05.01.2021 09:00 |

Erhöhte Vorsicht

Lawinengefahr in den nächsten Tagen heimtückisch

Tirols Lawinenwarner Patrick Nairz blickt mit Sorgenfalten auf die kommenden Tage, in denen wieder unzählige Menschen Erholung im Gelände suchen werden. Die vergangenen Tage waren geprägt von zahlreichen Lawinenabgängen, bei denen - mit Ausnahme des Unglücks im Pinnistal - niemand verletzt wurde. Ein Altschneeproblem sorgt landesweit für tückische Verhältnisse.

„Wir haben derzeit ein Süd-Nord-Gefälle in Sachen Lawinengefahr“, schildert Patrick Nairz, stellvertretender Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Daran wird sich auch in den kommenden Tagen nichts ändern, ebenso nicht an der jeweiligen unterschiedlichen Gefahrensituation.

Oberflächenreif ist Problem
„In Osttirol gab es zuletzt zahlreiche Hangrutsche auf Straßen und im Siedlungsbereich“, informiert der Experte. Oberflächenreif sorgte für eine perfekte Rutschbahn für diese Schneebretter. „Darauf gilt es weiter aufzupassen“, betont Nairz. Gefährdet sieht er unter anderem spielende Kinder, die zum Beispiel auf kleinen Böschungen rodeln oder Schneemänner bauen.

Für Osttirol gilt am Mittwoch jedenfalls Gefahrenstufe 3. „Aber ein hoher Dreier“, sagt Nairz. Wintersportlern rät er zu äußerster Zurückhaltung. Kein Wunder: Bekanntlich passieren bei „erheblicher Gefahr“ die meisten Unfälle.

In Nordtirol gibt es einen Hotspot im Bereich des Alpenhauptkamms – besonders rund um das Timmelsjoch. Dort gilt über der Waldgrenze ebenfalls Stufe 3, darunter entspannt sich die Lage allerdings rasch zu geringer Gefahr (Stufe 1). In den übrigen Regionen Nordtirols gibt es Stufe zwei (über) beziehungsweise Stufe 1 (unter) der Waldgrenze.

Alte Schwachstellen
Sich hier in Sicherheit zu wiegen, wäre allerdings eine komplett falsche Einstellung. Denn ein heimtückisches „Altschneeproblem“ aus dem Frühwinter sorgt für Gefahrenpotenzial in diversen Bereichen fast im ganzen Land. Schwache Schichten in der Schneedecke an schneearmen Stellen über 2200 Meter können zum Verhängnis werden. „Besonders nördliche Expositionen sind betroffen“, informiert Patrick Nairz. Dieses Gefahrenpotenzial sei heuer zwar schon einmal deutlich größer gewesen, es gelte aber nach wie vor, frischen Triebschnee im steilen Gelände zu meiden.

In den kommenden Tagen sind keine weiteren größeren Niederschläge zu erwarten, daher sollte sich die allgemeine Lawinensituation nicht entscheidend ändern.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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