Scharfe Kritik

Köstinger: Kickl „hat schon Blut an den Händen“

Politik
11.12.2021 13:48

Heftige Kritik am Corona-Kurs der Freiheitlichen kommt von ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger: Sie habe sich jetzt schon ein paar Mal gedacht, dass FPÖ-Chef „Herbert Kickl eigentlich mittlerweile Blut an den Händen hat“. Die FPÖ rufe zu Demonstrationen, zu Widerstand, „fast zu Gewalt“ auf, obwohl die Wissenschaft mit der Impfung eigentlich die Lösung in der Hand habe, warf die Ministerin Kickl und der Oppositionspartei vor.

Zuletzt wurde publik, dass auch Herz- oder Krebsoperationen von Kindern verschoben werden müssen, weil Intensivbetten in den Krankenhäusern von Corona-Patienten belegt sind, betonte Köstinger am Samstag in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“. Die überwiegende Mehrheit dieser Patienten sei ungeimpft.

Die Ministerin sieht die Verantwortung für die Situation nicht primär bei der Bundesregierung, die sehr wohl bemüht sei, die Menschen zum Impfen zu bringen. Es gebe aber „eine sehr große Partei in Österreich, die extrem Verschwörungstheorien anhängt, die keine Gelegenheit auslässt, um Menschen zu überzeugen, eben die Impfung nicht in Anspruch zu nehmen“, kritisierte sie die FPÖ.

Die Blauen hätten sogar ein Entwurmungsmittel statt der Impfung empfohlen.

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Sehen Sie, dass wir eine sehr große Partei in Österreich haben, die extrem Verschwörungstheorien anhängt, die keine Gelegenheit auslässt, um Menschen zu überzeugen, eben die Impfung nicht in Anspruch zu nehmen.

Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP)

„Eine Pandemie ist unberechenbar“
Dass die ÖVP noch im Sommer gemeint hatte, die Pandemie sei gemeistert, verteidigte Köstinger damit, dass eine Pandemie eben „sehr unberechenbar“ sei. Es habe vor dem Sommer durchaus Signale gegeben, dass die Impfung der große „Gamechanger“ sei.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hatte allerdings laut Vorabmeldung im „profil“ eingeräumt, es sei ein Fehler gewesen, dass man sich im Herbst „an der Überschreitung einer gewissen Anzahl belegter Betten orientiert“ habe statt auf die Prognose von Experten zu hören. „Da haben wir uns nicht durchsetzen können“, der Konterpart sei damals Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gewesen.

Für die jüngste Corona-Demo in Wien am Samstag hatte vor allem die FPÖ mobilisiert. (Bild: Jöchl Martin)
Für die jüngste Corona-Demo in Wien am Samstag hatte vor allem die FPÖ mobilisiert.

„Westen hat alles im Griff“
Die Öffnung der Gasthäuser und Hotels ab Sonntag in Vorarlberg, Tirol und im Burgenland verteidigte die Tourismusministerin, obwohl gerade Vorarlberg die höchste Sieben-Tage-Inzidenz aller Bundesländer aufweist. „Entscheidend ist die Situation im Gesundheitswesen, die reine Inzidenz sagt ja nicht alles aus“, meinte sie, man habe im Westen alles im Griff.

Speziell im Westen Österreichs sei man auch wirtschaftlich in einem anderen Umfeld, da in den Nachbarländern Deutschland, Schweiz und Italien die Hotels geöffnet seien. Sie werde sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass deutsche Urlauberkinder bei der Rückreise aus Österreich nicht in Deutschland in Quarantäne müssen, bisher ist diese deutsche Bestimmung aber aufrecht.

„Das Virus beherrscht uns“
Als Tourismusministerin hätte sie sich gewünscht, dass man alle Betriebe in Gastronomie und Hotellerie gleich öffnen könne, aber dies sei aufgrund der unterschiedlichen Einschätzung der Landeshauptleute nicht möglich gewesen. Gefragt zu einem weiteren möglichen Lockdown Anfang kommenden Jahres meinte die Ministerin, „nicht wir beherrschen das Virus, sondern das Virus beherrscht uns“.

Welche Sperrstundenregelungen über Silvester gelten, sei noch nicht fix. Man werde vor Weihnachten die Maßnahmen noch einmal evaluieren und schauen, was für die Weihnachtsfeiertage und Silvester praxistauglich sei. 

FPÖ: „An Dummheit und Menschenverachtung nicht zu überbieten“
Kritik an den Aussagen Köstingers kam postwendend von der FPÖ: Vor allem jener Sager mit dem „Blut an den Händen“ sei „an Dummheit und Menschenverachtung nicht mehr zu überbieten“, befand der FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz. Köstinger stehe „mitsamt ihrer türkis-schwarzen Regierungsmannschaft mit dem Rücken zur Wand und versucht sich jetzt mit verbalen Rundumschlägen aus der selbstverschuldeten und misslichen Lage zu befreien“, befand Schnedlitz in einer Aussendung.

Kickl selbst reagierte bei seiner Rede bei der Corona-Großdemo in Wien auf den „Blut“-Sager: „Ehrlich gesagt, seht ihr irgendetwas? Wer mich ausrichtet, dass ich Blut an den Händen habe, dem richte ich aus, dass er nur Mist im Kopf hat. Liebe Grüße, Frau Köstinger!“

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