Trauer um Pilot

Heli-Drama: Haselsteiner entkam dem sicheren Tod

Wolken über dem Wr. Neustädter Becken in Niederösterreich hängen am Tag nach der Helikopter-Tragödie dicht über der Absturzstelle. Während Familie und Freunde um den Piloten trauern, ermitteln die Behörden.

Tiefe Trauer in Maria Luggau, Heimatort des Kärntner Piloten Roland P. Wie berichtet, ist der 50-Jährige Sonntagabend beim Absturz auf dem Flugplatz Wiener Neustadt (NÖ) ums Leben gekommen. Die Nachricht über den Tod des Ehemannes und zweifachen Vaters hat sich wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet. „Schließlich hat der Roland als Mitglied der Trachtenkapelle auch viel zur Dorfgemeinschaft beigetragen“, so ein betroffener Freund.

Indes hat die Flugunfallkommission Montagfrüh ihre Ermittlungen am Unglücksort aufgenommen. Wobei das NÖ-Landeskriminalamt schon in der Nacht erste Spuren gesichert hat. „Ich hab‘ einen lauten Schlag gehört, danach war’s ruhig“, so ein Ohrenzeuge, der zwei Kilometer von der Absturzstelle entfernt wohnt und den Lokalaugenschein beobachtet.

Das völlig ausgebrannte Wrack der zum Feuerball gewordenen Bell 429 zeigt, dass der Pilot keine Überlebenschance hatte. Und so wäre wohl auch Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner (77) ums Leben gekommen, wäre er nicht am Semmering – also nur Minuten vor dem Drama – aus seinem Heli gestiegen ...

Warum riskierte Pilot waghalsige Landung?
Indes stellt sich sowohl Laien als auch Flugexperten die Frage, weshalb der Berufspilot das riskante Landemanöver in der Nebelsuppe des Wiener Neustädter Beckens gewagt hat. Laut Aufzeichnungen dürfte er vor dem Crash „in einer Art Irrflug“ rund um den Flugplatz gekreist sein, um einen geeigneten Landeplatz zu finden.

Ob Pilot Roland P. nach dem Start in Bozen (Südtirol) noch genug Treibstoff im Tank gehabt hatte, um eventuell zu einem anderen Landeplatz oder zurück zum Semmering fliegen zu können, wird ebenso geklärt werden müssen. Sobald der Bericht der Flugunfallkommission und des Landeskriminalamtes bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt eingelangt ist, wird entschieden, ob auch eine Obduktion der Leiche des verunglückten Piloten erfolgt.

Landen bei Nebel
Die „Krone“ will den Untersuchungen der Behörden nicht vorgreifen, befragte aber mit Oberstleutnant Michael Doppler (langjähriger Black-Hawk-Staffelkommandant) einen der erfahrensten Piloten Österreichs zur Problematik des Landens bei Nebel.

Bei Sichtflügen benötigt jeder Pilot eine ausreichende Flugsicht, um Hindernisse visuell erkennen zu können. Und bei Landung auf Sicht ist auch eine nötige Bodensicht erforderlich, um sicher aufsetzen zu können. Wenn die Wetterbedingungen keine ausreichende Sicht von rund 800 Meter gewährleisten, darf nicht gelandet werden.

„Krone“: Wie kann sich ein Flug-Laie „Landung auf Sicht“ vorstellen?
Michael Doppler: Vergleicht man die Bedingungen bei Nebel mit einer Autofahrt, so wissen Sie, dass selbst auf einer Strecke, die man täglich befährt, bei Nebel die Orientierung total ausfällt. Deshalb sucht auch ein Helikopter-Pilot bei schlechten Sichtbedingungen Referenzen, an denen er sich orientieren kann.

Welche Sichthilfen können das sein?
Meist dienen Straßen, Autobahnen oder Bahnstrecken als Anhaltspunkte, sogenannte Bauernlineale, zur Orientierung.

Hypothetisch gefragt: Was hätte der Helikopter-Pilot im konkreten Fall machen können?
Eine Landung bei den kolportierten Wetterbedingungen hätte er nicht in Betracht ziehen und den Flug zu einem Ausweichflugplatz fortsetzen sollen.

Christoph Matzl
Christoph Matzl
Oliver Papacek
Oliver Papacek
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