der Blizzak LM005 von Bridgestone in der Dimension 195/65 R15 für Kompaktfahrzeuge und Vans besonders schlecht ab. Pro 1000 Kilometer produziert dieser Reifen 171 Gramm an Abrieb, die ungefiltert in der Umwelt landen.

Breite Sportreifen erzeugen besonders viel Abrieb
Dank modernster Reifentechnologie ist es mittlerweile möglich, den vermeintlichen Konflikt zwischen geringem Abrieb und sicheren Fahreigenschaften weitgehend aufzulösen. Anders bei besonders sportlichen Reifen. In der Sommerreifengröße 225/40 R18 wurde bei allen untersuchten Modellen ein überdurchschnittlich hoher Reifenabrieb von bis zu 160 Gramm festgestellt. „Der Nutzen dieser Reifen ist allerdings zweifelhaft, denn sie überzeugen zwar in der Regel auf trockener Fahrbahn mit einer hohen Performance“, erklärt Kerbl. „Bei Nässe müssen aber enorme Nachteile in Kauf genommen werden.“

Der Trend zu immer größeren und sportlicheren Reifendimensionen sei unter Nachhaltigkeitsaspekten alles andere als sinnvoll. Auch unter dem Aspekt, dass diese sportlichen Reifen im alltäglichen Straßenverkehr kaum zusätzliche Sicherheit bringen. „Einige Reifenhersteller sollten daher dringend umdenken und die Nachhaltigkeit von Reifen stärker in den Vordergrund stellen“, fordert der Experte.

Gerade Vielfahrern rät der ÖAMTC Reifen mit geringem Verschleiß zu kaufen. „Das ist nicht nur günstiger, sondern schont auch die Umwelt“, erläutert Kerbl. „Durch regelmäßige Überprüfung des Reifendrucks sowie Kontrollen der Achseinstellungen in einer Fachwerkstatt und einer gleichmäßigen, vorausschauenden Fahrweise können Verbrauchern zudem beitragen, den Reifenverschleiß möglichst gering zu halten.“

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