30.11.2021 13:41 |

Wollen Gastgeber sein

34 Top-Touristiker wenden sich an Regierung

In einem eindrucksvollen Schreiben, das der „Krone“ vorliegt, wenden sich Spitzengastronomen, Hoteliers und viele weitere Wirtschaftstreibende vom Arlberg direkt an die Bundesregierung. Und versuchen sich, in einer schwierigen Situation Gehör zu schaffen. 

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Mitten im vierten Lockdown und vor der nächsten Wintersaison zittern Hoteliers im ganzen Land um ihre Existenzgrundlage. Ein offener Brief der Wirtschaftstreibenden vom Arlberg hat nun die „Krone“ erreicht. Er geht an Bundeskanzler Schallenberg und weitere Mitglieder der Regierung - und lässt Resignation,, aber auch Mut zum Neustart durchklingen. 

Der Brief der Touristiker

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Schallenberg,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger,
sehr geehrter Herr Bundesminister Mückstein,
sehr geehrter Herr Bundesminister Kocher,
sehr geehrter Herr Landeshauptmann Wallner,
sehr geehrter Herr Landesrat Gantner,

nun stehen wir wieder einmal an einem Punkt, an welchem der Hotellerie jegliche Planungssicherheit geraubt wird. Wir sind erneut Passagiere, welche nur tatenlos zusehen können.

Unsere Branche war nun seit dem ersten Lockdown für insgesamt 9 1/2 Monate behördlich geschlossen. Manche Betriebe, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf Winter ausgerichtet ist, gar ganze 20 Monate. Auch wenn es finanzielle Hilfen von Seiten des Staates gab und gibt, so können diese nicht Sinn und Zweck eines Wirtschaftstreibenden sein. Bei einem 70 %igen Verlustersatz bleiben noch immer 30 % beim Unternehmen. Eventuelle Gewinnsteigerungen werden hier gar nicht berücksichtigt.

Zahlreiche Tourismusverbände kämpfen bereits mit defizitären Haushalten, der Ausfall an Ortstaxeneinnahmen lässt sich nicht kompensieren, sondern kann nur durch weitere Schulden beglichen werden.

Ein weiterer Eiertanz mit ungewissem Ausgang wird den bestehenden Fachkräftemangel nur verstärken. Selbst einen 65%igen Lohnersatz für eingestellte Saisoniers können sich viele Betriebe nicht leisten. Auch findet in dieser Rechnung kein Trinkgeldersatz statt. Somit werden wir über kurz oder lang qualifizierte Leute an andere Destinationen und Branchen verlieren. Die Folgen für die heimische Hotellerie werden langfristig verheerend sein.

Der Handel betreibt starkes Lobbying und wird sein Weihnachtsgeschäft bekommen. Aber die Hotellerie weilt weiter im Ungewissen. Leider bleibt unsere gesetzliche Interessensvertretung hier im Hintertreffen. Für viele Regionen, Zulieferer, Handwerker, örtlichen Handel, sowie Skiverleih sind wir allerdings systemrelevant, ohne den Tourismus ist der Alpenbogen entvölkert.

Skiliftgesellschaften mussten vergangenen Winter bereits einen Umsatzrückgang von bis zu 97% hinnehmen. Geöffnete Beherbergungsbetriebe sind auch für unsere Skilifte essenziell und überlebensnotwendig.

Gerade die Ferienhotellerie lebt von ihren treuen Stammgästen und natürlich ihren Mitarbeitern! Mit dem momentanen Kurs verlieren wir jegliche Glaubwürdigkeit, wenn sich auf großen Einkaufsstraßen und in Geschäften Menschen unter 2G wieder aufhalten dürfen, aber Urlaub im Hotel nicht stattfinden darf.

Österreich lebt von internationalen Gästen, die ihre Reise längst geplant haben - abgesagte Weihnachtsferien werden mit einem Imageschaden verbunden bleiben. Alternative Destinationen wie die Schweiz warten nur darauf diese Gäste aufzunehmen. Gerade in unserem Nachbarland wird es wie im vergangenen Winter möglich sein, in Hotels zu übernachten. Bereits jetzt sind zahlreiche Gäste verunsichert und stornieren vorsichtshalber ihren geplanten Winterurlaub, um auf andere Länder auszuweichen. Treue Stammgäste buchen heute bereits auf die Schweiz um.

Mehrmals wurde von Seiten der Politik verkündet, dass mit dem 13. Dezember der Lockdown für Geimpfte enden wird. Warum dies nun nicht auf die Hotellerie zutreffen wird, entzieht einem wirklich jegliches Verständnis. Wir werden gerade für politische und gesellschaftliche Versäumnisse in Haftung genommen und dies ist schlichtweg inakzeptabel.

Die beiden vergangenen Sommersaisonen haben gezeigt, dass unsere Schutzkonzepte funktionieren. Es ist wissenschaftlich belegt, dass wir nicht als virustreibende Branche zu betrachten sind.

Wir sind gerne bereit, für die kommende Wintersaison noch einmal nachzuschärfen:

• 2G plus, also PCR Test bei Anreise und weitere regelmäßige Tests während des Aufenthaltes.
• Mindestabstände
• FFP 2 Pflicht in Innenräumen.
• Für jeden Gast einen fix zugewiesenen Sitzplatz - Kontaktverfolgung jederzeit möglich
• Falls nötig, zunächst eine geschlossene Gastronomie für externe Gäste - Möglichkeit des Take-away bliebe bestehen. Auch hier hat uns die Schweiz vergangenen Winter einen Weg aufgezeigt.

Wir sind gewollt unseren Teil für eine starke Tourismusdestination in unserer geliebten Heimat mitzutragen und Verantwortung zu übernehmen. Welcher Weg nun bestimmend für die österreichische Hotellerie eingeschlagen wird, entscheiden Sie in der Politik. Wir hoffen, Sie sind sich Ihrer Verantwortung bewusst und lassen uns zum 13. Dezember wieder das tun, was wir so sehr lieben - Gastgeber sein!

Gezeichnet ist der Brief von prominenten Hotelbetreibern, Skiliftgesellschaften, Sportgeschäften, allen voran Hannes & Christiane Schneider, Benjamin Schneider & Patrick Krummenacher vom Hotel Arlberg.

Niedergeschlagen ist angesichts des neuerlichen Lockdowns die Stimmung auch bei den steirischen Seilbahnbetrieben, die sich gerade auf die neue Wintersaison vorbereiten: „Es ist erschreckend, wir stehen wieder vor der gleichen Situation wie vor einem Jahr“, so Sprecher Fabrice Girardoni. Sorge bereite den Touristikern aber auch die Lage in wichtigen Märkten wie Deutschland, Tschechien, Ungarn und Niederlande. „Dies beginnt schon bei den Einreisebedingungen für Österreich und hört bei der Rückreise in deren Heimatland auf, sprich ob es Quarantäneauflagen, etc. gibt. Alles in allem schwierige Rahmenbedingungen, aber noch besteht die große und berechtigte Hoffnung, dass im kommenden Winter Winterurlaube stattfinden können.“

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