30.09.2020 12:00 |

Fälle auch in Tirol

Studie: Mobbing in unseren Klassen macht Schule!

Eine neue, österreichweite Studie bringt erschreckende Details ans Licht. Insgesamt 1000 Jugendliche - auch Tiroler - zwischen 14 und 18 Jahren wurden befragt. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass das Klassenzimmer als Ort der Bedrohung an zweiter Stelle im Ranking steht!

Aufhorchen lässt die neue, österreichweite Jugendstudie zum Thema Gewalt- und Mobbingerfahrungen von Jugendlichen in diversen Sozialräumen sowie zum Umgang junger Menschen mit Gewalt und Mobbing. Das Institut für Jugendkulturforschung in Wien erhielt von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich den Auftrag der Durchführung, die Ergebnisse wurden gestern Vormittag in Linz präsentiert – und zwar mit Tiroler Beteiligung in Form von Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser.

1000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren
Befragt wurden zwischen Februar und Mai 2020 insgesamt 1000 in Österreich lebende Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Zusätzlich wurden Gruppendiskussionen unter anderem in Innsbruck abgehalten und Interviews durchgeführt.

Die „Tiroler Krone“ hat sich auf ein Themengebiet spezialisiert: Mobbing und Gewalt in der Schule – ein Phänomen, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Studie zieht. Wie berichtet, erheben Eltern massive Vorwürfe gegen die Direktorin einer Volksschule im Tiroler Oberland. Die Rede ist von psychischer Gewalt, die Schülern seit Jahren ordentlich zusetzt. Handelt es sich hierbei um einen Einzelfall oder behält Harasser recht, die im damaligen „Krone“-Gespräch von „vielen Fällen in Tirol“ sprach? Aufschluss darüber gibt wiederum diese Studie.

Auch Lehrkräfte üben Mobbing und Gewalt aus
„Wo kommt es am ehesten zu Bedrohung oder Gewalt?“ Neun verschiedene Auswahlkriterien standen den Befragten zur Verfügung. An erster Stelle wählten sie „beim Ausgehen in Lokalen oder bei Events“, dicht gefolgt von „auf öffentlichen Plätzen“ und „in der Schule“ – beide auf dem zweiten Platz und somit noch vor „im Internet“, „in öffentlichen Verkehrsmitteln“ sowie „in der Familie“!

„Kommt bzw. kam es an deiner Schule zu Mobbing und Gewalt von Lehrern gegenüber Kindern und Jugendlichen?“ 39 Prozent der Jugendlichen mit niedriger/mittlerer Bildung und 30 Prozent mit höherer Bildung antworteten mit „häufig“ bzw. „ab und zu“.

Prinzipiell zeigt sich, dass die Form von Gewalt, mit denen die jungen Menschen in ihrem Schulalltag am stärksten konfrontiert sind, Mobbing ist. Die Erfahrungen reichen von Bedrohungen und Beleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Die Täter sind vor allem Gleichaltrige, aber auch Lehrer sind bereits als Mobber in Erscheinung getreten.

Außenseiter erleben Ausgrenzungserfahrung
Als typische Opfer von Mobbing werden Außenseiter bzw. Personen, die als still oder „ein bisschen komisch“ gelten, beschrieben. Auch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund machen Ausgrenzungserfahrungen. Gemobbt werden zudem auch Personen, die übergewichtig sind oder deren Aussehen nicht „der Norm“ entspricht.

„Laut Lehrer sind wir hübsch, das ist grausig“
Apropos Aussehen – eine Befragte schilderte: „Es ist unser Physik-Lehrer. Ich bin nicht gut in Physik und er meinte: Du kannst froh sein, dass du so hübsch aussiehst, weil dann bist du nicht auf Physik angewiesen.“ Eine weitere jugendliche Interviewte fügte hinzu: „Wir haben auch einen Lehrer, der uns oft sagt, dass wir hübsch sind. Das ist grausig.“

Herauskristallisiert hat sich ebenso, dass nicht immer klare Konsequenzen für die Täter gegeben sind, wenn Betroffene aufzeigen. Fakt ist: Mobbing und auch Gewalt machen Schule - das zeigt, dass Tirols Kinder- und Jugendanwältin Harasser sehr wohl recht behielt.

„Ich möchte nur aufzeigen“
Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser betont: „Unter Mobbing verstehen die befragten Jugendlichen ein Verhalten, das darauf abzielt, jemanden über längere Zeit physische und psychische Schmerzen zuzufügen. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass Mobbing jene Gewalterfahrung sei, die Jugendliche am häufigsten erfahren. „Schauplatz dafür ist in sehr vielen Fällen die Schule. Das bedeutet, dass die Schule keinesfalls jener Ort ist, an dem man sich optimal entwickeln kann", erläutert Harasser.

Neben Gleichaltrigen werden auch Lehrpersonen zu Mobbern. „In Tirol gab es in letzter Zeit zahlreiche solcher Beschwerden. Mir wird oft vorgeworfen, dass ich diese Lehrer an den Pranger stelle. Das mache ich nicht, ich möchte nur Missstände aufzeigen“, betont Harasser. Vor allem gegen psychische Gewalt sei es schwierig, etwas zu unternehmen. Die Beweislage sei problematisch, es stehe immer Aussage gegen Aussage. Und die Aussage der Lehrperson werde meist höher bewertet.

Prinzipiell bestehe größter Handlungsbedarf. „Die Studie legt klar dar, wo die Schwierigkeiten liegen. Es müsste jetzt investiert werden, damit wir endlich ein Schulsystem haben, das zu den besten der Welt gehört", verdeutlicht Harasser.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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