04.03.2021 14:00 |

Hall in Tirol

Schwester Notburga: Eine Nonne bewegt die Massen

Die Tertiarschwestern aus Hall in Tirol haben an der Klostermauer Ende Jänner ein Plakat aufgehängt. Nicht ohne Folgen! Ihr Einsatz für Flüchtlinge zieht mittlerweile weite Kreise und Schwester Notburga ist zur Stimme dieser Bewegung geworden.

Das Plakat ist weg! „Ich habe keine Ahnung, wer es heruntergerissen hat. Aber es ist zum Glück nicht zerstört“, sagt Schwester Notburga Maringele und schaut hinauf zum schmalen Überbleibsel jenes Transparents, das Ende Jänner eine Welle auslöste, mit der die Tertiarschwestern aus Hall nicht gerechnet haben.

Nach der Abschiebung von Schülerinnen nach Armenien und Georgien sprach Bundespräsident Alexander Van der Bellen die denkwürdigen Worte: „Ich kann und will nicht glauben, dass wir in einem Land leben, wo dies in dieser Form wirklich notwendig ist.“ Der Präsident sprach’s – und die Ordensfrauen pflichteten ihm mit ihrem Plakat bei.

Aktion verbreitete sich über soziale Medien
Seit der „spontanen Aktion“ - wie es Schwester Notburga beschreibt - hat sich einiges getan im Leben der Ordensfrau. Sie hat zahlreiche Interviews gegeben, viele Menschen kennengelernt, Bekanntschaft mit der quotenbringenden Wirkung von Facebook und Twitter gemacht, Youtube-Videos gedreht und eine Anfrage vom Haus der Geschichte bekommen. „Dort soll das Plakat ausgestellt werden“, erzählt sie.

Für eine Kultur der Mitmenschlichkeit
Der Rummel um ihre Person ist Schwester Notburga nicht ganz geheuer. Doch sie gibt bereitwillig Auskunft, weil sie und ihre Mitschwestern ein Anliegen haben. Sie treten für die Aufnahme von Flüchtlingen aus den desolaten Unterkünften in Griechenland ein, für ein humanitäres Bleiberecht, für eine Kultur des Miteinanders, der Mitmenschlichkeit. „Ich bin überzeugt, dass wir von Natur aus Mitgefühl für Menschen empfinden, die sich in solcher Notlage befinden und helfen wollen. Darum glaube ich, dass so viel Zustimmung kam“, konstatiert die Ordensfrau.

Doch es gab auch böse Reaktionen. „In einem Brief hat man uns als vertrottelte Gutmenschen bezeichnet“, erzählt die Schwester und meint dann: „Wenn Gutmensch ein Schimpfwort wird, stimmt etwas nicht.“ Was würde sie jenen sagen, die das Plakat von der Wand gerissen haben? „Den Verantwortlichen würde ich fragen: Was macht dir solche Angst, was hat dich so verletzt, dass du so agierst?“

In ganz Österreich hängen Plakate
Das Plakat in Hall ist verschwunden. Doch in ganz Österreich sind neue aufgetaucht. Mehr als 50 Ordensgemeinschaften und ordensnahe Organisationen haben sich der Aktion angeschlossen. Schilder wurden gemalt, Transparente an Fassaden befestigt, Fotos gepostet, Unterstützungserklärungen unterschrieben.

Gemeinsames Anliegen mit Schauspielerin Katharina Stemberger
Jüngst hatte Schwester Notburga einen Drehtermin mit Schauspielerin Katharina Stemberger und ihren Mitstreitern von der Flüchtlings-Initiative „Courage – Mut zur Menschlichkeit“. In sieben kurzen und eindrücklichen Youtube-Videos spricht die Nonne über die Beweggründe hinter ihrem Engagement. Sie formuliert ihre Sorge vor einem drohenden gesellschaftlichen Klimawandel und einer Herzenserkaltung: „Und wir müssen dann in dieser Gesellschaft leben. Und die nächste Generation auch.“

Am liebsten spricht Schwester Notburga aber von dem, was an Gutem passiert. Von den mehr als 500 spontan gemeldeten Plätzen für Flüchtlinge, die den Initiatoren von „Courage“ aus Tirol gemeldet wurden. Von den Wochenenden für Moria, die in Innsbruck seit der Adventzeit stattfinden. Von der Hilfsbereitschaft so vieler Menschen. „Das ist Österreich, wie ich es liebe“, sagt die Nonne, die die Massen bewegt.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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