Wofür spenden?

Experiment zeigt: Corona hat nicht alles verdrängt

Tirol
08.10.2021 09:00

Die Pandemie ist seit eineinhalb Jahren beherrschendes Thema. Mit einem originellen Experiment wurde an der Universität Innsbruck untersucht, ob Covid-19 andere Anliegen verdrängt hat. Dafür erhielten Teilnehmer 3 Euro Einsatz.

Stellen Sie sich vor, sie bekommen Geld geschenkt und können dieses behalten oder spenden. Damit begann im Frühling 2020 ein Experiment der Uni Innsbruck, an dem mehr als 1700 Studierende teilnahmen. Jede Person bekam 3 Euro und konnte neben der Möglichkeit eines „Selbstbehalts“ aus drei Spenden-Varianten wählen: Für acht ausgewählte Wohltätigkeitsorganisationen wie SOS-Kinderdorf oder Ärzte ohne Grenzen spenden. Für eine dieser Organisationen oder den Covid-19-Fonds der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Oder gleich das ganze Geld in den WHO-Topf werfen.

Bedenken zu Beginn der Krise
„Wir wollten nachvollziehen, inwieweit die Covid-19-Pandemie andere Anliegen ersetzt hat“, erklärt Natalie Struwe vom Institut für Finanzwissenschaft die Intention des Experiments. Denn, so Studienleiterin Esther Blanco, „gerade zu Beginn der Krise gab es ernsthafte Bedenken, dass weniger Geld etwa für Umweltschutz oder Armutsbekämpfung übrig bleibt“.

Hohe Inzidenz, hohe Spendenbereitschaft
Zumindest im Spenden-Experiment wurde diese Befürchtung nicht bestätigt. Zwar wurde ein guter Teil der Spenden für den Covid-Fonds hergegeben, „allerdings ersetzte er keines der anderen sozialen Belange vollständig“, sagt Alexandra Baier, die neben Blanco, Struwe sowie Felix Holzmeister vom Institut für Wirtschaftstheorie und einem Forscher aus Frankreich für die Studie verantwortlich zeichnet.

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Wir interpretieren das auch als Wunsch der Gesellschaft, die Mittel für den Wiederaufbau im Rahmen von Covid-19 so zu verwenden, dass diese anderen sozialen Anliegen ebenfalls unterstützt werden.

Natalie Struwe

Im Gegenteil: Stieg die Covid-Inzidenz, stieg gleichzeitig die Spendenbereitschaft für alle Anliegen. Daraus leiten die Forscher ab, dass Umweltschutz, Armutsbekämpfung, soziale Ungleichheit im Bewusstsein geblieben sind und der Kampf gegen das Virus nicht alles andere verdrängt oder zumindest überlagert hat. „Wir interpretieren das auch als Wunsch der Gesellschaft, die Mittel für den Wiederaufbau im Rahmen von Covid-19 so zu verwenden, dass diese anderen sozialen Anliegen ebenfalls unterstützt werden“, fasst Struwe zusammen.

Repräsentativ für die gesamte Bevölkerung ist das Uni-Experiment freilich nicht, weil ausschließlich Studenten teilnahmen. Es sagt dennoch einiges aus. Übrigens auch, dass Frauen tendenziell mehr als Männer spenden. Und jene spendenbereiter sind, die sich besonders für die Eindämmung von Corona und für Armutsbekämpfung engagieren.

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