22.09.2004 11:13 |

Entdeckung

Forscher entdecken Riesen-Tausendfüßler

Sie sind älter als Dinosaurier und zusammengerollt so groß wie eine Orange: Riesenkugler. Während einer Expedition im Regenwald von Madagaskar wurden jetzt fünf bisher völlig unbekannte Arten gefunden.
Eigentlich sind Riesenkugler seit über100 Jahren nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungengewesen. Der Fund des Bochumer Zoologen Thomas Wesener dürftejetzt allerdings frischen Wind in die Forschung rund um den Riesen-Tausendfüßlerbringen: Der Wissenschaftler entdeckte fünf bisher unbekannteRiesenkugler-Arten im Küstenregenwald Madagaskars.
 
Die Tiere haben in all den Millionen Jahren derEvolution ihre ursprüngliche Form behalten. Sie könnensich, um sich vor Feinden zu schützen, zu einer perfektenKugel einrollen, die sämtliche Beine, die Bauchseite undden Kopf vollständig in sich birgt. Als besonderes Kennzeichenbesitzen die madagassischen Arten in beiden Geschlechtern Zirporgane,mit denen sie Töne erzeugen, die bei der Paarung eine Rollespielen. Außerdem zeichnen sie sich durch eine besondereFarbenpracht und Riesenwuchs aus: Während einheimische Kuglerartenmaximal die Größe einer Erbse erreichen, sind die größtenArten auf Madagaskar eingekugelt etwa so groß wie eine Orange.
 
Die Riesen-Tausenfüßler erfüllenjedoch auch einen ökologischen Zweck: Sie ernähren sichvon altem und zerfallendem Laub und Holz. Dadurch sorgen sie fürdie Aufrechterhaltung der ökologischen Funktionen, da soMikroorganismen die Pflanzenreste leichter abbauen können.Zudem durchmischen die Riesenkugler durch Ihre Grabtätigkeitenden Boden und lockern ihn auf. Besonders die Böden in Plantagensind in Gebieten mit Riesenkuglern deutlich nährstoffreicherals dort, wo diese Tiergruppe nicht mehr auftritt.
 
Allerdings kämpft der Riesenkugler auch inMadagaskar ums Überleben: Ein Großteil der Wälder,die einst fast die gesamte Insel bedeckten, wurde bereits abgeholzt,wodurch lebensfeindliche Steppen entstehen. Die gerade erst entdecktenArten würden aussterben, was weitere Effekte auf das gesamteÖkosystem hätte.
Donnerstag, 24. Juni 2021
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