21.11.2020 06:00 |

„Ich sollte sterben“

Von „Ex“ der Freundin bedroht und terrorisiert

Seit Jahren lebt ein 46-Jähriger in Angst. Immer wieder wird er vom Ex-Freund seiner Partnerin mit Mord bedroht. Dennoch: Der Täter ist bis heute in Freiheit.

Fredrik V. (Name geändert) wirkt wie ein Mensch, der daran gewöhnt ist, sich Problemen zu stellen, um sie vernünftig zu lösen. Und selbst jetzt, in seiner fürchterlichen Situation, strahlt er Ruhe aus. „Vielleicht“, sagt der 46-jährige Computer-Techniker, „weil ich mich mit den Umständen, unter denen ich bereits so lange leiden muss, mittlerweile irgendwie abgefunden habe. Auch wenn das schwerfällt.“

Denn sie bleibt präsent, immer, „die Angst vor diesem Irren“. Vor diesem Mann, der ihn seit einer kleinen Ewigkeit verfolgt, bedroht – und sogar ermorden lassen wollte.

„Und dann wurde ich schwer verletzt“
„Alles“, erzählt der gebürtige Belgier, „begann damit, dass ich mich 2014 bei einem Urlaub in meinem Heimatland verliebte.“ In eine Österreicherin, die dort damals gerade kurzzeitig jobbte: „Und ja, wir zwei gingen rasch eine Beziehung ein und zogen in der Folge zusammen.“ Bald danach fing der unfassbare Terror an. Der Ex-Freund seiner Partnerin, 37 Jahre alt, ein Labormitarbeiter - „er lebt in Belgien“ - schaffte es nicht, die Trennung von der Frau zu verkraften, und noch weniger, dass sie sich fix „an einen anderen“ gebunden hatte.

Geköpfte Playmobil-Männchen verschickt
Zunächst bettelte er die Wienerin in Mails an, zu ihm zurückzukehren, später forschte er per Internet Fredrik V. aus. Er erfuhr dabei, dass der verhasste Nebenbuhler zweifacher Vater ist, er erfuhr, dass er gerne Motorrad fährt, er erfuhr seine Adresse - und die seiner Kinder. An sie und den 46-Jährigen schickte er dann unzählige Päckchen mit erschreckendem Inhalt. Geköpfte Playmobil-Männchen waren darin. Und mit Blut verschmierte Zettel, auf denen Todesdrohungen - wie etwa „the rider will die“ - standen.

Zitat Icon

Er prügelte mit einer Eisenstange auf meinen Kopf ein.

Das Opfer über den Angriff

Dem nicht genug: Im April 2017 wurde Fredrik V. vor seiner Wohnung in Wien von einem Unbekannten - „er trug eine Strumpfmaske“ - aufgelauert: „Er prügelte mit einer Eisenstange auf meinen Kopf ein.“ Der Belgier trug bei dem Überfall massive Schädelverletzungen davon, bis heute ist sein rechter Arm beinahe unbeweglich.

Trotz vieler Beweise blieb der Täter frei
Obwohl das Blut auf den Briefen - wie DNA-Untersuchungen ergeben haben - von dem Labormitarbeiter stammt, obwohl Verhaltensanalytiker des LKA ihn als brandgefährlich einstufen, obwohl deutsche Darknet-Fahnder Chats entdeckten, in denen er gegen Bezahlung in Bitcoins einen Auftragskiller engagiert hat, der den „Kontrahenten“ überfallen sollte - blieb der 37-Jährige auf freiem Fuß.

„Solange er nicht verhaftet ist, werde ich mich niemals sicher fühlen können“, klagt Fredrik V. Und er wirkt plötzlich nervös.

Kronen Zeitung

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