23.05.2021 05:00 |

Minister Mückstein:

„Ich wäre für das Unterrichtsfach ,Der Mensch‘“

Minister Dr. Wolfgang Mückstein will die Gesundheitskompetenz von Schülern stärken und die Ausbildung im Pflegebereich aufstocken.

Das Fernseh-Studio erstrahlt in frischem Grün. Sehr passend, wenn der neue Gesundheitsminister zu Besuch ist. Es handelt sich bei der Berglandschaft um den Hintergrund des krone.tv-Gesundheitsmagazins „GeMa“, das in Zusammenarbeit mit „Krone GESUND“ ausgestrahlt wird. Dr. Wolfgang Mückstein (Grüne) beantwortet dort meine Fragen. Alle sind entweder getestet, geimpft und/oder tragen Masken.

„Krone“:Was unsere Leser ganz besonders interessiert, ist, wie es mit der Pflegereform vorangeht.
Dr. Wolfgang Mückstein: Ich schaue mir den Prozess gerade sehr genau an und glaube, dass es hier sicher einen Sinn macht, eine „Zielsteuerung Pflege“ zu etablieren, wo man alle Verantwortlichen zusammen an einen Tisch holt. Das ist ja auch länderabhängig. Zur Unterstützung von zu Pflegenden und pflegenden Angehörigen gibt es bereits fertige Pläne. Allerdings fehlen uns in Österreich 1000 Ausbildner in diesem Bereich, und wir benötigen 100.000 Pflegekräfte bis 2030 - das sind zwei Züge, die aufeinander zufahren! Es hat mit dem vorherrschenden Berufsbild zu tun, mit der Bezahlung - hier kann ich mir z. B. bezahlte Praktika vorstellen, wie es das im Medizinstudium gibt. Freundliches Schulterklopfen ist gut, aber reicht nicht. Die Leistung muss sich auch in der Bezahlung niederschlagen.

Wo soll denn die Finanzierung dafür herkommen?
Das ist eine Frage der Wertigkeit, man muss das vorhandene Geld eben dahin verschieben. Im Palliativbereich und Hospizwesen gehören die Ressourcen ebenfalls aufgestockt.

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Es fehlen im Pflegewesen bereits 1000 Ausbildner! Der Beruf muss mehr gewürdigt werden, Schulterklopfen allein ist zu wenig.

Dr. Wolfgang Mückstein, Gesundheitsminister

Im Europa-Ranking bei der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung liegen wir im unteren Feld, bei den Jugendlichen sind wir sogar Vorletzte. Welche Maßnahmen sehen Sie als sinnvoll an?
Mich hat das immer schon gewundert, warum es kein Unterrichtsfach „Der Mensch“ gibt: in seinen sozialen Aspekten, was gesundes Essen anbelangt, warum Sport wichtig ist, wie Nahrungsmittel hergestellt werden etc. Gesundheitsförderung, Prävention - Stichwort Übergewicht - müssen Themen sein, mit denen sich Kinder und Jugendliche auseinandersetzen. Dabei könnte auch ein verbessertes Schularztsystem mit einer Schulkrankenschwester als Ansprechpartner einen wertvollen Beitrag leisten.

Sie plädieren vehement für eine ausgeweitete Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln?
Unbedingt. Ich sollte als Konsument zumindest die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob ich das Chlorhendl esse oder das Freilandhuhn.

Wenn wieder Stimmen laut werden, wie man im Gesundheitssystem Einsparungen vornehmen kann - was können Sie hier entgegenhalten?
Ich denke, die Pandemie hat gezeigt, dass unser Spitalwesen gut gerüstet war. Auch der niedergelassene Bereich hat hier viel geleistet. Ein Gesundheitssystem ist aber nie in einem Ruhezustand, sondern muss sich weiterentwickeln. Nach einer Pandemie von Einsparungen im Gesundheitssystem zu reden kann ich mir aber nicht vorstellen. Im Gegenteil, wir planen ja auch über den Krisenbewältigungsfonds der EU sogar massive Investitionen in wesentlichen Bereichen, wie etwa der Primärversorgung.

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Wir müssen beim Thema Gesundheit auch soziale Aspekte wie Armut und Chancengerechtigkeit mitdenken.

Dr. Wolfgang Mückstein, Gesundheitsminister

Die obligate Corona-Frage zum Schluss: Wie geht es jetzt bis zum Herbst weiter?
Seriöserweise schaut man etwa fünf bis sieben Wochen in die Zukunft. Prognosen, wie es im Herbst sein wird, die mache ich daher nicht. Das wird wesentlich davon abhängig sein, wie wir uns alle verhalten. Wir haben jetzt viele Möglichkeiten, die wir vorher nicht gehabt haben. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir im Jänner 2021 einen Impfstoff bekommen und im Juni alle, die es wollen, durchimpfen können? Nun kommen ja auch noch die Kinder dran.

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, warum er/sie Arzt werden sollte?
Der Arztberuf ist mit Sicherheit einer der spannendsten und interessanten Jobs, die es gibt. Der für mich wichtigste Aspekt war stets, dass man als Arzt täglichen Kontakt zu Menschen hat. Das ist wahnsinnig erfüllend.

Zur Person

  • Dr. Wolfgang Mückstein (46), Die Grünen, ist praktischer Arzt und TCM-Mediziner
  • Er engagierte sich in der Betreuung von Drogenkranken („Ganslwirt“, jetzt Sozialmedizinisches Zentrum Jedmayer) sowie im „Neunerhaus“ (Sozialorganisation für obdachlose und armutsgefährdete Menschen) in Wien.
  • 2010 Gründung der Gruppenpraxis Medizin Mariahilf
  • 2015 Gründung der ersten Primärversorgungseinheit in Österreich
  • Bereits 2019 gehöre er dem Team der Grünen bei der Aushandlung des Regierungsprogramms an.
Karin Podolak
Karin Podolak
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