01.11.2020 15:45 |

KI-Gesichtsbeurteilung

Algorithmen verraten: „Wie normal bin ich?“

Algorithmen, die uns nach Schönheit, Alter, Geschlecht, Emotionen, Körpergewicht und sogar Lebenserwartung bewerten, halten zunehmend Einzug in unser Leben. So nutzt die Dating-App Tinder diese Schönheitswerte etwa, um potenzielle Partner zu finden, die gleich attraktiv sind, während die Schätzung des Body-Mass-Index anhand eines Fotos von Krankenversicherungen verwendet wird. Das kann, muss aber nicht zu unserem eigenen Vorteil geschehen, wie das von der EU geförderte Projekt „How normal am I?“ aufzeigt.

Denn wie dessen Macher, der niederländische Künstler und Privatsphäre-Architekt Tijmen Schep, demonstriert, arbeiten Algorithmen zur Gesichtserkennung bzw. -beurteilung noch sehr unzuverlässig und lassen sich dementsprechend leicht überlisten. So kann zum Beispiel die Altersvorhersage manipuliert werden, indem man sein Gesicht auf und ab bewegt, der Attraktivitätswert kann steigen, wenn man das Licht anschaltet, und wenn man einen niedrigeren Body-Mass-Index erhalten möchte, genügt es, die Augenbrauen hochzuziehen.

Verzerrte Wahrnehmung
Abgesehen davon, dass sie leicht zu manipulieren sind, werden auch die Vorurteile der Algorithmen aufgedeckt. Der Algorithmus zur Bewertung der Schönheit etwa wurde anhand von Fotos trainiert, die von Studenten in China bewertet wurden, wo gänzlich andere Schönheitsideale gelten als hierzulande. Andere Algorithmen basieren auf Fotos von Hollywood-Schauspielern, die sich beispielsweise über die Film-Website imdb.com abgreifen lassen, und liefern dementsprechend verzerrte Ergebnisse.

Wie normal bin ich?
Wer wissen möchte, wie normal er/sie ist und wie es um die eigene Schönheit, Gewicht, Alter und Lebenserwartung bestellt ist, kann dies über die Website hownormalami.eu selbst herausfinden und diese Paramter allein anhand einer Aufnahme des eigenen Gesichts durch Algorithmen beurteilen lassen. Um die Privatsphäre zu schützen, wurden die KI-Modelle so modifiziert, dass sie im Browser laufen können. Die gesamte Analyse erfolge lokal auf dem eigenen PC (Webcam vorausgesetzt) bzw. Notebook oder Smartphone, es würden keine persönlichen Daten an die Cloud geschickt, betont Schep.

Der Niederländer befürchtet, dass diese KI-Systeme in Zukunft immer häufiger dazu verwendet werden könnten, um uns in Relation zu anderen zu setzen und uns so auf lange Sicht dazu anregen könnten, so durchschnittlich wie möglich zu sein. Für die kulturelle Vielfalt und Individualismus würde dies das Aus bedeuten.

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