25.11.2020 15:00 |

Maria Neuschmid

„Uns wurde ein wertvolles Gut in die Wiege gelegt“

Seit Jahrzehnten ist Maria Neuschmid eine der beliebtesten Kabarettistinnen des Landes. Wohl auch deshalb, weil man spürt, dass sie neben viel Witz auch sehr viel Herz hat.

In einem Wirtshaus aufzuwachsen, scheint die Kreativität zu beflügeln, haben doch Maria Neuschmid und ihr Bruder Stefan Vögel die heimische Comedy-Szene nachhaltig geprägt. „Wir kamen viel mit Menschen in Berührung, hatten viele Freiheiten und es lief immer was. Vor allem hat uns Gott ein kostbares Geschenk in die Wiege gelegt: Humor“, erinnert sich die gebürtige Hohenemserin an ihre Jugend. Ihren Sinn für gute Pointen hat sie behalten, landete sie doch nach ihrer Schauspielausbildung im Salzburger Mozarteum einen Hit nach dem anderen.

„Grüß Gott in Voradelberg“ definierte in den 90er-Jahren das Komiker-Kleeblatt des Landes (neben Maria und Stefan waren Jörg Adlassnig und Gabi Fleisch mit von der Partie). Und die „Familie Battlogg“ im Programm „Schaffa Schaffe Hüslebaua“ gehört mittlerweile zum allgemeinen Kulturgut Vorarlbergs.

Liebe zum Menschen

Danach spielte sie vor allem mit Jörg, ihrem „Herzensmenschen“, zahlreiche erfolgreiche Programme, überzeugte auch als Solokünstlerin und später mit Tochter Anna, die Marias Talent geerbt zu haben scheint. Dabei strapaziert sie nie den Zeigefinger: „Politisches Kabarett ist nicht meine Sache.“ Vielmehr war ihre Liebe zu Menschen immer herauszuhören. Maria nutzt auch ihre Popularität, um nach Auftritten Spenden zu rekrutieren. „Mir liegen Menschen, die keine Lobby haben, am Herzen. Deshalb setze ich mich für Flüchtlinge, Häftlinge und Kinder ein“, so die fünffache Mutter und dreifache Großmutter, die beträchtliche Summen für karitative Organisationen sammeln konnte. Eine Zeit lang sogar im eigenen Haus: Das „Kellertheater Gurtis“ war eine kleine, feine Bühne im Haus der Neuschmids. Gatte Jo, der sie als Organisator seit jeher unterstützt („So konnte ich mich aufs Schreiben und Spielen konzentrieren“) hatte diese Idee - und er hatte Recht. Viele wollten Maria „nur zu Hause“ sehen - und eine Plattform für neue Talente war das Kellertheater zudem.

Visionär & diplomatisch

Dieses ist mittlerweile ebenso Geschichte („Etwas zu beginnen erfordert Mut, etwas zu beenden noch mehr“) - wie der laufende Kulturbetrieb überhaupt. „Offenbar ist Kultur nicht systemrelevant. Andererseits sind die Entscheidungen in Corona-Zeiten sicher schwierig. Besserwisser gibt’s wie Sand am Meer“, übt sich Maria in Diplomatie. Auch ihr neues Programm „Himmelfahrt“, in dem die 61-Jährige als „2059 verstorbene Marina Erne“ wohl auch Visionäres zum Besten gibt, muss noch warten. Die Zeit bis dahin verbringt sie mit einem Spanischkurs und einer Ausbildung zur Mentaltrainerin. Denn wer rastet, der rostet...

Raimund Jäger

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