24.07.2020 05:00 |

Besorgniserregend

Dickere Kinder durch den Lockdown!

In einer Wiener Schule wurde im Zuge eines wissenschaftlichen Pilotprojektes das Gewicht der Kinder vor Beginn der Corona-Krise und am Schulschluss gemessen. Die Auswirkungen von zu wenig Bewegung und ungesunder Ernährung während des „Home schoolings“ wurden dabei deutlich sichtbar.

Ab Mitte März hieß es für österreichische Schüler zu Hause lernen. Viele haben diese schwierige Zeit gemeistert. Bewegung und gesunde Ernährung dürften dabei aber oft auf der Strecke geblieben sein - die Waagen zeigten Ende Juni leider deutlich mehr Gewicht an. Dieses Ergebnis erhielten Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm und sein Team im Zuge ihres Programmes EDDY. Das wissenschaftlich begleitete Projekt zur Prävention von Übergewicht bei Kindern wird in einer Volksschule in Wien 12 seit dem Wintersemester 2016/17 durchgeführt. „Die Schüler erhalten dabei einmal pro Woche Ernährungsunterricht. Experten bringen ihnen nicht nur theoretisches Wissen näher“, erklärt der Studienleiter. „Wir zeigen ihnen z. B. auch, wie viel (Würfel-)Zucker in Softdrinks steckt. Danach bereiten wir gemeinsam gesunde Limo zu. Zusätzlich haben die Kids zweimal wöchentlich Sportunterricht unter der Leitung von Spezialisten.“

Nach dem Lockdown versorgten die Experten die Kinder der sogenannten Interventionsgruppe online mit theoretischer Information über Ernährung (schriftlich und durch Videos) sowie leichten, gesunden Rezepten (z. B. für Brotaufstrich). Auch spielerische Bewegungsübungen, welche die Kleinen alleine durchführen konnten, wurden vermittelt sowie das Führen eines Ernährungs- und Bewegungstagebuchs angeregt. Die Kontrollgruppe erhielt keine Informationen.

Am Schulschluss dann der Schreck: „In beiden Gruppen haben die Schüler im Schnitt je 4,54 kg zugenommen“, berichtet Prof. Widhalm. Wobei Kinder der Kontrollgruppe, den BMI (Body-Mass-Index) betreffend, etwas mehr „zulegten“. Was wünscht er sich für die Zukunft? „Gewicht und Größe der Kinder, die die Schulärzte erheben, müssen ausgewertet werden, weil diese die Grundlage für gezielte Präventionsmaßnahmen darstellen. Zudem wäre ein evaluierter Lifestyle-Unterricht mit täglicher Bewegungseinheit ein Muss. Für adipöse Kinder sollte ein eigener Sportunterricht implementiert und Eltern generell mehr miteinbezogen werden, um ihre Sensibilität für das Thema zu fördern. Auch Prämierungen von Schulen, die Prävention ernst nehmen, wären wünschenswert.“

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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