Brief aus Indonesien

Ist der Eurofighter-Ausstieg so nah wie nie?

Politik
19.07.2020 18:36

Ein Brief des indonesischen Verteidigungsministers an Klaudia Tanner (ÖVP) ließ am Wochenende die Köpfe der Militärs rauchen: Falls er echt ist - was noch nicht bestätigt ist -, und Indonesien tatsächlich unsere Jets kaufen will, könnte gemeinsam mit Airbus ein überraschender Ausstieg aus dem Eurofighter gelingen.

In dem einseitigen Brief, der am Freitag in Klaudia Tanners Büro einging, kündigt der indonesische Verteidigungsminister Prabowo Subianto überraschend Interesse an Österreichs 15 ungeliebten Eurofightern an - die „Krone“ berichtete. Das Land wolle „seine Luftstreitkräfte modernisieren“ und sei sehr an den europäischen Hochleistungs-Jets interessiert, so das Schreiben.

Ein Eurofighter-Modell bei einer Vorführung 2015 in Indonesien. Schon damals versuchte Airbus, seinen Kampfjet in Asien zu verkaufen. (Bild: Airbus)
Ein Eurofighter-Modell bei einer Vorführung 2015 in Indonesien. Schon damals versuchte Airbus, seinen Kampfjet in Asien zu verkaufen.

Ob es sich tatsächlich um einen offiziellen Brief von Subianto handelt, blieb am Wochenende von der indonesischen Botschaft in Wien unbestätigt. Aus Militärkreisen des Landes hieß es aber, der Inhalt des Briefes sei plausibel - das Kaufinteresse würde tatsächlich bestehen. Damit entstünde ein interessantes Exit-Szenario für Österreich, das seit Samstag auch Piloten und Planer am Eurofighter-Stützpunkt in Zeltweg beschäftigte.

Ausweg für Tanners Dilemma mit Airbus
Airbus versucht seit 2014, im asiatischen Raum, speziell in Indonesien, mit seinem Eurofighter Fuß zu fassen. Indonesien suchte damals neue Jets, die Wahl fiel auf die russische Su-35. Doch der Deal scheiterte. US-Sanktionen, die bei Kauf von russischem Militärgerät schlagend werden, verhinderten die Anschaffung. Plötzlich war der Eurofighter wieder im Spiel. Österreich will sie loswerden, Indonesien hätte sie gerne - es passt zusammen.

Der Brief des indonesischen Verteidigungsministers (Bild: zVg)
Der Brief des indonesischen Verteidigungsministers

Voraussetzung dafür, dass Österreich das Kriegsgerät weitergeben dürfte, wäre neben innenpolitischem Konsens auch die Zustimmung der Herstellerländer, von Airbus und von den USA, da im Eurofighter auch US-Gerät wie z.B. das GPS verbaut ist.

Bleiben wohl noch länger im Inventar: Österreichs Eurofighter und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (Bild: APA/BUNDESHEER/HÖRL, APA/ROLAND SCHLAGER, krone.at-Grafik)
Bleiben wohl noch länger im Inventar: Österreichs Eurofighter und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner

Kritisch wird die Zeitleiste: Österreichs 2019 abgeschlossener „Servicevertrag 2“ für die Eurofighter läuft im Frühling 2022 aus - ein logischer Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem System. Allerdings müssten dann in Zeltweg die Eurofighter in nur 20 Monaten ausgemustert und ein neuer Jet eingeführt werden. Saab steht mit 18 Stück seines „Gripen C/D“ hier bereits Gewehr bei Fuß.

Video: Im Cockpit des Eurofighter

Inwieweit dieses Ausstiegsszenario zwischen Airbus, Tanner und Indonesien  im Vorfeld abgestimmt war, blieb unklar. Airbus-Sprecher Dirk Erat zur „Krone“: „Kein Kommentar.“

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