22.06.2021 13:30 |

Kein Bonus für Sanis

Das Risiko ist hoch, die Wertschätzung gering

Der Schutzanzug klebt auf der Haut, die FFP2-Maske ist ein ständiges Muss: Sanitäter gehören zum Gesundheitssystem. Seit 2020 ist ihre Arbeit noch beschwerlicher. Den Corona-Bonus für Gesundheitsberufe bekommen sie trotzdem nicht. Die Enttäuschung darüber ist sehr groß.

„Aus unserer Sicht geht damit eine Ungleichbehandlung einher, die weder nachvollziehbar noch verständlich ist“, macht Günther Ennemoser, Präsident vom Roten Kreuz Tirol, deutlich. Auch beim Samariterbund hätte man sich die finanzielle Anerkennung über 500 Euro gewünscht: „Ich bedauere sehr, dass die Entscheidung dagegen ausgefallen ist. Unsere Sanitäter sind tagtäglich einem erhöhten Risiko ausgesetzt, mit Corona infiziert zu werden“, so der Tiroler Geschäftsführer Gerhard Czappek. In Tirol gibt es rund 4000 Sanitäter, österreichweit sind es laut dem Bundesverband Rettungsdienst etwa 43.000.

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Unsere Sanitäterinnen und Sanitäter sind tagtäglich einem erhöhten Risiko ausgesetzt, mit Corona infiziert zu werden.

Gerhard Czappek, Geschäftsführer Samariterbund Tirol

Sanitäter sind ebenso medizinisches Personal
Durchschnittlich 500 Euro sollen laut dem Gesetzestext der Bundesregierung abgabenfrei an Betreuungs-, Pflege- und Reinigungspersonal in Krankenanstalten gehen. Diese „außerordentliche Zuwendung“ soll „als besondere Anerkennung für in persönlichem Kontakt verrichtete, medizinische oder nichtmedizinische Betreuung von Patienten gewährt werden“, heißt es im Gesetzestext weiter. Leistet man im Rettungsdienst keine medizinische Betreuung von (Corona-)Patienten?

Es gab einen Antrag, er wurde aber abgelehnt
Die Antwort ist naheliegend: Doch! Rettungssanitäter stehen in ständigem Kontakt mit (potenziell) Infizierten. Über Stunden sind sie in Schutzausrüstung eingepackt und auch der Lohn ist nicht berauschend. Insofern hätten sich die Lebensretter einen Bonus verdient.

Das sieht auch die SPÖ so: In Abänderungsanträgen forderte sie die Ausweitung auf Rettungs- und Transportdienste sowie Einrichtungen der Behindertenarbeit, des Psychosozialen Dienstes und der Wohnungslosen- und Flüchtlingshilfe. Auch Menschen, die in der Langzeitpflege, der Daseinsvorsorge sowie anderen unerlässlichen Branchen arbeiten, sollten einen Zuschuss bekommen. Die Anträge wurden abgelehnt. Begründung der ÖVP: Das sei budgetär nicht umsetzbar. Man habe ohnehin schon vor allem jene Personen berücksichtigt, die im unmittelbaren Kontakt mit den an Covid-19 Erkrankten stehen.

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Die Sanitäterinnen und Sanitäter von der Bonus-Zahlung auszunehmen, hat weder mit Respekt noch mit Wertschätzung zu tun.

Günther Ennemoser, Präsident des Roten Kreuzes Tirol

Das würde eigentlich auch Sanitäter betreffen. Deshalb übt Ennemoser (RK Tirol) Kritik: „Die Sanitäter und Sanitäterinnen von der Bonus-Zahlung auszunehmen, hat weder mit Respekt noch mit Wertschätzung zu tun.“

Melina Mitternöckler
Melina Mitternöckler
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