„Krone“-Reportage

Inside NÖ-Impfzentrale: Jetzt zählt jeder Stich!

Bei Covid-Impfungen im Pflegeheim und bei internen Besprechungen durfte die „Krone“ die niederösterreichische Impforganisation begleiten und einen Blick hinter die Kulissen werfen: Was die Drängler-Debatte ausgelöst und was die Online-Registrierung mit einem AC/DC-Konzert gemein hat ...

Eine gespenstische Stille umgibt das Caritas-Pflegeheim St. Elisabeth in St. Pölten, als wir es am Dienstagmorgen - unter strikter Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen - betreten. Zur Linken ein Flügel, der so heimelig und gemütlich eingerichtet ist wie das Wohnzimmer einer Großmutter. „Volle Absicht“, sichert man uns im Rahmen der kleinen Führung zu. Schließlich sei die Generation, die sich jetzt im Heim befindet, vorwiegend diesen Einrichtungsstil gewohnt. Schnell wird klar, es sind Details wie diese, die das Heim so besonders machen. Eine große Sonderstellung erreichte das Zentrum, in dem am 27. Dezember auch die ersten Impfungen im Land stattgefunden hatten, auch dadurch, dass es als eines von nur wenigen Heimen das Virus fernhalten konnte. Vorsicht, Rücksicht, Nachsicht „und viel Glück“ seien nötig gewesen.

Ein wenig lauter wird es dann, als wir uns erst in den Eingangsbereich zurück- und von dort aus dann durch einen schmalen Gang zum rechten Flügel des Gebäudes bewegen. „Hast du gestern noch ein Mexalen genommen?“, wird unter dem Pflegepersonal, das an der Wand des Ganges ansteht, getuschelt. Sie warten auf die zweite Dosis des Pfizer-Impfstoffs. Die erste brachte - so die überwiegende Meinung der Helfer - kaum Nebenwirkungen ein. Nur wenige Minuten darauf geht es in beiden Gebäudetrakten auch schon los - und die Experten des Teams von Notruf Niederösterreich beginnen mit den Injektionen.

Viel Wirbel um die „siebente Impfdosis“
Szenenwechsel ins Regierungsviertel: Eine Ampulle des Pfizer-Stoffes ist nur zwei Stunden nach dem Beginn der Aktion übrig geblieben. „Diese wird gekühlt und dann zum Stopfen von Löchern verwendet“, wird im Hauptquartier des Teams erklärt. Gemeint sind jene Lücken, die durch das Verimpfen der sogenannten siebenten Dosen entstanden sind. „Geübtes Personal schafft es, dass beim Aufziehen des Stoffes kaum Tropfen danebengehen“, klärt Christian Fohringer, Medizinischer Leiter des Teams, auf und ergänzt: „Natürlich kann der Rest im Fall der Fälle verabreicht werden.“ So entstehen aber auch Lücken. Denn wer die erste Dosis bekommt, hat auch Recht auf die zweite, scheint anders als „regulär Geimpfte“ aber nicht gleich im System auf.

Nach weiteren Gesprächen wird klar: Der Fall der Fälle ist vielmehr die Regel als die Ausnahme. Gemeint sind aber nicht etwa Impf-Orgien bei drängelnden Bürgermeistern, sondern eher die sich mehrmals täglich ändernden Lieferzusagen der Hersteller und Hoppalas wie falsche Bestellangaben. Auch die Drängler-Debatten hatten laut der Behörde ihre Kehrseite. „Weit mehr als 100 Dosen wurden auch aus Angst vor diesen Diskussionen weggeworfen.“ Der Appell: „Jede Impfung zählt!“

Online-Ticketsystem hielt sogar AC/DC stand
Nur ein Stockwerk tiefer wird weniger gesprochen, dafür aber mehr geklickt. Ein 13-köpfiges Team kümmert sich dort um die Termin-Freischaltung. Heiß glühten die Rechner im Raum am 10. Februar. Binnen weniger Minuten waren - wie berichtet - die 10.000 ersten Termine für Landsleute im Alter von über 80 Jahren auch schon wieder weg. Von Anmeldepannen will man zwar auch heute noch nichts wissen. Dazugelernt habe man freilich schon. „Die Kapazitäten bei den Terminen, die wir jetzt freischalten, decken auch den Bedarf. Vor einem Monat stand einfach nicht mehr Impfstoff zur Verfügung“, schildert Technik-Chef Alexander Hopfgartner. Auch das System sei mit Bedacht gewählt worden. Gearbeitet werde mit dem Ö-Ticket-Programm, das man auch von Events kennt. „Auch bei einem AC/DC-Konzert ist die Nachfrage an Karten größer als der Bestand. Der Unterschied ist, dass bei uns Termine vergeben werden, bis alle geimpft sind.“

Abschließend lädt Notruf-Chef Christof Constantin Chwojka zum Gespräch. Er begrüßt die neue Entscheidung des nationalen Impfgremiums, wonach der AstraZeneca-Impfstoff jetzt für alle Alters- und Risikogruppen ab 18 Jahren eingesetzt werden kann. „Fast kein Grippe-Impfstoff hatte je mehr als 70 Prozent Wirksamkeit. Die Studien zeigen, dass das Vakzin problemlos eingesetzt werden kann.“

Vielleicht könnte es in wenigen Wochen dann ja auch im Eingangsbereich des St. Pöltner Elisabeth-Heims wieder lauter werden ...

Nikolaus Frings
Nikolaus Frings
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