05.11.2020 12:38 |

Nach 7 Jahren Stille

Silk-Road-Bitcoins um eine Milliarde Dollar bewegt

Sieben Jahre ist es her, dass die US-Bundespolizei FBI den Darknet-Drogenmarkt Silk Road zerschlagen hat. Der Gründer des digitalen Schwarzmarktes wurde in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Gelder, welche die Plattform über die Jahre verdient hat, wurden von den Behörden beschlagnahmt - allerdings nicht alles. Ein Bitcoin-Konto, das Silk Road zugeschrieben wird, entzieht sich seit sieben Jahren dem Zugriff der Ermittler - und gab nun völlig unerwartet ein Lebenszeichen von sich.

Das berichtet der britische „Guardian“ unter Berufung auf Beobachter der Bitcoin-Szene. Das sogenannte Wallet wurde seit der Schließung von Silk Road und er Verurteilung des Betreibers Ross Ulbricht zu lebenslanger Haft nicht mehr angerührt, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde dann aber plötzlich der gesamte darauf liegende Betrag in ein anderes Konto verschoben. Es handelt sich um insgesamt 70.000 Bitcoins, die nach aktuellem Kurs einen Wert von rund einer Milliarde US-Dollar haben.

Ermittler und Beobachter der Bitcoin-Szene rätseln nun, wieso das vermutlich aus Drogengeschäften stammende Geld nach sieben Jahren plötzlich bewegt wurde - und wer hinter der riesigen Transaktion steckt. Die Angelegenheit ist umso mysteriöser, weil die Bitcoin-Börse sogar schon vor der Schließung von Silk Road kaum Aktivität zeigte, was nahelegt, dass es sich um eine Art Rücklage der Betreiber gehandelt haben könnte.

Vermutet wird, dass die Summe für den Fall zur Seite gelegt wurde, dass Silk Road von den Behörden gesprengt wird, was ja auch tatsächlich passiert ist. Damals konnte das FBI rund 174.000 Bitcoins, die Silk Road zugerechnet wurden, unter seine Kontrolle bringen. Auf das nun aktiv gewordene Konto erlangten die Ermittler jedoch nie Zugriff. Es wird zudem vermutet, dass noch auf weiteren geheimen Konten Silk-Road-Geld liegt.

Rätselraten: Wer hat so viel Geld bewegt?
Die massive Geldbewegung ist auch deshalb erstaunlich, weil der Silk-Road-Betreiber seit Jahren im Gefängnis sitzt - und man bisher davon ausging, dass nur er das Passwort kennt. Das legt nahe, dass Ulbricht entweder das Passwort zu dem Konto an einen seiner Kontakte weitergegeben hat oder es möglicherweise Mittäter gab, die Zugriff auf das Konto hatten und nun, da es vermeintlich ruhig um Silk Road geworden ist, das Geld in Sicherheit bringen wollten. Denkbar wäre auch, dass Hacker das Passwort geknackt und sich so die Drogen-Bitcoins beschafft haben.

Transaktionen werden in Blockchain erfasst
Dass die Transaktion publik wurde, ist dem grundsätzlichen Funktionsprinzip des Bitcoin zu verdanken: Die Digitalwährung speichert jede Transaktion in einer dezentralen und kaum manipulierbaren Buchhaltung, der sogenannten Blockchain. Ist die Adresse eines Bitcoin-Wallets bekannt, können über diese Blockchain die Geldbewegungen von jedermann nachverfolgt werden - von Ermittlern ebenso wie privaten Analysediensten.

Dass die bewegte Summe derart groß ist, liegt an der Kursentwicklung des Bitcoin in den letzten sieben Jahren. War die Bitcoin-Geldbörse damals noch etwa 350.000 US-Dollar wert, legte der Kurs der Digitalwährung in den vergangenen Jahren ganz erheblich zu, wodurch der Wert der insgesamt 70.000 Bitcoins enorm stieg. Heute hat ein einziger Bitcoin einen Wert von rund 14.400 US-Dollar, Ende 2017 sprang der Kurs sogar schon einmal über 20.000 US-Dollar.

Silk Road war einer der größten Cyber-Krimis der letzten Jahre
Die Zerschlagung der Silk Road ist einer der spektakulärsten Fälle von Cyberkriminalität der letzten Jahre. Die US-Regierung hatte keine Mühen gescheut, um Silk Road auszuheben. So unterhielt ein verdeckter Ermittler bis zu 18 Nutzerkonten auf der Plattform und verbrachte über zwei Jahre „Tausende Stunden“ dort, wie er vor Gericht aussagte. Der Agent arbeitete sich bis zum Administrator hoch und gewann das Vertrauen von „Dread Pirate Roberts“, was dem offenbar unter diesem Synonym auftretenden Ulbricht letztlich zum Verhängnis wurde.

Nachdem die Ermittler das Original von Silk Road geschlossen hatten, gingen im digitalen Untergrund des Darknet immer wieder Kopien davon online. Nur einen Monat nach Ulbrichts Festnahme war bereits eine neue Version des kriminellen Online-Marktplatzes unter dem Namen Silk Road 2.0 am Start. Im November 2014 wurden auch sie vom FBI dichtgemacht und der Programmierer Blake Benthall festgenommen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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