28.10.2020 06:00 |

Microsoft-Gründer

Nerd, Visionär, Menschenfeind: Bill Gates wird 65

Er gilt als Nerd, Visionär und Menschenfreund. Zumindest für die einen. Verschwörungsideologen sehen in ihm dagegen das Böse schlechthin, das die Bevölkerung durch Impfungen drastisch reduzieren oder zumindest mittels Implantation von Mikrochips versklaven möchte - abhängig davon, welchen Corona-Ideologen man gerade fragt. Am Mittwoch wird Microsoft-Gründer Bill Gates 65 Jahre alt.

Gates wurde am 28. Oktober 1955 als Sohn einer Lehrerin und eines wohlhabenden Rechtsanwaltes geboren. In der Grundschule beeindruckte er seine Lehrer vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften. In der achten Klasse verschaffte er sich Zugang zu einem Fernschreiber des Typs ASR-33, mit dem die Schüler bei General Electric Computerzeit nutzen konnten. Dort schrieb er die ersten BASIC-Programme. Aus der jugendlichen Schwärmerei für Technik heraus entwickelte Bill Gates eine Leidenschaft und Hartnäckigkeit, die seinen Lebensweg prägen sollten. Außer ihm hat vermutlich nur Apple-Mitbegründer Steve Jobs so früh daran geglaubt und so entschlossen daran gearbeitet, dass Computer einmal von jedermann genutzt werden können. Das konnten sich Anfang der 70er-Jahre nur wenige Menschen vorstellen.

„Ein Computer auf jedem Schreibtisch“
1975 brach Gates sein Harvard-Studium ab, um mit seinem Freund Paul Allen das Unternehmen Microsoft aufzubauen. In diesen Anfangstagen der IT-Industrie entwickelte er das Konzept „A computer on every desk and in every home“ (Ein Computer auf jedem Schreibtisch und jedem Haushalt). Bei der Umsetzung seiner Vision hatte er auch Glück: Eher per Zufall erhielt er 1980 den Auftrag, ein Betriebssystem für den ersten Personal Computer von IBM zu liefern. Diese Software besaß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, sondern musste sie schnell bei einem Bekannten zukaufen. Gates bewies mit dem Deal nicht nur technische Weitsicht, sondern dass er auch clever verhandeln konnte. Er rang seinen Vertragspartnern bei IBM das Recht ab, dass Microsoft das System auch an andere PC-Hersteller verkaufen durfte.

Mit Software zum reichsten Mensch der Welt
Mit dem Betriebssystem DOS legte Gates nicht nur den Grundstein für den überragenden Erfolg von Microsoft und seines persönlichen Vermögens, sondern begründete die Software-Industrie. Mit dem Büroprogrammpaket Office und dem Betriebssystem Windows trieb Microsoft das Personal Computing weiter voran. Das Unternehmen stieg zu einem übergroßen Software-Imperium auf, Gates wurde dank seiner Microsoft-Aktien später der reichste Mensch der Welt.

Spitze Ellbogen
In seiner aktiven Zeit an der Spitze von Microsoft schreckte Gates nicht davor zurück, die Marktmacht seines Unternehmens mit spitzen Ellbogen auszudehnen. So zettelte er 1995 den „Browser-Krieg“ gegen Netscape an, nachdem Microsoft Anfang der 90er-Jahre die Bedeutung des Internets zunächst verschlafen hatte. Mit dem eng zusammengeschnürten Paket aus Windows und Internet Explorer wurde Netscape vom Markt gedrängt. Die damalige US-Justizministerin Janet Reno klagte: „Microsoft nutzt sein Monopol auf ungesetzliche Weise, um seine Alleinherrschaft zu verteidigen und zu erweitern.“

In dieser Zeit tauchte bei Microsoft-Kritikern auch erstmals der Slogan „Gib Gates keine Chance“ auf - angelehnt an eine Kampagne der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus den 80er-Jahren („Gib Aids keine Chance“). Die Parole dient inzwischen Impfgegnern und Verschwörungserzählern, den Großspender zu verunglimpfen.

Schrittweiser Rückzug
Gates beschloss nach der Jahrtausendwende, sich schrittweise bei Microsoft zurückzuziehen. Im Jänner 2000 trat er als Konzernchef (CEO) zurück, um sich auf die Rolle des „Chief Software Architect“ zu fokussieren. Doch häufig ging es in den Meetings nicht um Software-Projekte, sondern um Kartellrecht: Microsoft entging damals nur knapp einer drohenden Zerschlagung. Im Juli 2008 verabschiedete sich Gates endgültig aus dem Tagesgeschäft von Microsoft, um sich seiner nach einer Ostafrika-Reise Ende 1993 gegründeten Stiftung für wohltätige Zwecke zu widmen. 2014 gab er dann auch die Position als Chairman (Aufsichtsratsvorsitzender) auf. In dieser Rolle war er jahrelang seinem Nachfolger Steve Ballmer zur Seite gestanden.

Mit dem Rückzug auf Raten bei Microsoft arbeitete sich Gates immer tiefer in die Fachthemen der zusammen mit seiner Frau Melinda gegründeten Stiftung ein und wurde schnell zu einem respektierten Experten für Impfkampagnen. Und er gab im großen Stil Geld für wohltätige Zwecke aus. Erklärtes Ziel der Stiftung ist es, 20 Jahre nach dem Tod von Bill und Melinda Gates alle Finanzmittel aufgebraucht zu haben. 2018 verfügte die Stiftung über ein Vermögen von fast 47 Milliarden Dollar.

Die Gates-Stiftung beschäftigt sich mit drei Schwerpunkten. Im Bereich Gesundheit fördert sie die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen und deren Verbreitung. Um den Hunger in der Welt zu bekämpfen, kümmert sich die Stiftung auch den Bereich Landwirtschaft. Sie will produktive Pflanzen erforschen lassen und Landwirte unterstützen, vor allem in Afrika. Außerdem engagiert sich die Stiftung in Bildungsprogrammen für Jugendliche in den USA.

Geadelt
Das Engagement fand auch bald Anerkennung: Im Jahr 2005 schlug ihn die britische Königin Elizabeth II. zum Ritter, das „Time Magazine“ ernannte ihn zusammen mit seiner Frau Melinda und dem irischen Sänger Bono von U2 zur „Person des Jahres“. 2008 verlor er nach 13 Jahren an der Spitze der Forbes-Liste als reichster Mensch der Welt die Führungsposition. Obwohl Gates mittlerweile etliche Milliarden Dollar in seine Stiftung gesteckt hat, steht er derzeit immer noch auf Platz 3 der Forbes-Liste - auch weil die Microsoft-Aktie über die Jahre hinweg rasant an Wert gewonnen hat.

Bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens agiert Gates als knallharter Unternehmer, was ihm auch immer wieder Kritik einträgt. So investierte die Stiftung auch in umstrittene Konzerne wie Exxon und BP. Gerüchte, die Stiftung verdiene am Vertrieb von Impfstoffen, stimmen aber nicht. Falsch ist auch die Behauptung, Bill Gates habe gesagt, Impfen sei „die beste Art der Bevölkerungsreduktion“.

Corona-Watschenmann
Die Verleumdungen hindern Gates nicht daran, sich für die schnelle Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffes gegen Covid-19 einzusetzen. Er lässt sich auch nicht groß davon beeindrucken, dass radikale Impfgegner das Gerücht streuen, die Coronapandemie sei nur der Deckmantel für einen Plan zur Implantation rückverfolgbarer Mikrochips und er wolle persönlich davon profitieren.

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schrieb Gates unlängst: „Gibt es eine Impfung gegen das Virus, können die Regierungen die Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung aufheben. Wir werden keine Masken mehr zu tragen brauchen. Die Weltwirtschaft wird wieder volle Fahrt aufnehmen.“ Zwingend finde diese Entwicklung aber nicht statt. „Um dorthin zu gelangen, braucht die Welt zuerst drei Dinge: die Kapazitäten, Milliarden Impfstoffdosen zu produzieren, die finanziellen Mittel, um sie zu bezahlen, und Systeme, die diese verbreiten können.“ Einen Teil der Rechnung wird Gates aus eigener Tasche bezahlen.

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