05.10.2021 10:01 |

Schockierende Doku

So lauern Pädophile im Netz Zwölfjährigen auf

Die Dimension des Kindesmissbrauchs in der Gesellschaft rückt immer wieder durch große Kriminalfälle in den Fokus. Doch auch abseits dieser lauert Gefahr, besonders im Internet. Um zu zeigen, wie dreist die Täter die Unerfahrenheit ihrer Opfer ausnutzen, haben Filmschaffende in Tschechien ein gewagtes Experiment unternommen. Ab sofort ist der daraus entstandene Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ im Kino zu sehen.

Die Macher suchten drei sehr jung aussehende, aber volljährige Frauen, die sich auf Fake-Profilen in gängigen sozialen Netzwerken als zwölfjährige Mädchen ausgeben sollten. Die Filmleute bauten in den Kulissen eines Studios drei Kinderzimmer nach. Von dort aus sollten die Schauspielerinnen zehn Tage lang online gehen und schauen, von wem sie kontaktiert werden.

2458 Männer mit „eindeutigen Absichten“
Das Ergebnis: Es meldeten sich 2458 Männer - „mit eindeutigen Absichten“, wie es heißt. Die Kamera war dabei und verfolgte, welchen Verlauf die auch per Webcam geführten Chats nahmen.

Zitat Icon

Nach ein paar wenigen Eröffnungsfloskeln kamen sie sofort zur Sache: zu expliziten sexuellen Angeboten.

Regisseurin Barbora Chalupová

Regisseurin Barbora Chalupová, die das Projekt gemeinsam mit Vít Klusák realisiert hat, zeigt sich überrascht vom Tempo, mit dem die Täter die Mädchen kontaktierten. „Nach ein paar wenigen Eröffnungsfloskeln kamen sie sofort zur Sache: zu expliziten sexuellen Angeboten“, sagt sie. Auch die Fülle der Nachrichten habe sie erstaunt: „Die Schauspielerinnen hatten kaum Zeit zu antworten, geschweige denn all die Chat-Anfragen zu bedienen.“

Im Film stellt sich das etwa so dar: „Stört es dich nicht, dass ich 12 bin?“, schreibt eines der Mädchen im Chat mit einem Mann. „Wenn das unser Geheimnis bleibt, dann nicht“, antwortet dieser. Andere Männer verhalten sich ähnlich und antworten auf entsprechende Fragen etwa: „Das macht nichts, ich war auch mal 12.“ Oder einfach: „Warum sollte es?“

Experten begleiteten die Dreharbeiten
Die Filmleute betonen, dass verschiedene Experten die Darstellerinnen während des Drehs begleitet und betreut hätten. So kommen in der Doku beispielsweise eine Sexualwissenschaftlerin und ein Anwalt zu Wort. Die Expertin sagt, die Täter gäben sich der Illusion hin, dass die Mädchen den Kontakt wollten, weil diese nicht aktiv Widerstand leisten. Das unterwürfige Verhalten der Mädchen im Chat sei jedoch schlicht darauf zurückzuführen, dass die Männer eben viel älter und körperlich überlegen seien.

Der Anwalt spricht mit Blick auf die Chatpartner von einer „Flut aller denkbaren Straftaten“ in Bezug auf Kinder. Am Ende jedoch seien „aus den Jägern Gejagte“ geworden, heißt es von den Filmleuten. Das Material sei der tschechischen Polizei zur Strafverfolgung überlassen worden.

Neben der Vollversion gibt es auch eine um explizite Szenen gekürzte Schulfassung der Doku. So soll Schulklassen ermöglicht werden, sich mit dem Thema Cybergrooming auseinanderzusetzen. Eine Botschaft der Filmleute lautet dabei: Die Täter sind schuld, nicht die Kinder, die ihnen ins Netz gehen.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 25. Oktober 2021
Wetter Symbol