20.02.2021 06:00 |

Ministerin Gewessler

Wiener wollen Grazer U-Bahn ausbremsen

Die Grünen-Ministerin Gewessler will lieber die bestehende Öffi-Infrastruktur ausbauen. Sollte der Bund dennoch mitzahlen, könnte die Grazer Mini-Metro bereits 2029 losstarten.

Freibier, Schokolade, Blumensträußchen und Plastiktaschen mit dem U-Bahn-Symbol: Zur Feier des ersten Betriebstages anno 1978 gab es für die ersten U-Bahn-Kibitze in der Bundeshauptstadt kleine Andenken an den großen Tag. Trotz wilder Kritik im Vorfeld waren dann doch 250.000 Wiener - also heute fast ganz Graz - gekommen, um den „ersten Silberpfeil zu genießen“, wie die „Krone“ vor 43 Jahren berichtete. Doch wann würde es in der Landeshauptstadt soweit sein? Und wäre die Euphorie ähnlich groß?

Realistischer Start: frühestens 2029
Noch in diesem Jahrzehnt, 2029, also rund ein halbes Jahrhundert nach Wien, könnte in Graz die erste M1 Gas geben. Und zwar ganz von selbst, ohne Fahrer. Freilich gibt es noch allerlei Hausaufgaben im Vorfeld zu erledigen; das Hauptthema ist natürlich die Finanzierung, aber auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist als eine der Stationen am Weg zur Mini-Metro zu passieren. Zwar seien Diskussionen bei der UVP quasi vorprogrammiert, jedoch „wird das Projekt daran nicht scheitern“, sagt Sebastian Kummer. Der Wissenschafter vom Institut für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) sieht diese Öffi-Revolution als einen „Riesensprung“ für Graz.

Dass dieser Riesensprung aber auch mit einem Bauchfleck enden könnte, dafür könnte die Politik sorgen. Dann nämlich, wenn die Jahre bis zum möglichen Projektstart in einem aufreibenden Parteien-Hickhack aufgezehrt werden.

Blockade-Tendenzen für Grazer Projekt aus Wien
Erste Querschüsse gibt es bereits, und zwar ausgerechnet von der grünen Verkehrsministerin aus Graz, Leonore Gewessler. Sie steigt noch vor dem Metro-Projektstart kräftig auf die Bremse - und zieht einen Ausbau der bestehenden Öffi-Infrastruktur vor. „Wir sind mit dem Land Steiermark in guten und weit fortgeschrittenen Gesprächen zu den Ausbauplänen der Grazer Straßenbahn.“ Im Übrigen sei sie nicht in die Pläne der Stadtregierung eingeweiht worden.

Apropos Stadtpolitik: Gewesslers grüne Kollegen in Graz haben schon länger vorgeschlagen, einen S-Bahn-Ring rund um das Stadtgebiet zu bauen. Das sieht der WU-Experte allerdings kritisch: „Eine unterirdische S-Bahn kostet viel mehr. Die Züge sind ja viel größer und benötigen eine Oberleitung, weshalb man auch viel höher bauen müsste als bei einer Metro. Die Stationen wären zudem viel länger“, gibt Sebastian Kummer zu bedenken.

S-Bahn-Ring wäre viel teurer als die Metro
Zornig reagiert die Grazer FPÖ auf die Bremsmanöver der Grünen: „Statt sich mit neuen Verkehrskonzepten zu befassen, will die Ministerin lieber an alten Konzepten festhalten, die keine zukunftsfähigen Lösungen bringen. Graz darf sich von Wien nicht abspeisen lassen“, poltert Klubobmann Armin Sippel.

Noch einmal zurück zu Wien: Der anfängliche Widerstand gegen eine U-Bahn löste sich ja in Wohlgefallen auf - warum wälzt Graz dann eigentlich erst jetzt konkrete Pläne? „Für Wien hat sich die U-Bahn bereits vor 30, 40 Jahren gerechnet. Für Graz erst jetzt: Sie ist viel besser maßgeschneidert und technisch besser entwickelt als noch vor 20 Jahren. Vor allem die Automatisierung der Garnituren zahlt sich aus“, sagt Sebastian Kummer. Die Metro wäre dadurch sehr sicher.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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