19.08.2020 06:30 |

Unwetter machen Pause

„So eine Katastrophe haben wir noch nie erlebt“

Katastrophenalarm in der Steiermark! Die schweren Unwetter der letzten Tage haben im ganzen Land Spuren hinterlassen - drei Gemeinden im Raum Murau sowie Unterlamm in der Südoststeiermark wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Ein Experte klärt auf, was diese Ausnahmesituation rechtlich bedeutet. Die gute Nachricht: Das Schlimmste sollte nun einmal überstanden sein.

„Jeder Tropfen kann einer zu viel sein.“ Immer wieder blickte Robert Hammer, Bürgermeister von Unterlamm, am Dienstag in Richtung Himmel. Der ganz große Schauer blieb zumindest an diesem Tag aus.

Rückhaltebecken übergelaufen
Die 1200-Seelen-Gemeinde war aber ohnehin schon schwer von den Unwettern gezeichnet. Rund 50 Gebäude wurden durch die Wassermassen beschädigt, über mehrere Gehöfte musste ein Betretungsverbot verhängt werden. Zudem kommt es durch den aufgeweichten Boden täglich zu Hangrutschungen. „Ich bin seit 35 Jahren Bürgermeister, aber so eine Katastrophe habe ich noch nie erlebt - beide Rückhaltebecken sind übergelaufen“, ist Hammer fassungslos.

Schon vor den aktuellen Unwettern wurde deshalb bereits die Vergrößerung eines Rückhaltebeckens bewilligt. „Das Becken wird dann das sechsfache Fassungsvermögen von heute haben“, berichtet Hammer. „Die Becken wurden vor 20 Jahren errichtet, damals hat die Kapazität ausgereicht, jetzt wollen wir das Fassungsvermögen an die geänderten Verhältnissen anpassen - leider kam es für das jetzige Unglück zu spät.“ 

Mehrere Katastrophengebiete
Bereits am Wochenende hat er deshalb seine Gemeinde zum Katastrophengebiet erklärt - im Gegensatz dazu wurde in Murau eine Bezirkskatastrophe ausgerufen, wie Harald Eitner, Leiter der Landes-Fachabteilung für Katastrophenschutz und Landesverteidigung, erklärt. „Wenn ein Ereignis dazu führt, dass eine Gefahr für Menschenleben oder Sachwerte in außerordentlichem Ausmaß besteht, kann die verantwortliche Behörde den Katastrophenzustand ausrufen. Im Falle von Murau hat das eben der Bezirkshauptmann gemacht, mit Schwerpunkt in der Stadt Murau, in St. Lambrecht und Mühlen.“

Behörde darf Häuser beschlagnahmen
Interessant: Bei einer Bezirkskatastrophe werden die Kosten zur Beseitigung der Schäden vom Land getragen - trifft eine Gemeinde diese Entscheidung, muss sie die Kosten laut Gesetz selbst übernehmen. „Dazu erhält die Behörde durch den Katastrophenzustand auch umfangreiche Rechte, wie etwa zur Beschlagnahmung von Häusern und Fahrzeugen oder das Betreten fremden Bodens. Aber natürlich muss alles nach dem Gleichbehandlungsgebot erfolgen und in Relation zu den Ereignissen stehen“, so Eitner.

Schwere Schäden in der Landwirtschaft
Besonders hart hat es zuletzt auch die steirischen Landwirte getroffen: Wie die Hagelversicherung berechnet hat, wurden im Bundesland 3000 Hektar Agrarfläche verwüstet - der Schaden beträgt eine Million Euro. Ab Mittwoch soll sich das Wetter aber endlich beruhigen - das Schlimmste scheint vorerst überstanden. 

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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