18.12.2021 16:00 |

Budget erhöht

Land Tirol baut Gewaltprävention weiter aus

Die Corona-Krise hat das Gewaltrisiko für Frauen und Menschen mit Behinderung noch einmal deutlich erhöht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Sozialministeriums. Um dem entgegenzuwirken, hat das Land Tirol einen Fokus auf zielgruppenorientierte Gewaltprävention gelegt. Zudem wurden Budgetmittel weiter erhöht.

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„Menschen mit Behinderungen sind einem deutlich höheren Gewaltrisiko ausgesetzt“, betont Soziallandesrätin Gabriele Fischer am Freitag bei der Vorstellung von zwei neuen Projekten, die von und für Menschen mit Behinderungen bzw. Lernschwierigkeiten entwickelt wurden. 

Betroffene oft hilflos
Tatsache sei, so die Landesrätin, dass Gewalt an Menschen mit Behinderungen immer noch tabuisiert werde: „Es wird nicht oder viel zu wenig darüber gesprochen.“ Dieses Tabu setzt sich auch bei den betroffenen Menschen fort. Viele Frauen und Männer mit Behinderungen wissen über Gewalt nicht Bescheid und haben keine Sprache bzw. Ausdrucksmöglichkeit für das, was ihnen widerfährt.

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Psychische, körperliche und sexuelle Übergriffe als Gewalt wahrnehmen und benennen zu können ist ein wesentlicher Baustein zur Gewaltprävention.

Soziallandesrätin Gabriele Fischer

Hoher Anteil
Im Rahmen einer Studie des Sozialministeriums zu Gewalterfahrungen von Menschen mit Behinderungen wurde festgestellt, dass mehr als acht von zehn befragten Personen berichteten, bereits zumindest einmal (häufig aber auch öfter) im Leben eine Form psychischer Gewalt erfahren zu haben, sechs von zehn Befragten auch schwere Formen psychischer Gewalt. Knapp acht von zehn der befragten Personen gaben an, schon körperliche Gewalt erfahren zu haben, davon nannten vier von zehn auch schwere Formen körperlicher Gewalt. 

Leicht-Lesen-Plakate informieren über Gewalt
Einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten die neuen Plakate von Wibs, einer Tiroler Beratungsstelle von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten: Bei der Peer-Beratungsstelle Wibs berichten Menschen mit Lernschwierigkeiten immer wieder von Situationen, in denen sie Gewalt erlebt haben - oft wissen sie nicht, dass sie Gewalt erleben oder kennen keine Begriffe dafür.

In einer Arbeitsgruppe wurden daher von Frauen und Männern mit Lernschwierigkeiten zwei Plakate gestaltet: Auf einem Plakat wird erklärt, welche Formen von Gewalt es gibt, auf dem anderen Plakat finden sich Informationen, wo man Hilfe bekommt. 

Gespräche in der „Peer-Gruppe“
Die Arbeitsgruppe ist eine Form der Peer-Beratung. Diese Arbeitsgruppe und die Erarbeitung der Plakate wurde im Jahr 2020 vom Land Tirol in Höhe von 17.350 Euro gefördert. Die Plakate sollen nun in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen verteilt werden. „Wir hoffen, dass die Plakate in ganz vielen Einrichtungen hängen werden. Und dass die Plakate den Menschen mit Lernschwierigkeiten, die Gewalterfahrungen gemacht haben, helfen können“, sagt Daniela Pittl, die als Peer-Beraterin mit ihrer Kollegin Aglaia Parth die Arbeitsgruppe bei Wibs geleitet hat.

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Wir hoffen, dass die Plakate in ganz vielen Einrichtungen hängen werden.

Daniela Pittl, Peer-Beraterin bei Wibs

Vielfältiges Angebot
Das Land fördert im Bereich der Menschen mit Behinderungen 32 Einrichtungen mit speziellen Angeboten, im Bereich Frauen 54 Einrichtungen speziell im Gewaltschutz. Das gesamte Budget im Bereich der Menschen mit Behinderungen beträgt 218 Mio. Euro (+5 Mio. zu 2021), 2023 sind es dann 223 Millionen Euro. 

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