20.11.2020 05:59 |

„A Big Adventure“

„Sackboy“: Quietschbuntes PS5-Jump‘n‘Run im Test

Normalerweise baut man sich in Sonys Jump’n’Run-Baukasten „Little Big Planet“ mit Held Sackboy die Levels selber. Ihren ersten Auftritt auf der PS5 hat die umtriebige Stoffpuppe in „Sackboy: A Big Adventure“ aber in einem klassischen Jump’n’Run-Abenteuer - ohne Editor, mit vorgefertigten Welten und abgedrehter Handlung. Wir haben den bunten PS5-Titel getestet.

Es ist eine zuckersüße und kunterbunte Spielwelt, in der Sonys Sackboy lebt und das Dasein mit seinen Freunden genießt - bis Bösewicht Vex auf den Plan tritt und die Kumpane des Helden entführt. Was bleibt da anderes übrig, als sich ins große Abenteuer zu stürzen und sich Welt für Welt durch Vex‘ Lakaien zum Oberfiesling vorzuarbeiten, um ihm die Flausen auszutreiben?

Story handwerklich schön umgesetzt
Sie sehen schon: Das Rad erfindet die Story von „Sackboy: A Big Adventure“ nicht neu. Andererseits lehrt ein bekannter bärtiger Installateur eines anderen japanischen Spieleriesen, dass eine Jump’n’Run-Story nicht viel mehr braucht und so ein Entführungs-Szenario jahrzehntelang gut funktionieren kann. Außerdem ist die Sackboy-Handlung spannend inszeniert, mit schrägen Charakteren und gut gemachten Zwischensequenzen gespickt und komplett vertont, handwerklich also gut umgesetzt.

Nichts Anderes trifft auch auf das vom britischen Entwickler Sumo Sheffield programmierte Spiel selbst zu. Die arg bunte Optik, die sehr abgedrehten und fantasievoll gestalteten Charaktere und der mitunter etwas aufdringliche Soundtrack könnten bei manch Erwachsenem zwar eine gewisse Reizüberflutung auslösen. Wenn man jünger ist oder einfach eine Affinität zu Spielen wie „Yoshi’s Crafted World“ hat, in denen die Spielwelt aus allerlei alltäglichen Dingen zusammengebastelt ist, wird man aber gut bedient.

Abwechslungsreiches Gameplay geboten
Das Gameplay erwies sich im Test als sehr abwechslungsreich und gelungen. „Sackboy: A Big Adventure“ schickt den Spieler durch fünf thematisch unterschiedliche Spielwelten vom Gebirge über ein Robo-Szenario bis hin zum Ozean, die jeweils in rund ein Dutzend einzelne Abschnitte aufgeteilt sind. Erreicht man in einem Abschnitt das Ziel, darf man zum nächsten weiter, außerdem gilt es, in den Spielen verteilte Schätze - hier sind es glitzernde Kugerl - zu sammeln und sich die Freischaltung neuer Pfade zu verdienen.

Gespielt wird in isometrischer Perspektive, man blickt also aus einer erhöhten Position von hinten auf den Sackboy, der sich hier mal dreidimensional „in die Welt hinein“ bewegt, mal im Plattformer-Stil von links nach rechts oder umgekehrt hüpft. In den Levels findet man Items, die den Sackboy beispielsweise in einer transparenten Kugel durch die Levels rollen oder an den Wänden laufen lassen, es gibt eine Vielzahl eigentümlicher Gegner zu verprügeln, Rätsel zu lösen, Verstecke zu finden und hie und da auch besondere Aufträge zu erfüllen - etwa Nutztiere in ihre Gatter zu treiben. Eine Vielzahl freischaltbarer Outfits und Gegenstände sorgen für Langzeitmotivation und Individualismus.

Geschicklichkeit wird auch verlangt: Es gibt Einlagen, in denen der Lagesensor des PS5-Controllers genutzt wird, um den Sackboy auf fliegenden Plattformen durch den Level zu balancieren. Es gibt Schalterrätsel, Passagen, die man unter Zeitdruck bewältigen muss, was ein wenig an „Rayman Legends“ erinnert und sogar Musik-Levels. Hier steht man ebenfalls unter Zeitdruck und muss zu lizenzierten Liedern, unter anderem von Britney Spears oder A-ha, rhythmisch durch die Levels hüpfen und Hindernissen ausweichen.

Kurzum: Fad wird „Sackboy: A Big Adventure“ nicht. Hie und da hätten wir uns allerdings noch etwas mehr Konsequenz von den Entwicklern gewünscht: Dass man in der Unterwasserwelt zwischen Fischen durch die Gegend hüpft, als säße man am Trockenen, statt den Sackboy herumschwimmen zu lassen, erschien uns zum Beispiel irgendwie verkehrt.

Koop-Modus für vier Spieler, cooles Force-Feedback
Das mit bis zu vier Spielern im Koop erlebbare Jump’n’Run profitiert von einer präzisen Steuerung: Hüpfen, Ausweichrollen, Prügelattacken oder auch Dinge aufzuklauben klappt exzellent, zu einem immersiven Spielgefühl trägt auch die geschickte Nutzung der Hightech-Rüttelmotoren im PS5-Controller bei, die in diesem Spiel sehr fein abgestuftes Force-Feedback liefern.

Die Grafik ist gut gelungen. Auf den ersten Blick wird hier zwar nichts geboten, was man nicht auch schon auf der PS4 realisieren hätte können, bei näherer Betrachtung entdeckt man aber sehr viele liebevoll umgesetzte Details, besonders die Texturen bestechen bei genauer Betrachtung mit hoher Schärfe. Hinzu kommen die feine 4K-Auflösung und die flüssige Bildrate von 60 fps, die zum stimmigen Gesamterlebnis beitragen.

Auch Jump’n’Run-Veteranen werden gefordert
Wer aufgrund der niedlichen Aufmachung meint, „Sackboy: A Big Adventure“ sei nicht fordernd, wird in den späteren Levels eines Besseren belehrt. Anfangs noch leicht zugänglich, wird es nach den ersten Spielstunden fordernd: Manche Levels verlangen über deren gesamte Dauer schnelle Reflexe und können auch mal Frustmomente hervorrufen. Grundsätzlich bleibt es aber immer fair - und wer es möglichst einfach will, kann einen Modus mit unendlichen Leben aktivieren. Dank vieler Checkpoints kostet ein virtueller Tod zudem nur wenig Spielfortschritt.

Niedliche Soundeffekte und gute deutsche Sprecher sorgen für eine gefällige akustische Kulisse. Der Soundtrack wird aber wohl nicht jedermanns Geschmack treffen, was vor allem daran liegt, dass er mitunter Gesang enthält und damit nicht immer nur dezent im Hintergrund aufspielt, sondern bisweilen ein wenig zu sehr in den Vordergrund tritt. Das sei aber ausdrücklich als subjektiver Eindruck des Testers festgehalten - es wird sicherlich viele Menschen geben, denen das fröhliche Gedudel gut gefällt.

Fazit: Sony legt mit „Sackboy: A Big Adventure“ zum PS5-Start ein zuckersüßes Jump’n’Run vor, das mit einer schön inszenierten Handlung und viel Abwechslung junge wie alte Gamer gleichermaßen unterhält und fordert. Die präzise Steuerung und die coolen Rumble-Tricks, die man aus dem PS5-Controller kitzelt, gefallen ebenso wie die scharfe und flüssige 4K-Optik. Mit dem Soundtrack trifft man zwar nicht jedermanns Geschmack und ein Online-Koop-Modus zusätzlich zum lokalen Multiplayer hätte auch nicht geschadet, insgesamt ist „Sackboy: A Big Adventure“ aber ein gelungenes Jump’n’Run-Erlebnis für die ganze Familie.

Plattform: PS5 (getestet), PS4
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 8/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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