24.10.2021 13:19 |

Vor Baldwin-Tragödie

„Rust“-Crew ballerte mit Todeswaffe zum Spaß herum

Eine scharf geladene Waffe hat Kamerafrau Halyna Hutchins am Filmset des Western „Rust“ das Leben gekostet. Während Alec Baldwin sich am Samstag zum ersten Mal schwer gezeichnet von dem Unglück mit dem Witwer der 42-Jährigen traf, werden immer mehr schreckliche Details rund um die Tragödie bekannt. Wie „TMZ“ berichtet, hätten Crew-Mitglieder vor dem fatalen Unfall abseits des Drehs Schießübungen mit der Todeswaffe durchgeführt - und das nur zum Spaß.

Mehrere Quellen, die in Verbindung zum Filmset des Western „Rust“ stehen, verrieten „TMZ“ Unglaubliches. Den Zeugen zufolge soll die Todeswaffe abseits der Dreharbeiten und in der Freizeit von Crew-Mitgliedern für private Schießübungen genutzt worden sein. Einige der Set-Mitarbeiter hätten sich demnach nach den Dreharbeiten in ihrer Freizeit getroffen, um mit scharf geladenen Requisitenwaffen zum Spaß herumzuballern.

Vermutlich sei dies auch der Grund, dass sich in der Waffe, die Alec Baldwin während der Dreharbeiten auf der Bonanza Creek Ranch in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico auf die Kamerafrau gerichtet hatte, scharfe Munition befunden habe, wird jetzt gemutmaßt. Eine offizielle Bestätigung der Polizei gibt es zu diesen Gerüchten allerdings noch nicht. 

Platzpatronen mit scharfer Munition gelagert?
Eine weitere Quelle berichtete der Promi-Seite zudem, dass die Cops nach dem Schussdrama bei der Ankunft am Set herausgefunden hätten, dass Platzpatronen und scharfe Munition gemeinsam aufbewahrt gewesen seien. Möglicherweise könnte es also auch zu einer fatalen Verwechslung beim Laden der Requisitenwaffe gekommen sein. 

Unterdessen rückten die junge Waffenmeisterin und der Regieassistent, der Alec Baldwin die Waffe als „Cold Gun“, also als nicht scharf geladene Waffe, übergeben hatte, immer mehr in den Fokus der Ermittler. US-Medien zitierten aus einem vorläufigen Untersuchungsbericht, dass Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed die Waffe vorbereitet habe. Zusammen mit zwei anderen habe sie diese auf einen Wagen gelegt. Der als erfahren geltende Regieassistent Dave Halls „wusste nicht, dass die Waffe mit scharfer Munition geladen war“, heißt es im Polizeibericht.

Waffenmeisterin gab Elfjähriger ungeprüfte Waffe
Im Gespräch mit der britischen „Sun“ erheben zwei Produktionsquellen, die bereits mit Gutierrez-Reed zusammengearbeitet haben sollen, zudem schwere Vorwürfe. Demnach soll die Waffenmeisterin am Set des Nicholas-Cage-Western „The Old Way“ einer elfjährigen Kinderdarstellerin eine Waffe in die Hand gedrückt haben, ohne diese vorher ordnungsgemäß zu überprüfen. Passiert sei dies nur wenige Wochen bevor sie ihren Job beim Film von Alec Baldwin angetreten habe.

„Es kam ein paar Mal vor, dass sie die Platzpatronen geladen hat - und zwar auf eine Art und Weise, die wir für unsicher hielten“, zitiert die Zeitung die Augenzeugen. „Sie war etwas unvorsichtig mit den Waffen und fuchtelte auch ab und zu damit herum.“

Hutchins‘ Vater: „Mache Alec Baldwin nicht dafür verantwortlich“
Auch Halyna Hutchins‘ Vater gibt in seinem ersten Interview mit den Medien dem Team rund um die 24-jährige Waffenmeisterin die Schuld an dem Tod seiner Tochter. Anatoly Androsovych ist sich im Gespräch mit der „Sun on Sunday“ sicher, hätten sie und ihre Mitarbeiter ihren Job gewissenhaft gemacht, hätte es nicht zu dieser Tragödie kommen können. „Wir können es immer noch nicht fassen, dass Halyna tot ist und ihre Mutter ist verrückt vor Trauer.“

Zitat Icon

Ich mache Alec Baldwin nicht dafür verantwortlich - es ist die Aufgabe der Requisiten-Leute, die mit den Waffen hantieren.

Halyna Hutchins' Vater Anatoly Androsovych

Der Hollywoodstar, der den Abzug der Todeswaffe gedrückt hatte, sei an dem Unglück laut Androsovych nicht schuld. „Ich mache Alec Baldwin nicht dafür verantwortlich - es ist die Aufgabe der Requisiten-Leute, die mit den Waffen hantieren“, erklärte Hutchins‘ Vater.

Er sorge sich nun auch um seinen Enkel Andros, der seine Mutter verloren hat, erklärte er weiter. „Halynas Sohn ist unglaublich betroffen - er ist ohne seine Mutter verloren.“ Nun kümmere man sich gerade um Visa für die USA, bestätigte Androsovych Berichte eines Familienfreundes, der kurz nach dem Unglück verriet, dass die Familie auf lückenlose Aufklärung des Falles hoffe. „Die Familie trauert, aber gleichzeitig stellt sie viele Fragen und werde Antworten darauf verlangen. Falls jemand einen Fehler begangen hat, wird er dafür bezahlen müssen“, erklärte er.

Notruf vom Set belastet Regieassistenten
Am Samstag wurden zudem die Aufnahmen des Notrufs nach dem Unglück veröffentlicht. Zu hören ist darauf eine Mitarbeiterin am Set, die verzweifelt ruft: „Wir haben zwei Menschen, die versehentlich mit einer Requisitenwaffe angeschossen wurden. Wir brauchen sofort Hilfe.“ Auf die Frage, ob die Waffe mit echter Munition geladen gewesen sei, sagte sie: „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

Sie beschimpfte jedoch den Regieassistenten und erklärte: „Dieses Arschloch von Regieassistent, der mich beim Mittagessen angeschrien hat ... Er sollte die Waffen kontrollieren, er ist verantwortlich für das, was am Set passiert.“

Schwere Sicherheitsmängel am Set
Laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ hatte es wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall Spannungen am Set gegeben. Sechs Mitglieder des Filmteams verließen demnach aus Ärger über die Arbeitsbedingungen die Dreharbeiten. Dem Bericht zufolge hatte auch Hutchins bessere Sicherheitsmaßnahmen gefordert. Zudem hätte der Filmrevolver schon dreimal fehlgezündet, sagten Crewmitglieder. Insidern zufolge wurden Sicherheitsprotokolle, einschließlich Waffeninspektionen, wie sie sonst üblich sind, am Set nicht eingehalten.

So habe Baldwins Stunt-Double am Samstag versehentlich zwei Schüsse abgefeuert, nachdem ihm gesagt worden sei, dass die Waffe gar keine Munition, auch keine Platzpatronen enthalte, erzählten die Arbeiter der „Los Angeles Times“. Eine weitere Fehlzündung habe es in der Woche davor gegeben.

Baldwin und Souza trauern um Hutchins
„Keine Worte können meinen Schock und meine Trauer angesichts des tragischen Unfalls zum Ausdruck bringen, der das Leben von Halyna Hutchins genommen hat“, erklärte Baldwin am Freitag, der offenbar nicht wusste, dass die Waffe geladen war. „Es bricht mir das Herz für ihren Mann, ihren Sohn, und alle, die Halyna gekannt und geliebt haben.“ Baldwin sicherte den Ermittlungsbehörden seine umfassende Kooperation zu.

Souza äußerte sich am Samstag gegenüber der Filmwebsite „Deadline“. Er sei „am Boden zerstört über den Verlust seiner Freundin und Kollegin“. Sie sei ein „fürsorglicher, lebendiger und unglaublich talentierter Mensch“ gewesen. Die 42-jährige aus der Ukraine stammende Hutchins war 2019 vom Branchenmagazin „American Cinematographer“ als eines der aufstrebenden Nachwuchstalente an der Kamera ausgewählt worden.

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