08.02.2021 07:35 |

Potent, aber laut!

HP Omen 15: Gaming-Laptop mit Ryzen 7 und RTX 2060

Mit seinem Omen 15 hat der PC-Riese HP ein Gaming-Notebook mit starken Komponenten im Sortiment: Ein moderner Prozessor vom Typ AMD Ryzen sorgt, gepaart mit bis zu 16 Gigabyte RAM und einer potenten mobilen Geforce-Grafiklösung, für reichlich Leistung. Der Einstiegspreis ist verschmerzbar. Ideal für mobile Gamer? Wir haben es getestet.

HP bietet seinen Omen 15 in verschiedensten Konfigurationen an: Beim Prozessor hat man die Wahl zwischen AMDs Ryzen-5- und Ryzen-7-Chips der vierten Generation, bei der Grafikkarte setzen die günstigeren Modelle auf Nvidias GTX 1650 bzw. 1660 TI, das getestete Modell bietet eine RTX 2060. Beim Bildschirm gibt es Full-HD-Auflösung mit bis zu 144 Hertz Bildwiederholrate. Die Preise beginnen je nach Ausstattung bei rund 1000 Euro - mit großer SSD und 144-Hertz-Bildschirm auch deutlich mehr.

Die von uns getestete Variante war mit einem Ryzen 7-4800H mit acht 2,9 bis 4,2 Gigahertz schnellen Kernen, 16 Gigabyte DDR4-3200-Arbeitsspeicher, einer mobilen Geforce RTX 2060 mit sechs Gigabyte GDDR6-Speicher und 512 Gigabyte via PCIe angebundenem SSD-Speicher ausgestattet.

Das Display ist nicht berühmt
Das Full-HD-Display mit 15,6 Zoll Diagonale bot eine Bildwiederholrate von 60 Hertz und eine Helligkeit von 250 Candela - zu wenig, um die Leistungsreserven des Grafikchips auszukosten und durch die geringe Helligkeit auch draußen nur eingeschränkt brauchbar. Wer die starke Hardware ausreizen will, wird also einen externen Monitor anschließen - oder zur Variante mit 144-Hertz-Bildschirm greifen.

Starke Leistung für alle Szenarien
In puncto Rechenleistung gab sich das Omen 15 in der getesteten Version keine Blöße: Der starke Achtkern-Chip liefert, gepaart mit dem schnellen RAM und der nicht minder schnellen Grafikkarte eine Rechenleistung, die nicht weit unter jener eines ähnlich ausgestatteten Gaming-PCs im ATX-Gehäuse liegt. Konkret liefert der getestete Omen 15 im gängigen Benchmark-Leistungstest PCMark 10 5633 Punkte - und damit rund 20 Prozent weniger als ein „großer“ Gaming-PC mit einer Desktop-Grafikkarte der guten Mittelklasse wie der Radeon RX 5700 XT. Ein exzellenter Wert für ein Notebook.

Wichtiger als die allgemeine Leistungsfähigkeit, die im PCMark geprüft wird, ist bei einem Gaming-Notebook aber naturgemäß die 3D-Leistung. Und auch hier hat das getestete Setup nicht enttäuscht. In der Spielepraxis konnten wir alle getesteten Spiele in Full-HD-Auflösung bei hohem Detailgrad und flüssigen Bildraten von 60 Bildern pro Sekunde spielen - selbst leistungshungrige Kost wie „Doom Eternal“ oder „Cyberpunk 2077“. Jagt man das Omen 15 durch den Gaming-Benchmark 3DMark, erzielt es im „Time Spy“-Test 5997 Punkte. Das ist rund ein Drittel weniger als bei einem mit Ryzen 7 und RX 5700 XT ausgestatteten Desktop-PC für Gamer, aber für Notebook-Verhältnisse immer noch sehr gut.

Effektives, aber sehr lautes Kühlsystem
Hitzeprobleme bekamen wir im Test auch bei längerer Spielebelastung nicht. Hier hat HP mit einem mächtigen Kühlsystem vorgebeugt, das praktischerweise an der Unterseite mit einem Gitter vor Staub geschützt wird.

Die Geräuschkulisse sollte man aber nicht unterschätzen: Im Testbetrieb drehte der Lüfter beim Start von Anwendungen mitunter voll auf, was zu einer ohne Kopfhörer nicht erträglichen Lärmkulisse führt. Auch unter Volllast, etwa beim Benchmark, entsteht eine sehr laute Geräuschkulisse. Im Spielebetrieb pendelte sich der Lüfter in der Regel im mittleren Drehzahlbereich ein, grundsätzlich gilt aber: Die hohe Leistung verlangt nach einer entsprechenden Kühlung. Im Desktop-Modus operiert der Lüfter leise, unter Last ist er aber unüberhörbar, unter Volllast wirklich laut.

Umfangreiche Anschlussausstattung
Gut hat uns am getesteten Omen 15 die Anschlussausstattung gefallen: Der 2,4 Kilo schwere und 2,2 Zentimeter dünne Mobil-PC verfügt über HDMI 2.0, Mini-Displayport 1.4, USB-C, gleich drei USB-3.0-Anschlüsse, einen Ethernet-Port, eine Audioklinke und sogar einen SD-Kartenleser. Hier könnte sich manch ultramobiles Notebook mit nur einem einzigen Anschluss noch etwas abschauen. Die übrige Ausstattung ist zeitgemäß, könnte aber dort und da noch etwas üppiger ausfallen. Die 512 Gigabyte große PCIe-SSD, die HP einbaut, könnte im Zeitalter von Spiele-Installationsgrößen jenseits der 50 Gigabyte schnell an ihre Grenzen stoßen. Es gibt moderne Funkstandards wie Bluetooth 5.0 und .ac-WLAN, der noch neuere und schnellere .ax-Standard fehlt aber noch.

Unaufdringliches Design, in Kunststoff gehüllt
Bei Design und Verarbeitung hinterließ der Omen 15 einen gemischten Eindruck. Die Optik hat uns gut gefallen - nicht zuletzt, weil das Gerät für einen Gaming-Laptop angenehm unaufdringlich daherkommt in seinem mattgrauen Kunststoffgehäuse ohne aufdringliche RGB-LED-Spielereien. Auch die relativ dünnen Ränder ums Display gefallen.

Die geringe Gehäusesteifigkeit, der bei Erschütterungen ein wenig nachfedernde Deckel und die Eingabegeräte sind allerdings weniger überzeugend. Die weiß beleuchtete Rubberdome-Tastatur hat ein ungewöhnliches Tastenlayout, bietet wenig Hub und einen eher schwammigen Anschlag, die „Gleiteigenschaften“ am Touchpad könnten ebenfalls besser sein. Gamer, die ohnedies Maus und Tastatur anstecken, wird das nicht stören. Bei der Arbeit ist es aber nicht hilfreich.

Erstaunlich lange Akkulaufzeit
Als mobiles Arbeitsgerät wird man den Omen 15 mit 2,4 Kilo Gewicht zwar ohnedies nicht ins Auge fassen, im Test bot das Gerät aber erstaunlich lange Akkulaufzeiten. Nicht im Spielebetrieb, da ist nach zwei Stunden intensiver Auslastung Schluss. Beim Internetsurfen oder Arbeiten mit reduzierter Bildschirmhelligkeit ist aber durchaus auch das Vierfache drin - sehr viel für einen Gaming-Laptop. Mit 2,4 Kilo ist das Gerät auch noch vergleichsweise portabel für einen Gaming-Rechner.

Software mit vielen Dreingaben
Bei der Software wird Windows 10 Home geboten - angereichert mit der einen oder anderen HP-Dreingabe wie einem eigenen Omen-Spiele-Launcher. Gebraucht hätten wir dem allerdings nicht, weil so gut wie all seine Funktionen auch von anderen Programmen geboten werden, die Gamer sowieso installiert haben - etwa Steam oder Geforce Experience, die Spiele-Streaming und einen hübsch gemachten Launcher mitbringen. Immerhin die wechselbaren Leistungsprofile in dem Tool sind praktisch.

Leider ist auch etwas Bloatware vorinstalliert - von sozialen Netzwerken über eine Testversion von Microsoft Office bis hin zu einer Testversion eines Virenscanners oder einem populären Streaming-Dienst. Man kann zwar alles problemlos deinstallieren, für unseren Geschmack enthält das Omen 15 aber ab Werk mehr ungefragt vorinstallierte Software als nötig wäre.

Fazit: Viel Leistung mit Schwächen
Wer sich nicht an der hohen Lautstärke, dem in der getesteten Version unterdimensionierten Display, dem Plastikgehäuse oder der klapprigen Tastatur stört und schlicht maximale Power pro Euro sucht, wird beim HP Omen 15 gut bedient. Für in der getesteten Version 1200 bis 1300 Euro wird viel Leistung geboten, die Akkulaufzeit ist überraschend gut und das Gerät für einen Gaming-Laptop optisch schön unaufdringlich. Fraglich ist, wie sich der bevorstehende Start der nächsten mobilen Geforce-Generation auf die Kräfteverhältnisse bei Gaming-Notebooks auswirken wird. Gut möglich, dass man in einigen Wochen noch mehr Leistung pro Euro bekäme.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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