23.04.2021 16:45 |

Heftige Proteste

Indien will größtes Atomkraftwerk der Welt bauen

35 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl, zehn Jahre nach der Katastrophe von Fukushima: Indien will trotz allem auf Nuklearenergie setzen. Nach französischen Angaben machte das Land einen Schritt zum Bau des größten Atomkraftwerks der Welt. Der französische Kraftwerksbetreiber Electricité de France (EDF) erklärte am Freitag in Paris, er habe ein verbindliches Angebot zum Bau von sechs Druckwasserreaktoren neuen Typs für den Standort Jaitapur an der indischen Westküste abgegeben. Gegen das Vorhaben wird wegen Sicherheitsbedenken seit Jahren heftig protestiert.

Die Ausmaße des Atomkraftwerks sollen gewaltig werden: Laut dem Energiekonzern könnte es 70 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Der mehrheitlich staatliche Energiekonzern EDF hofft auf einen Vertragsabschluss mit Indien in einigen Monaten.

Er ist als einziger Lieferant für neuartige Druckwasserreaktoren - sogenannte EPR-Reaktoren - im Gespräch, die ursprünglich zusammen mit Siemens entwickelt wurden. Der Auftrag könnte den Angaben zufolge einen Umfang von Dutzenden Milliarden Euro haben. 

Die Planungen für das Kraftwerk in Jaitapur stammen bereits aus den 2000er-Jahren. Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wurden die Pläne zunächst auf Eis gelegt. Sie wurden 2018 bei einem Indien-Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron aber wieder aufgenommen.

Proteste gegen AKW seit mehr als zehn Jahren
In dem indischen Bundesstaat Maharashtra rund um den geplanten AKW-Standort gibt es seit Jahren starken Widerstand gegen das Vorhaben. Bei Protesten gab es teils auch gewaltsame Zusammenstöße. So wurde im April 2011 ein Demonstrant von einem Polizisten erschossen. Örtliche Atomkraftgegner fürchten, dass die Sicherheitsauflagen nicht strikt genug sind.

Debakel um neuen Reaktor in Nordfrankreich
Ein weiterer Grund für Misstrauen gegenüber EDF ist auch das Debakel um einen neuartigen Druckwasserreaktor im nordfranzösischen Flamanville, den der Energiekonzern derzeit errichtet. Nach Pannen und Sicherheitsbedenken der Atomaufsicht sind die Kosten auf mehr als zwölf Milliarden Euro explodiert. Siemens stieg aus dem Projekt aus. Die Inbetriebnahme ist nun Ende 2022 geplant, zehn Jahre nach dem ursprünglich vorgesehenen Start.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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