24.10.2021 07:58 |

Berufsverbot für Arzt

Schönheits-OP endet für Steirerin in Albtraum

Eine Weststeirerin durchlebt nach einer Fettabsaugung ein wahres Martyrium. Bei der Operation hatte ihr ein renommierter Grazer Chirurg den Darm zehnmal durchbohrt, die Frau musste sogar notoperiert werden und lebt jetzt ohne Bauchdecke. Nach dem strafrechtlichen Prozess folgt nun der Gang vor das Zivilgericht.

Kein Zittern, kein Beben - mit fester Stimme und klarer Sprache erzählt Teresa M. (Name von der Redaktion geändert) über jenen Einschnitt, der ihr Leben verändert hat. Mitunter ringt sie sich sogar ein Lächeln ab - wenn sie etwa davon spricht, wie sehr ihr die beiden Töchter und ihr Freundeskreis in dieser harten Zeit Halt geben.

Das Lachen hat sie erst wieder mühsam erlernen müssen. Zu tief saß der physische, aber vor allem auch psychische Schmerz über das, was ihr widerfahren ist. Die dramatischen Erlebnisse seit dem 11. März 2020 gleichen einem wahren Martyrium. „Mein Leben, das ich bis zu diesem Tag geführt habe, ist heute nicht mehr möglich“, schüttelt die Weststeirerin den Kopf.

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Ich wollte mir einfach etwas gönnen und eine kleine Problemzone entfernen lassen. Rückblickend wäre es wohl gar nicht notwendig gewesen, aber hinterher ist man eben immer schlauer.

Teresa M.

„Ich wollte mir einfach etwas gönnen“
Eigentlich war nur ein kleiner operativer Eingriff geplant. „Ich wollte mir einfach etwas gönnen und eine kleine Problemzone entfernen lassen. Rückblickend wäre es wohl gar nicht notwendig gewesen, aber hinterher ist man eben immer schlauer.“

Darmwand zehnmal durchstochen
Bei der Fettabsaugung in Gumpoldskirchen (NÖ) kam es zu folgenschweren Komplikationen. Oft wird in solchen Fällen von „Kunstfehlern“ gesprochen - ein Ausdruck, der die Tragweite ärztlicher Fehler aber verharmlost. Zehnmal hat der behandelnde Arzt den Darm perforiert, teils doppelwandig. Der bekannte Grazer Schönheitschirurg Daryousch Parvizi wurde deshalb Ende letzten Jahres am Landesgericht Wiener Neustadt wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Selbst der damalige medizinische Gutachter war fassungslos, weil eine einmalige Durchlöcherung des Darms bei derartigen Eingriffen zwar selten, aber bekannt ist. Jedoch zehnmal die Wand des Dünndarms zu durchstoßen, sei nicht erklärbar.

Noch am selben Tag nach Hause geschickt
Für Teresa begann nach dem Eingriff aber erst der wahre Albtraum. „Ich wurde am selben Tag noch nach Hause geschickt. Als ich zum Kontrolltermin am nächsten Tag in Graz aufgrund starker Schmerzen nicht kommen konnte, meinte der Arzt, dass er das zwar nicht verstehe - wenn ich aber so schmerzempfindlich sei, solle ich halt am nächsten Montag in die Ordination kommen.“

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Als ich zum Kontrolltermin am nächsten Tag in Graz aufgrund starker Schmerzen nicht kommen konnte, meinte der Arzt, dass er das zwar nicht verstehe - wenn ich aber so schmerzempfindlich sei, solle ich halt am nächsten Montag in die Ordination kommen

Teresa M.

Zweieinhalb Monate im Krankenhaus
Dazu kam es aber nicht mehr. Weil es der Mutter immer schlechter ging, verständigte eine Tochter am 15. März den Notarzt. 15 Operationen und ein zweieinhalbmonatiger Spitalaufenthalt im LKH-Univ. Klinikum in Graz folgten. „Es ist ein absoluter Albtraum. Trotzdem muss ich froh sein, überhaupt noch am Leben zu sein. Ein großes Danke daher an das tolle Team der Allgemeinen und Plastischen Chirurgie am Grazer LKH, ohne das ich nicht überlebt hätte.“

Ihr Leben muss die Steirerin nun ohne Bauchdecke führen, diese wird durch eine dünne (dem Oberschenkel entnommene) Hautschicht und einem Mieder, das sie ständig tragen muss, ersetzt. „Ich kann nicht mehr reiten oder radfahren. Und auch optisch ist natürlich alles eine Katastrophe.“

„Patientin gab Voroperation nicht an“
Der Chirurg selbst zeigt sich betroffen über das Schicksal der Patientin, teilt auf „Krone“-Anfrage aber auch mit, dass die Frau über sämtliche Komplikationen, „auch welche ihr widerfahren sind“, aufgeklärt wurde. „Leider hatte sie vorab auch eine Voroperation nicht angegeben und ist trotz mehrmaliger Aufforderung nach der OP nicht in die Ordination gekommen.“ Anfang Dezember geht nun der zivilrechtliche Prozess in Graz in die nächste Runde.

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Leider hatte die Patientin vorab auch eine Voroperation nicht angegeben und ist trotz mehrmaliger Aufforderung nach der OP nicht in die Ordination gekommen

Daryousch Parvizi

Arzt hat jetzt Berufsverbot
Per 11. August 2021 sprach das Land Niederösterreich gemäß Paragraf 62 des Ärztegesetzes eine vorläufige Untersagung der Berufsausübung gegen den Grazer Chirurgen Daryousch Parvizi aus. Weitere Informationen könne die Behörde allerdings nicht geben. In der zuständigen Abteilung für Sanitäts- und Krankenanstaltenrecht der niederösterreichischen Landesregierung hieß es, dass man aufgrund der Amtsverschwiegenheit und des Datenschutzes die „Krone“-Anfrage „leider nicht“ beantworten kann.

Bei der Ärztekammer Niederösterreich läuft aktuell ein Disziplinarverfahren. Möglich, dass bald ein weiteres Verfahren auf den prominenten steirischen Mediziner zukommt. „Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen einer missglückten Fettabsaugung“, bestätigt Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt; es gilt die Unschuldsvermutung.

Alle Operation abgesagt, Ordination ist aber offen
„Wenn es eine vorläufige Untersagung der Berufsausübung gibt, gilt diese für das gesamte Bundesgebiet und für jede ärztliche Tätigkeit“, so der Kammeramtsdirektor der Ärztekammer Steiermark, Johannes Greimel. Daryousch Parvizi hat eigenen Angaben zufolge aktuell alle Operationen abgesagt, seine Ordination sei aber freilich offen und von der Assistenz besetzt. Bezüglich der vorläufigen Untersagung der Berufsausbildung teilt er mit: „Sehr viele Punkte im Verfahren konnten widerlegt werden, ein Abschluss ist bald zu erwarten.“

„Weil wir in Graz recht gut ausgebucht sind“
Die „Krone“ nennt den Namen des betroffenen Arztes, weil es Hinweise gibt, dass er trotz Berufsverbot seiner Tätigkeit nachgeht. Ein Anruf in seiner Ordination am 21. Oktober um 10.39 Uhr deutet auch darauf hin: Eine „Krone“-Redakteurin meldet sich mit dem Wunsch, „die Nase richten zu lassen“ - die Antwort der Ordinationsgehilfin: Erster Schritt sei ein Beratungsgespräch, das 100 Euro koste; diesen Betrag würde man im Fall einer OP retour bekommen. Wegen eines Termins würde man sich melden, „weil wir in Graz recht gut ausgebucht sind“.

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