25.09.2020 14:00 |

Profisport und Corona

„Das war ein Gefühl wie beim ersten Mal!“

Nach Monaten wieder zurück auf dem Eis! Wie die Spieler der spusu Vienna Capitals die vergangenen Monate erlebt haben: Im Lockdown mussten da schon mal die Kletterstange am Kinderspielplatz oder Rollerblades für das Training reichen.

Tatsächlich genügen nur ein paar Wochen Pause, um sich an die Herausforderung auf dem Eis erst wieder neu gewöhnen zu müssen, bestätigt der Kapitän der Eishockey-Mannschaft spusu Vienna Capitals, Mario Fischer (31), beim Interview.

Auch der in Kanada geborene Mittelstürmer Taylor Vause (28) war wie seine Kollegen von dem Aus durch die Corona-Krise auf dem Weg zu einem Spiel in Graz am 10. 3. überrumpelt worden. Zurück in die Halle konnten die „Caps“ erst Mitte August. Fischer: „Ich war noch nie so lange nicht auf dem Eis gewesen! Man musste wirklich wieder ganz neu reinkommen. Das ist eine Bewegung, die man extrem schnell verliert . .“

Jeder trainierte zunächst für sich allein
Was Team-Orthopäde Prim. Dr. Gerald Ch. Loho, Herz-Jesu Krankenhaus in Wien, bestätigt: „Wir haben etwa versucht, Trainings-Maschinen zu adaptieren, aber die echte Bewegung auf dem Eis kann man nicht imitieren. Beim Intensivtraining geht man zudem unter Anleitung des Konditionstrainers an die Überlastungsgrenze. Der Sportler muss seinen Körper gut kennen und auf ihn hören.“

Das gewohnte Training zu lassen, kam für die Spieler zu keinem Zeitpunkt in Frage. Vause entschloss sich im März, bei seiner Verlobten in Wien zu bleiben anstatt, wie sonst am Ende einer Saison, nach Kanada zu fliegen: „Sicherheit geht vor! Eishockey ist für mich das Wichtigste. Das war ein ungeplanter Sommer. Aber ich wollte die Zeit nutzen, bin auf spezielle Rollerblades umgestiegen.“ „Ich hatte noch Glück, da ich zu meiner Familie in die Steiermark fahren konnte. Mitten in der Natur. Und die Zeit mit meinen beiden Kindern und meiner Frau zu verbringen war das Schönste. Aber gleichzeitig wusste ich nicht, wie es mit dem Sport weitergehen würde“, beschreibt Fischer die Situation im Lockdown.

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Die tatsächliche Bewegung auf dem Eis kann man mit dem besten Training nicht imitieren.

Prim. Dr. Gerald Ch. Loho, Herz-Jesu Krankenhaus in Wien

Also musste man improvisieren. Abwehrspieler Fischer: „Ich wollte mir eh schon immer ein Home-Gym einrichten. Das hat etwas gedauert, daher habe ich meine lieben Kinder gebeten, dass ich ihren Spielplatz benutzen darf. Für Klimmzüge usw. Auch der Ergometer kam regelmäßig zum Einsatz.“

Zwischenzeitlich wurden alte und neue Verletzungen therapiert, wie an sich nach Saisonende üblich, so Prim. Loho: „Auf dem Eis kommt es zu vielen unterschiedlichen Verletzungsmustern. Oft sind Schulter und Knie betroffen, durch direkte Pucktreffer entstehen Frakturen. Überlastungsschäden gehören ebenfalls abgeklärt.“ Die Sommercamps konnten nun wie gewohnt abgehalten werden. Das Ziel: „Natürlich wollen wir die Championship gewinnen und ein gesundes, leistungsfähiges Team aufs Eis bringen“, gibt sich Taylor Vause kämpferisch.

Die Burschen in den gelb-schwarzen Vereinsfarben holten bereits 2004/2005 und 2016/2017 den Meistertitel. Im Schnitt werden auch aktuell wieder zwei Spiele pro Woche absolviert. Die Corona-Auflagen sind streng. „Alles, was wir als Sportler unternehmen können, um eine Ansteckung und Verbreitung des Virus zu verhindern, müssen wir tun. Auch für unsere Fans, denn wir sind extrem auf die Zuseher angewiesen“, so Vause. Auch Mario Fischer schlägt in diese Kerbe: „Wir sind Vorbilder, es hängt alles davon ab, dass wir verantwortungsbewusst mit der Corona-Situation umgehen und das Ansteckungsrisiko so gut wie möglich minimieren.“

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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