04.10.2021 08:00 |

51 Todesopfer in Tirol

Zahl der Bergtoten stieg heuer dramatisch an

Es ist nur eine nüchterne Zahl, hinter der freilich enormes Leid steckt: 51 Menschen verloren heuer seit 1. Mai in den Tiroler Bergen ihr Leben. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr (35), aber kaum mehr als im langjährigen Schnitt.

Allein beim Wandern bzw. Bergsteigen starben laut jüngster Statistik des Kuratoriums für Alpine Sicherheit bzw. der Alpinpolizei vom 1. Mai bis 26. September 26 Personen. Zum Vergleich: Im ersten Corona-Jahr waren es „nur“ 21, im Vergleichszeitraum 2019 hingegen 34. Der Zehn-Jahres-Durchschnitt weist 28 Tote aus.

Klettersteige als „Problemkind“
Sechs Tote gab es zudem beim Klettern zu beklagen, doppelt so viele wie 2020. Die Hälfte der sechs Opfer verloren auf Klettersteigen ihr Leben. Diese relativ junge „Spielwiese“ für Bergfreunde hat sich für die Tiroler Bergrettung zu einem „Problemkind“ entwickelt. Denn vor allem die Einsätze, bei denen Klettersteiggeher aus Überforderung oder Erschöpfung in einem Eisenweg feststecken, haben in der jüngsten Vergangenheit dramatisch zugenommen.

Außergewöhnlich groß bei der Zahl der Alpintoten ist heuer bisher der Anteil der Mountainbiker. Sechs Bergradler verloren seit 1. Mai auf den diversen Strecken ihr Leben. Damit übertrifft die Todesbilanz den langjährigen Durchschnitt von zwei Toten bei weitem. Der anhaltende E-Bike-Boom dürfte mitverantwortlich für diese dramatische Steigerung gewesen sein.

Weil die Statistik sämtliche Tote bei Betätigungen im hochalpinen Raum berücksichtigt, gehören zu den 51 unter anderem auch zwei Tote bei Forstunfällen, zwei bei Flugunfällen und zwei Personen, die beim Wildwassersport in Tirol ihr Leben verloren.

Besonders interessant erweist sich in der Statistik auch die Zahl der Unfälle. Die liegt mit 1344 deutlich über dem Zehn-Jahres-Mittel von 1083. Schon im Vorsommer war sie dramatisch höher als im Durchschnitt. „Wir hatten heuer so viele Einsätze wie in den vergangenen rund 30 Jahren nicht“, weiß auch Dr. Erik Austad, der Bergrettungsarzt im Kühtai.

Dass viele beim Bergsteigen ihren Körper überfordern, zeigt ebenfalls eine nackte Zahl: Acht Menschen starben bisher beim Wandern an Herz-Kreislaufversagen. Im langjährigen Durchschnitt sind es zehn.

Freilich bleiben auch – mutmaßlich durchtrainierte – Kletterer nicht vor dem Herztod in der Wand verschont. Heuer war ein Toter zu beklagen, dieser Wert deckt sich mit dem Zehn-Jahres-Mittel.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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